Es gibt schnelle Autos. Und es gibt Autos, bei denen schon die Optik verrät, dass Vernunft bei ihrer Entwicklung nicht die Hauptrolle gespielt hat. Der neue Marsien GT gehört klar zur zweiten Kategorie. Marc Philipp Gemballa, Sohn der deutschen Tuning-Legende Uwe Gemballa, macht aus dem ursprünglich für die Wüste entwickelten Marsien einen deutlich straßenorientierteren Supersportwagen.
Das Ergebnis sieht aus, als hätte jemand einen Porsche 959 mit einem modernen Rallye-Supersportler gekreuzt. Darunter steckt allerdings aktuelle Porsche-Technik – und ein Motor, der deutlich mehr Leistung entwickelt als das Serienauto.

819 PS aus einem RUF-Boxer
Die technische Basis liefert der aktuelle Porsche 911 Turbo S. Vom Serien-Porsche bleibt allerdings vor allem die technische Grundlage übrig. Die Karosserie wird komplett durch eine neu entwickelte Außenhaut aus Kohlefaser ersetzt.
Noch interessanter wird es hinter den Sitzen. Dort arbeitet nicht mehr der Serienmotor des 911 Turbo S, sondern ein von RUF stammender Biturbo-Sechszylinder. Der Boxer bringt es im Marsien GT auf 819 PS und 930 Nm Drehmoment.

Damit ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Auf Wunsch soll ein weiteres Motor-Upgrade die Leistung auf mehr als 900 PS erhöhen. Für einen Wagen, der seine optischen Vorbilder in der Supersportwagen-Historie der 1980er-Jahre findet, ist das eine ziemlich zeitgemäße Interpretation.
Porsche 959 lässt grüßen
Die vielleicht auffälligste Besonderheit des Marsien GT ist allerdings nicht die Motorleistung. Es ist seine Form.
Während der ursprüngliche Marsien seine Herkunft aus dem Offroad-Sport nicht verstecken wollte, rückt die GT-Version deutlich näher an einen klassischen Supersportwagen. Besonders die Gestaltung der Karosserie erinnert an den Porsche 959 – jenes legendäre Allrad-Coupé, das in den 1980er-Jahren als technologischer Vorreiter galt und bis heute zu den begehrtesten Porsche-Modellen überhaupt gehört.

Eine Kopie ist der Marsien GT dennoch nicht. Marc Philipp Gemballa interpretiert die charakteristischen Proportionen mit moderner Kohlefaser-Karosserie und deutlich aggressiverer Aerodynamik neu.
Auch das Fahrwerk wurde für den Asphalt-Einsatz komplett überarbeitet. Anstelle der auf extreme Bodenfreiheit ausgelegten Konstruktion des Wüsten-Marsien kommt beim GT eine neue Doppelquerlenker-Aufhängung zum Einsatz. KW-Dämpfer sollen dabei aktiv auf Veränderungen der Fahrbahn reagieren und den Spagat zwischen hoher Kurvengeschwindigkeit und einem gewissen Maß an Alltagstauglichkeit ermöglichen.

Auch innen kein gewöhnlicher 911
Im Innenraum bleibt ebenfalls wenig vom Serien-911 übrig. Zwar ist die technische Verwandtschaft weiterhin erkennbar, Marc Philipp Gemballa versucht aber, dem GT einen eigenständigen Charakter zu geben.

Besonders ins Auge fällt der Schalthebel, der sich gestalterisch am Porsche Carrera GT orientiert. Je nach Kundenwunsch lässt sich der Innenraum mit unterschiedlichen Kombinationen aus Leder, Alcantara und Carbon ausstatten.
30 Autos für 70 Jahre Gemballa-Geschichte
Entsprechend exklusiv fällt die Auflage aus. Vom Marsien GT sollen lediglich 30 Exemplare entstehen. Der Preis beginnt bei 770.000 Euro – allerdings ohne das Basisfahrzeug.

Wer zusätzlich einen 911 Turbo S als technische Grundlage benötigt, muss dafür aktuell noch einmal rund 271.000 Euro einplanen. Je nach Ausstattung nähert sich das Gesamtpaket damit schon vor weiteren Optionen der Millionengrenze.
Die geringe Stückzahl ist bewusst gewählt. Zusammen mit den 40 bereits gebauten Marsien ergeben sich insgesamt 70 Fahrzeuge. Die Zahl soll an den 70. Geburtstag von Uwe Gemballa erinnern, den die Tuning-Legende in diesem Jahr gefeiert hätte.
Weltpremiere in Pebble Beach
Öffentlich gezeigt wurde der Marsien GT im Rahmen der Monterey Car Week beim Pebble Beach Concours d'Elegance in Kalifornien.

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