Isack Hadjar steht ja bekanntermaßen an diesem Wochenende in der Formel 1 nicht am Start, da er sich in der Sommerpause am Handgelenk verletzt hat. Stattdessen kann er in Zandvoort nur zuschauen, wie Liam Lawson sein Cockpit bei Red Bull übernimmt. Yuki Tsunoda wurde von den Racing Bulls aus dem Urlaub geholt, um die dadurch entstehende Vakanz auszugleichen. Für beide war es ein Sprung ins kalte Wasser, denn weder hatte Liam Lawson mit dem RB22 bislang Erfahrung sammeln können noch Tsunoda mit dem VCARB 03.
Entsprechend ist es für die beiden etwas unglücklich, dass sie ausgerechnet für das Sprintrennen in Zandvoort ihre Rochade hinlegen mussten und damit heute nur eine Trainingssession Zeit hatten, sich einzuschießen, ehe sie mit den für sie neuen Boliden ins erste Qualifying gingen. Mit Platz 11 und 12 verpassten sowohl Lawson als auch Tsunoda den Einzug in SQ3. Bei der Beurteilung dieser Leistungen gingen ihre Sichtweisen allerdings auseinander.
Liam Lawson rätselt: Was ging im Qualifying schief?
Liam Lawson zeigte sich unzufrieden über sein Abschneiden im Sprint-Qualifying. Er hatte in SQ2 einen Rückstand von 0,365 Sekunden auf Max Verstappen aufgerissen, der allgemein mit dem Red Bull haderte und sein Team an diesem Wochenende nicht mehr im Kreise der Topteams verortet. Mehr dazu hier:
Lawson ist davon überzeugt, dass er mindestens deutlich näher an Verstappen hätte dran sein können. Im SQ1 hatte er seinen hochdekorierten Teamkollegen sogar hinter sich gelassen, im Training hatte sich die Lücke hingegen auf über eine halbe Sekunde beziffert. "Normalerweise verbessert man sich im Laufe des Qualifyings und wir starteten ziemlich stark in SQ1, dann aber konnten wir nicht denselben Schritt hinlegen wie alle anderen", rätselte der Neuseeländer.
Tatsächlich hatte seine Zeit von 1:13,420 im ersten Qualifying-Abschnitt noch für P6 gereicht. Mit einer 1:13,136 scheiterte er ein Segment später allerdings bereits deutlich an Gabriel Bortoleto, der auf P10 die Messlatte für den Aufstieg bildete. "Ich fühlte mich heute ziemlich gut im Auto, auch im Qualifying fühlte ich mich okay, deshalb dachte ich, dass ich weiterkommen könnte. Schade!", fasste Lawson zusammen.
Lawson beendet Red-Bull-Unserie
Der Vergleich zu Isack Hadjar fällt für Lawson wenig überraschend noch etwas unschmeichelhaft aus. Im Schnitt reihte sich der Franzose im bisherigen Saisonverlauf auf der entscheidenden Qualifying-Runde 0,21 Prozent hinter Verstappen ein, Lawson lag nun beim Sprint-Qualifying in Zandvoort 0,50 Prozent hinten. Aber diesen groben Vergleich kann man ihm wohl bei seinem Premierenauftritt im Auto der österreichischen Mannschaft nur schwer zum Vorwurf machen – nicht zuletzt aufgrund der geringen Stichprobengröße. Zumal sich Tsunoda in SQ2 auch ähnlich weit hinter Arvid Lindblad einreihte.
Immerhin hat Lawson mit diesem SQ2-Einzug seine Negativ-Bilanz aufbessern können. Denn bei seinen bisherigen drei Qualifyings für Red Bull, die er allesamt zu Beginn von 2025 absolviert hatte, hatte er es nie auch nur annähernd in den zweiten Abschnitt geschafft. Diese schmachvolle Statistik kann der einst gechasste Red-Bull-Pilot und jetzige Racing-Bulls-Stammfahrer nun endgültig zu den Akten legen.
"Rookie" Yuki Tsunoda überrascht sich im Nassen selbst
Für Yuki Tsunoda ist zumindest auf dem Papier der kurzfristige Einsatz im Racing Bull noch einmal eine weit größere Herausforderung als der Red-Bull-Aufstieg für Lawson. Denn sein ehemaliger Teamkollege konnte sich immerhin mit der aktuellen Generation an Formel-1-Autos schon ein halbes Jahr im Rennbetrieb vertraut machen und musste jetzt 'nur' seinen Dienstwagen wechseln.
Yuki Tsunoda kannte bis vor wenigen Tagen die neue F1-Generation nur aus dem Simulator in Milton Keynes, wo er regelmäßig den Red Bull virtuell gesteuert hatte. In Real-Life fuhr er im bisherigen Jahr nur TPCs, ein ursprünglich angedachter Einsatz bei einem Reifentest Anfang April in Suzuka kam kurzfristig nicht zustande. Vom Racing Bull sprechen wir gar nicht erst, diesen bewegte er selbst im Simulator erstmals am Mittwoch.
"Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich ein bisschen wie ein Rookie", betonte Tsunoda seinen Erfahrungsrückstand. "Der Bremsdruck und so viele Dinge sind sehr anders verglichen mit letztem Jahr. Außerdem hat man [im Training] nur zwei Sätze Reifen, die will man nicht sofort beschädigen", beschrieb der 111-fache Grand-Prix-Starter seine Angst vor einem potenziellen Fahrfehler. Außerdem habe er sich auch darauf einstellen müssen, dass das Downforce-Niveau vor allem in schnellen Kurven deutlich geringer ausfällt als jenes im letzten Jahr.
"Es war also ziemlich schwierig, aber am Ende bin ich ziemlich zufrieden mit der Performance, die ich im Sprint-Qualifying zeigte", so die Bilanz von Tsunoda. Besonders überrascht zeigte er sich von seiner Pace im etwas nassen ersten Training. "Ich schätze, die feuchten Bedingungen waren für alle so etwas wie eine Premiere, also glich sich das etwas aus."
Von Platz 12 aus sind Punkte im Sprint wohl eine eher schwierige Angelegenheit. Vor allem, da Zandvoort sich in den letzten Jahren als alles andere als ein Überholparadies präsentierte. Das Hauptaugenmerk liegt also sowohl bei ihm als auch bei Lawson am morgigen Samstag auf dem Qualifying, das am Nachmittag über die Bühne geht. Der Sprint wird hingegen schon in der Mittagszeit ausgefahren. Hier findet ihr den kompletten Zeitplan für das Formel-1-Wochenende in Zandvoort:



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