Wie schnell sich das Pendel in der Formel 1 von einer Seite zur anderen bewegen kann, zeigte das Beispiel George Russell in Sepang. Noch eine Woche zuvor trank er in Baku den Siegerchampagner; beim Bahrain GP in Malaysia musste er auf dem Weg zu einem Podestplatz sein Auto fünf Runden vor der Zielflagge an der Boxengassenausfahrt abstellen.
"Er meldete sich hinter dem Safety-Car über Funk und sagte, dass sich die Power Unit komisch anhöre. Wir haben dann gesehen, dass die Sensoren falsche Werte lieferten. Damit war klar, dass ein Defekt vorlag und wir das Auto abstellen mussten", erklärte der stellvertretende Mercedes-Teamchef Bradley Lord direkt nach dem Rennen in Singapur. Mittlerweile hat Mercedes den W17 untersucht und das Offensichtliche bestätigt: Es handelte sich um ein Problem an der Antriebseinheit.
"Es ist eindeutig ein mechanischer Defekt auf der Seite der Power Unit. Was genau die Ursache ist, müssen wir noch ermitteln - die Folge war jedoch für alle klar ersichtlich", teilte Lord am Dienstag mit. Der Ausfall in Malaysia ist für Russell ein schwerer Schlag im Kampf um die Weltmeisterschaft. Bei noch sieben verbleibenden Rennen ist sein Rückstand auf Teamkollege Kimi Antonelli auf 84 Punkte angewachsen.
Titelhoffnungen schrumpfen: Droht eine Grid-Strafe in Singapur?
"Das war ein verheerender Schlag für das Team und 15 verlorene Punkte für George", räumte Lord ein. Es war bereits das zweite Mal in dieser Saison, dass George Russell durch einen Defekt ein fast sicheres Podium einbüßte: Bereits in Kanada hatte ihn ein Batterie-Problem in Führung liegend gestoppt. In Barcelona wiederum musste Antonelli mit einem Motorschaden vorzeitig aufgeben. Doch noch bitterer als der Ausfall selbst ist Russells angespannte Situation im Motorenpool.
Der Brite ist bei den Komponenten am Limit der erlaubten Laufleistung. Ursprünglich wollte Mercedes mit dem Wechsel auf eine frische Power Unit warten, bis beim Großen Preis der USA die voraussichtliche ADUO-Nachbesserung zum Einsatz kommt, doch Lord bestätigte: "Es könnte bedeuten, dass wir unseren ursprünglichen Plan ändern müssen." Vieles deutet darauf hin, dass Russell bereits am kommenden Wochenende in Singapur auf neue Teile zurückgreifen muss. Im Worst Case bedeutet das einen Start vom Ende des Feldes und zugleich, dass er mit dieser Ausbaustufe die Saison zu Ende fahren muss. Alternativ müsste er sonst ein zweites Mal eine Startplatz-Strafe hinnehmen.
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Mercedes-Upgrade ein Fort- oder Rückschritt?
Mercedes war mit einer umfassenden Überarbeitung des W17 nach Malaysia gereist, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Stattdessen stand das Team vor einem Rätsel: Die im Windkanal und in den Simulationen gemessenen Gewinne beim Anpressdruck schlugen sich nicht in den Rundenzeiten nieder. Lord erläuterte die Problematik bereits direkt nach dem Rennen. "Wenn man Anpressdruck hinzufügt, erzeugt man zwangsläufig mehr Luftwiderstand. Die Kalkulation lautet: Was man in den Kurven gewinnt, wiegt das auf, was man auf den Geraden verliert."
"Was wir erwartet haben, haben wir auch gesehen - in den schnellen und mittelschnellen Passagen war der Vorteil da, und die Fahrer haben das gespürt. Aber es gibt keinen Zweifel daran, dass wir das gesamte Wochenende über in den langsamen Kurven gekämpft haben." Mittlerweile ist Mercedes der Ursache einen Schritt näher gekommen. Nach internen Analysen führte die Kombination aus den neuen Teilen, den hohen Streckentemperaturen und dem spezifischen rauen Asphalt in Sepang zu einer Wechselwirkung: Der W17 arbeitete schlicht außerhalb seines optimalen Betriebsfensters.
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Russell und Antonelli mussten den Wagen in langsamen Kurven über das Gaspedal eindrehen, was das Reifenmanagement in der Hitze Malaysias zusätzlich erschwerte. "Das ist nicht einfach zu entwirren. Es ist ein dreidimensionales Problem, das wir durcharbeiten müssen", fasste Lord zusammen. Eine schnelle Lösung könnte ein Vergleichstest im Freien Training von Singapur sein: Fahren Russell und Antonelli am Freitag unterschiedliche Aerodynamik-Konfigurationen, lassen sich reale Messdaten über Vor- und Nachteile des Updates sammeln.
Doch so ganz will man sich bei Mercedes noch nicht in die Karten blicken lassen. "Wir müssen die richtigen Schritte festlegen, um das nötige Grundverständnis zu erlangen. Nur so funktioniert das Update optimal – nicht nur für das aktuelle Auto, sondern auch für die Entwicklung des 2027er-Boliden", meinte Lord im Mercedes-Debrief.
Beim regnerischen Bahrain-GP in Malaysia zeigen die drei erfolgreichsten Fahrer unserer Zeit der restlichen Formel-1-Welt, wie es geht und bilden ein Podium für die Ranking-Geschichtsbücher. Alle Infos in diesem Artikel:



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