Es ist wohl der Albtraum eines jeden Arbeitnehmers. Man macht es sich gerade am Strand gemütlich, genießt das Meer und die Wellen. Doch plötzlich klingelt das Telefon, der Chef ist am Apparat und man muss dringend wieder zurück ins Büro. So ungefähr erging es Yuki Tsunoda, der am Dienstag zu seinem Formel-1-Comeback einberufen wurde.
"In dem Moment, als ich den Anruf bekommen habe, war ich gerade mit meinem Manager [Diego Menchaca] und einigen Freunden in Griechenland und verbrachte Zeit am Strand. Ich relaxte und sah mir das wunderschöne Meer an", beschrieb Tsunoda die Situation. "Ich war da gerade erst seit etwa 24 Stunden in Griechenland. Und plötzlich bekam ich einen Anruf, dass ich zurück nach Großbritannien muss", erzählte er weiter.
Yuki Tsunoda freut sich über F1-Comeback: "Egal, welches Auto ich fahre"
An dem Punkt hören die Parallelen zu einem normalen Arbeitnehmer wohl auf, denn für Yuki Tsunoda war der Anruf eine gute Nachricht. Schon die ganze Saison hatte der Japaner auf eine Gelegenheit gelauert, wieder ein Rennen bestreiten zu können. Der Red-Bull-Ersatzfahrer hielt sich im Fitnessstudio fit, saß regelmäßig im Simulator in Milton Keynes und war an der Strecke im Umfeld des Red-Bull-Werksteams zugegen. Insgesamt absolvierte er zudem vier TPC-Einsätze, allerdings keine Ausfahrten mit dem echten RB22. Die einzige sich bietende Gelegenheit bei einem Reifentest in Suzuka Anfang April wurde ihm kurzfristig verwehrt.
Nachdem Isack Hadjar aufgrund einer Handgelenk-Verletzung das Formel-1-Rennen in Zandvoort auslassen muss, war es trotzdem die logische Reaktion, dass Tsunoda eine frei werdende Lücke füllen würde. Allerdings bekommt er diese nicht bei Red Bull Racing, sondern im kleinen Schwesterteam. Denn Liam Lawson wird für das Wochenende zum Topteam aufrücken.
Dass ihm also 'nur' das F1-Cockpit im kleinen Bullenteam bleibt, belastet Tsunoda überhaupt nicht. "Ich bin dankbar, dass ich ein Cockpit habe. Es ist mir wirklich egal, welches Auto ich fahre, denn beide Teams performen in diesem Jahr gut, vor allem auch die Racing Bulls", so Tsunoda. Der Nachteil daran ist, dass er bis vor wenigen Tagen sämtliche Erfahrungen mit 2026er-Autos virtuell im Red Bull RB22 gesammelt hat. Erst am Mittwoch nahm er erstmals im Simulator der Racing Bulls Platz.
Das sei aber alles keine so große Hemmnis, ist Tsunoda überzeugt, zumal er bei dem Team aus Faenza über vier Jahre in der Formel 1 verbracht hatte. Tsunoda sprach: "In Bezug auf das Autoverständnis habe ich sicher im Red Bull mehr davon. Aber wenn es darum geht, dass ich die Knöpfe und alles verstehe, wusste ich aus letztem Jahr, dass kein großer Unterschied zwischen denen besteht."
Formel-1-Comebackmann möchte keine Erwartungen aufstellen
"Die meisten Dinge entsprechen den Erwartungen und ich denke, dass es eine sehr einfache Umstellung zwischen Red Bull und den Racing Bulls sein wird", fügte Tsunoda hinzu. Dennoch traut er sich aufgrund der Umstellung keine konkrete Prognose zu: "Ich muss mich einfach mal an das Auto gewöhnen, deshalb stelle ich aktuell keine Erwartungen auf."
Er geht betont gelassen in sein 115. Grand-Prix-Wochenende, das natürlich je nach der Verletzung von Hadjar - Details über deren Schwere sind aktuell keine bekannt - und dem weiteren Verlauf von Tsunodas Karriere immer auch potenziell sein letztes sein könnte. "Ich will es einfach genießen und Spaß haben", so Tsunoda. Wobei natürlich der Erfolgshunger nicht zu kurz kommen sollte: "Es ist immer gut, wenn man Rennen fahren kann und natürlich ist es mein Ziel, 100 Prozent der Performance rauszuholen."
Dass das F1-Wochenende in Zandvoort im Sprint-Format ausgetragen wird, macht ihm die Vorbereitung auf den Grand Prix natürlich etwas schwieriger, da er dadurch nur eine Trainingssession zur Verfügung hat, um sich mit dem echten Boliden vertraut zu machen. Gleichzeitig gilt der VCARB 03 als ein gutmütiges Auto mit einem relativ breiten Arbeitsfenster. Das hilft natürlich.
Tsunoda will nicht nur Testfahrer bleiben - IndyCar-Gerüchte um Meyer Shank Racing
Die Gelegenheit kommt für Tsunoda zu einem kritischen Zeitpunkt in seiner Karriere. Die Prioritäten lagen bei ihm natürlich immer auf der Formel 1, weshalb er auch den Ersatzmann-Job bei den Bullen angenommen hat. Aber natürlich mit einem klaren Blick auf eine dauerhafte Rückkehr, und zwar schon für die kommende Saison.
Sollte sich diese Gelegenheit nicht bieten, will sich Tsunoda nach Stammfahrer-Rollen in anderen Rennserien umschauen. "Mein Hauptziel ist es immer, in der Formel 1 zu fahren und Erfolg zu haben. Das wird immer so sein. Aber ich will auch nicht zwei Jahre in der Garage bleiben, ich will fahren. Falls ich kein Cockpit für nächstes Jahr finde, muss ich mich um eine neue Rennserie umschauen", so der 26-Jährige.
Erste Schritte in diese Richtung hat sein Management-Team wohl schon getätigt, denn vor wenigen Tagen kamen Gerüchte auf, welche Tsunoda mit einem IndyCar-Cockpit bei Meyer Shank Racing in Verbindung bringen. Dort könnte er das Cockpit des amtierenden Indy-500-Champions Felix Rosenqvist übernehmen, der zu McLaren abgewandert ist. Aber zunächst kommt jetzt erst einmal das Formel-1-Comeback - danach können Tsunodas Zukunftsperspektiven schon ganz anders aussehen.
Die Zukunft von Max Verstappen ist hingegen seit heute endgültig geklärt. Der vierfache Weltmeister bleibt bei Red Bull Racing und unterzeichnete einen neuen Vertrag bis 2030.



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