Der Sieg vor acht Tagen in Baku hatte George Russell einen neuen Elan eingehaucht. Erstmals seit langem war er ein ganzes Wochenende lang schneller als Kimi Antonelli und sogar seine geringe WM-Chance wollte er nicht mehr gänzlich abschreiben. Doch nach Malaysia ist von diesem Stimmungsumschwung nicht mehr viel übrig.
Nicht, weil George Russell erneut gegenüber Antonelli im Hintertreffen war – obwohl das auch der Fall war. Sondern vor allem, weil der Brite zum wiederholten Male in dieser Formel-1-Saison von einem Defekt gestoppt wurde. Auf Platz 3 liegend rollte er während der letzten Safety-Car-Phase in Runde 50 vor Kurve 1 an den Streckenrand und stellte dort seinen Mercedes ab. Die Power Unit hatte schlapp gemacht.
Letzte Titelchance vorbei? Russell mit Pech statt Glück
Ein Ausfall, der den ohnehin schon verschwindend kleinen Titelhoffnungen des WM-Zweiten einen weiteren Hieb verpasste. "Ich wusste, wenn ich nochmal in den Titelkampf zurückkommen möchte, dann müsste ich das Glück auf meiner Seite haben und nicht nur gute Leistungen liefern. Nun bin ich da und nicht nur habe ich kein Glück, sondern ich habe Pech auf meiner Seite", stellte Russell nach dem Rennen bitter fest.
Teamchef Toto Wolff zeigte sich schwer enttäuscht. Er sprach vom "schlechtesten Wochenende der Saison" von Mercedes: "Wir waren weder schnell noch zuverlässig genug." In Bezug auf den Russell-Ausfall meinte er: "Es tut weh, und ich bin unglaublich traurig für George."
"Er ist ein hervorragendes Rennen gefahren und war auf dem besten Weg zu einem sehr starken Ergebnis, aber wir haben ihn im Stich gelassen", ging der Mercedes-Miteigentümer mit seinem F1-Programm hart ins Gericht. "Die Realität ist, dass uns das in diesem Jahr schon zu oft passiert ist – und das ist nicht akzeptabel."
Es war bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Russell nach einem Motorschaden mit null Punkten anstatt mit einem beinahe sicheren Podiumsresultat aus einem Rennen geht. Bereits in Kanada hatte bei ihm die Batterie schlappgemacht - damals lag er in Führung. In Barcelona hatte außerdem Kimi Antonelli mit einem Motorproblem abstellen müssen.
Strafe in Singapur? Defekt wirbelt Mercedes-Motorplan durcheinander
Logischerweise ist direkt nach dem Rennen noch nicht bekannt, wie stark der Motor in Mitleidenschaft gezogen wurde und ob er erneut eingesetzt werden kann. Falls nicht, könnte das bittere Folgen für Russell haben. "Wir müssen uns noch anschauen, was das für seinen Motor-Pool bedeutet. Denn er ist nicht reich an Power Units mit wenigen Kilometern Laufleistung. Das könnte bedeuten, dass wir unseren vorherigen Plan anpassen müssen", befürchtete Teamchef-Stellvertreter Bradley Lord.
Russell hat in der laufenden Formel-1-Saison schon das Limit bei allen relevanten Motor-Komponenten erreicht. Es galt also ohnehin schon als gesichert, dass Russell noch eine Power-Unit-Strafe ziehen muss. Bislang sah der Plan von Mercedes aber vor, damit bis zur ADUO-Nachbesserung zu warten, die noch im Herbst kommen soll - möglicherweise beim kommenden Amerika-Tripleheader.
Falls Russell nun schon vorher einen neuen Motor eingebaut bekommt, würde er entweder mit dieser älteren Ausbaustufe die Saison zu Ende fahren müssen oder noch ein zweites Mal eine Startplatz-Strafe nehmen. Lord gab zu, dass das möglicherweise so kommen könnte. "Er könnte gleich doppelt Pech haben. Das ist eine unglückliche Konsequenz dieses Problems", sagte der Wolff-Vize. Die Höchststrafe für Russell wäre es wohl, wenn er gleich am nächsten Formel-1-Wochenende in Singapur eine Startplatz-Strafe nehmen müsste. Denn abgesehen von Monaco und Madrid ist Überholen auf kaum einem Kurs so schwierig wie auf dem Marina Bay Street Circuit.



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