Am Sonntag dürften in der Aston-Martin-Garage die Korken geknallt haben. Fernando Alonso holte mit einem sensationellen achten Platz beim Bahrain-GP in Malaysia nicht nur das beste Ergebnis der Saison für den britischen Rennstall, sondern auch vier Punkte und mehr als verdoppelte damit den bisherigen Punktestand des Teams. Christian Danner schließt sich der Feierstimmung an.

"Fernando war jede Runde am Limit", beschreibt der Formel-1-Experte im AvD Motorsport-Magazin. Alonso war einer der Fahrer, die auf einem Trockenreifen starteten und auf der feuchten Strecke nach hinten gespült wurden. Da er aber auf dem Medium war, konnte er Soft-Pilot Lewis Hamilton in Schach halten. Alonso wechselte früh auf den harten Reifen und fuhr einen Overcut gegen einen Großteil des Mittelfelds. Das brachte ihn in die Top 10, der Ausfall von George Russell und der Verbremser von Lando Norris schoben ihn auf Platz acht vor.

Der Routinier schaffte es am Ende, sich zuerst gegen den schnelleren Audi von Nico Hülkenberg und dann gegen den amtierenden Weltmeister im klar stärkeren McLaren zu verteidigen, während er noch Liam Lawson für Platz sieben jagte. "Das ist echtes, klassisches Racing und da zeigt der Mann, welche Klasse er hat", lobte Danner.

Regenmeister oder Aston-Martin-Wende? Danner: Alonso gibt niemals auf! (03:52 Min.)

Starkes Ergebnis als Motivationsboost für Alonso

Dass Alonso trotz der oft aussichtslosen Situation in dieser Saison nicht klein beigibt, imponiert dem ehemaligen F1-Fahrer: "Aufgeben gibt es nicht für den. Er hat einen Biss und eine Leidenschaft, die man wirklich spürt." Der zweifache Weltmeister spielte in dieser Saison offen mit dem Gedanken eines Formel-1-Rücktritts, weil ihm die derzeitige Autogeneration nicht gefällt. Vor dem Malaysia-Wochenende verlängerte er seinen Vertrag aber um ein weiteres Jahr.

Da kam die Sensation wie gerufen. Es ist das dritte Punkteergebnis für Aston Martin, alle Zähler gehen auf Alonsos Konto. Der feierte seine Leistung nach dem Rennen auch selbst: "Ich bin sehr zufrieden. Es gibt nicht viele Wochenenden, an denen wir punkten können. Deshalb dürfen wir uns keine Fehler erlauben, wenn sich die Möglichkeit bietet. Das haben wir gut hinbekommen und ich freue mich für das Team."

"Das ist natürlich Motivation für Fernando", weiß Danner. "Damit zeigt er sich selbst, dass es wirklich so ist, wie er immer sagt: dass er eigentlich nach wie vor mit den Besten mithalten kann. Ich muss sagen: Größtes Kompliment, dass er das Auto dahinbekommen hat." Auch von seinen Fahrerkollegen erntete der Altmeister Lob. Oscar Piastri nannte ihn auf der Ehrenrunde einen "Meister des Chaos", als ihn sein Renningenieur über das Ergebnis informierte. Im Fahrerranking von Motorsport-Magazin.com bewerteten ihn die Leser und unsere Redakteure mit einer Glanznote von 1,29. Das ganze Ranking gibt es hier:

Aston Martin jetzt immer Punktekandidat? Danner zweifelt

Wer jetzt aber glaubt, dass alle Probleme von Aston Martin gelöst sind und Alonso häufiger in den Top 10 auftaucht, hat sich geirrt. "Den goldenen Gral haben sie nicht gefunden, so viel ist sicher", ist Danner überzeugt. Dennoch sieht er die Lage beim britischen Rennstall nicht als aussichtslos an: "Das Auto ist inzwischen ganz gut, auf nicht leistungsspezifischen Strecken halt wesentlich besser."

Mit einem Fahrer wie Alonso, der genügend Leidenschaft für den Sport und fürs Gewinnen mitbringt, gehöre das Auto dorthin, wo es in Sepang gelandet ist: ins vordere Mittelfeld, am äußerst hart umkämpften Rand der Top 10. Dass es jetzt endlich dort angekommen ist – und dabei nicht auf halbem Weg schlappgemacht hat, wie über einen Großteil der Saison – sollte nicht nur ein Motivationsschub für Alonso sein, sondern fürs ganze Team.

"Lawrence Stroll sowie Honda dürfen den Kopf nicht hängen lassen, sondern müssen durchbeißen", appelliert der Formel-1-Experte an den Teambesitzer, den Motorenlieferanten und an die gesamte Mannschaft: "Das gilt für jeden Ingenieur und Mechaniker, der in Silverstone arbeitet. So ein kleines Erfolgserlebnis ist für Alonso wahnsinnig wichtig, aber auch für das ganze Team."

Danner hatte nach dem Bahrain-GP in Malaysia nicht nur lobende Worte für Alonso übrig: Auch Lewis Hamilton kam in den Genuss der Schwärmerei des F1-Experten. Alles dazu lest ihr im folgenden Artikel: