Nach dem Rennen in Austin könnte Kimi Antonelli der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte sein. Die mathematische Möglichkeit besteht, aber angesichts der Ausgangslage erschien diese im Vorfeld eher unwahrscheinlich. Nach dem Qualifying gilt das zwar immer noch, aber die Wahrscheinlichkeit hat sich deutlich erhöht.
Denn Antonellis Titelrivalen Lewis Hamilton und George Russell qualifizierten sich nur auf den Positionen 5 und 6, während der Italiener gleichzeitig den Fluch des Mercedes-Upgrades brechen konnte und seinen Boliden auf die Pole Position stellte. Bei dieser Reihung im Ziel wäre Hamilton fix aus dem Titelrennen, Russell müsste aber noch drei Positionen verlieren, um auch mathematisch aller Chancen beraubt zu sein.
In diesem Artikel haben wir für euch alle Szenarien im Detail durchgerechnet:
Alles natürlich unter der Annahme, dass Antonelli gewinnen würde, ansonsten verschiebt sich die Titelparty ohnehin um mindestens eine Woche. Und das ist alles andere als garantiert, denn erneut zeigt sich der WM-Führende vor den beiden Red Bulls gewarnt: "Max war sehr schnell und auch Isack hat einen unglaublichen Job im Qualifying gemacht. Ich brauche einen guten Start und dann werden wir sehen, was möglich ist."
Neuer Mercedes: Langsame Kurven immer noch ein Problem
Zumal der geupdatete Mercedes W17 noch den Beweis schuldig ist, dass er auch im Rennen genauso stark performen kann. Nach Malaysia und Singapur bestanden nach wie vor Zweifel an dem modifizierten Mercedes, der zwar schneller ist als sein Vorgänger, aber als schwierig abzustimmen gilt. Auch im Austin-Qualifying war Antonelli noch nicht vollumfänglich zufrieden: "In den mittelschnellen und schnellen Kurven hat es sich gut angefühlt. Aber wir haben noch immer Probleme im Low-Speed-Bereich."
Vor allem mit dem Ende des S-Kurven-Abschnitts zeigte sich Antonelli zufrieden: "Das Auto war sehr gut in Sektor 1 und 2, vor allem in den Kurven 8 und 9." Das geben grob auch die Daten wieder, wobei Antonelli laut dem direkten Vergleich mit den Red-Bull-Fahrern bereits ab Kurve 7 klar schneller war. Allein der Ausgang aus Kurve 9 brachte ihm über eine Zehntelsekunde ein.
In dieser Grafik findet ihr den kompletten Rundenvergleich:
Die Telemetriedaten widersprechen dem Gefühl des Tabellenführers aber etwas an einer anderen Stelle. Denn im langsamen Geschlängel zwischen den Kurven 12 und 15 hängte er sowohl die Red-Bull-Piloten als auch Teamkollege Russell deutlich ab, nur die Ferraris waren dort in manchen Runden schneller.
Antonelli behält für das Rennen in Austin sein Mantra aus den letzten Grands Prix bei, nach dem er nur von Rennen zu Rennen denkt, allerdings gesteht er dennoch, dass es sich mit der Chance auf den Formel-1-Titel vor Augen "ein bisschen anders anfühlt."
George Russell: Zwei schlechte Runden in Q3
Dass Antonelli vom WM-Titel träumen kann, hat er Teamkollege George Russell zu verdanken, der sich am Samstag mit P6 in keine gute Ausgangslage brachte. Über vier Zehntel betrug sein Rückstand auf Antonelli und für diese macht er sich selbst verantwortlich. "Es waren zwei schlechte Runden in Q3. So einfach ist es", nahm Russell resigniert zur Kenntnis.
"Ich habe mich in Sektor 1 gut gefühlt, aber in den langsamen Kurven hatte ich Probleme und dann habe ich es in Q3 nicht zusammenbekommen", analysierte er. Ausschlaggebend war dabei ein Quersteher im ersten Run des entscheidenden Qualifying-Segments in Kurve 12. Dieser schickte die Reifen des WM-Zweiten in einen Überhitzungsstrudel, der ihn bis zum Ende der Runde begleitete. "Dann war es nur noch ein Schneeballeffekt und ich verlor alles in Sektor 3."
Dass im letzten Versuch keine Verbesserung mehr möglich war, führt er darauf zurück, dass sich die Wolkendecke etwas lichtete und dadurch die Temperaturen höher gewesen seien. Das trifft natürlich nicht nur auf Russell zu, fast niemand konnte sich am Ende von Q3 nochmal verbessern.



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