Mit Gabriel Bortoleto und Rafael Camara gehen an diesem Wochenende in Sao Paulo erstmals seit 2016 wieder zwei Brasilianer in der Formel 1 an den Start. Für Camara und Haas ist der Grand Prix in Brasilien ein vorgezogener Shakedown für 2027, nachdem der Rennstall erst Mitte Oktober die Verpflichtung des Nachwuchsfahrers bekannt gegeben hatte.

Auf den ersten Blick schien die Entscheidung, Camaras Renndebüt vorzuziehen, naheliegend – doch Teamchef Ayao Komatsu widerspricht diesem Eindruck. "Es gibt immer ein Pro und ein Kontra. Es ist kein Selbstläufer nach dem Motto: Wir haben ihn für nächstes Jahr unter Vertrag genommen, also setzen wir ihn so früh wie möglich ins Auto. Es gibt immer ein Risiko."

Komatsu über Camara-Einsatz: Müssen Erwartungen steuern

De facto wirft Haas den 21-Jährigen ins kalte Wasser, denn trotz des Heimvorteils kennt er das Autódromo José Carlos Pace bislang lediglich aus dem Ferrari-Simulator. "Für Rafa ist das hier eine riesige Herausforderung. Ich möchte ihn schützen und keinen externen Druck aufbauen. Es geht darum, die Erwartungen zu steuern und alles zu vereinfachen, damit er sich auf das konzentrieren kann, worin er brillant ist", betont Komatsu.

Rafael Camara mit Haas-Teamchef Ayao Komatsu
Komatsu will Camara bei seinem Heimrennen vor zu hohen Erwartungen schützen, Foto: IMAGO/Gregoire Truchet

Ausschlaggebend für die Beförderung war Rafael Camaras Auftreten beim TPC-Test in Portimão im August. "Er hat sich auf das konzentriert, was er gut kann: ein natürliches Gefühl. Er hat auf die Bedingungen gehört, die sich ehrlich gesagt von Runde zu Runde änderten. Er hat das von außen betrachtet ganz ruhig durchgezogen, die mentale Seite gemeistert und sich nur auf das konzentriert, was er selbst beeinflussen kann. Das war beeindruckend", so Ayao Komatsu.

Ob Haas auch in den abschließenden Saisonrennen 2026 auf Camara setzt, ist noch offen. Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen kämpft Camara in der Formel 2 um den Titel – vor den letzten beiden Rennwochenenden in Katar und Abu Dhabi führt er die Gesamtwertung mit sieben Punkten Vorsprung auf Red Bull-Junior Nikola Tsolov an. Zum anderen lieferte Haas-Ersatzpilot Ryo Hirakawa zuletzt in Mexiko mit Platz zehn eine tadellose Leistung ab. Komatsu zollt ihm dafür Respekt: "Dass sich jemand über so lange Zeit vorbereitet, ohne zu wissen, wann sich eine Chance ergibt, ist nicht einfach."

Ocon-Rauswurf ohne Auswirkungen auf Teamspirit

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgt neben der Fahrerfrage für die restlichen F1-Rennen auch der Rauswurf von Stammpilot Esteban Ocon nach dem Mexiko-GP. Details zu den Hintergründen wollte Komatsu nicht nennen, gewährte jedoch Einblicke in die teaminterne Kommunikation am Samstagmorgen, als feststand, dass Hirokawa anstelle von Ocon fährt.

"Ich kann auf keine Details eingehen. Natürlich waren erst einmal alle überrascht. Ich habe dem Team gesagt: Eigentlich möchte ich so transparent wie möglich sein. Tut mir leid, aber ich kann nicht viel mehr sagen, als euch zu bitten: Ryo wird ins kalte Wasser geworfen, unterstützt ihn so gut, es geht." Von einer angeknacksten Moral bei Haas durch Ocons Rauswurf könne keine Rede sein: "Das Team ist in einer guten Verfassung, die Stimmung ist hervorragend."

Bei Ferrari ist die Stimmung teamintern hingegen angespannt. Mehr dazu im Video:

Hamilton fordert Ferrari-Aussprache: "Leclerc fährt gegen mich härter!" (15:30 Min.)