Für Abt Sportsline endet nach der Saison 2026 eine Ära in der erfolgreichen Motorsportgeschichte des Rennstalls aus Kempten: Die Äbte ziehen sich als Gründungsmitglied nach zwölf Jahren aus der Formel E zurück. Zuletzt betreute das Team die Renneinsätze von Lola-Yamaha, doch die zweijährige Partnerschaft steht nun vor dem Ende.

Daniel Abt, der frühere Formel-E-Fahrer, TV-Experte und heutige Marketingchef von Abt Sportsline, blickt mit Wehmut zurück, spricht aber auch Klartext zur aktuellen Entwicklung der Elektro-WM. "Ich finde, die Formel E hat sich nicht weiterentwickelt", sagt der 33-Jährige im Video-Interview zu Motorsport-Magazin.com. "Sie ist irgendwo stehen geblieben, wenn nicht sogar eher ein bisschen rückläufig in gewissen Themen."

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Daniel Abt: Warum er wirklich als Rennfahrer aufhörte (01:01:04)

Daniel Abt über Formel E: "Es ist so wenig frischer Wind"

Was Abt, der in 69 Formel-E-Rennen zwei Siege errang und zehnmal aufs Podest fuhr, genau meint: "Du gehst dahin und triffst exakt die gleichen Leute wie vor zehn Jahren. Die Fahrer - es ist alles irgendwo gleichgeblieben. Es ist der gleiche Trott. Es ist so wenig frischer Wind. Und das finde ich schade."

Tatsächlich herrscht in der Formel E auffällig wenig Rotation: Fahrer wie Antonio Felix da Costa, Jean-Eric Vergne, Sebastien Buemi, Mitch Evans oder Edoardo Mortara sind seit mehr als einem Jahrzehnt dabei. Ex-Champion Lucas di Grassi, Abts früherer Teamkollege bei Abt-Audi, beendet seine Karriere allerdings zum Ende dieser Saison nach mehr als 160 Rennen. Und mit Alejandro Agag sitzt der Seriengründer noch heute am Ruder.

Abt-Klartext: "Du denkst, da fährt eine Schiffsschaukel durch die Gegend"

Was Abt, der die Formel E nach seiner aktiven Karriere als TV-Experte für ProSieben und DF1 begleitete, ebenfalls nicht gefällt: "Dieses Gen3-Auto ist das uninspirierteste Auto, das ich seit langem gesehen habe. Das schaust du dir an und denkst, da fährt eine Schiffsschaukel durch die Gegend. Das ist wirklich ganz schlimm, auch als Sicht der Fans."

Auch kritisiert Abt, der selbst 697.000 Abos auf YouTube und 521.000 Follower auf Instagram hat, den Auftritt der Formel E in den sozialen Medien. Postings der Serie etwa zum Sieger eines Rennens würden nur überschaubare Reaktionen hervorrufen. "Das ist schon ein Zeichen", glaubt Abt. "Auch, dass die Fahrer in dem Sinne gar keine Followerschaft aufbauen. Das zeigt mir einfach, dass das Interesse nicht so hoch ist, wie man vielleicht tut, und dass man vielleicht gewisse Dinge ändern muss."

Und weiter: "Aber ob die das schaffen und ob das hinhaut - vielleicht mit dem neuen Auto (Gen4 ab 2027; d. Red.), vielleicht, wenn man da wieder ein bisschen anders rangeht. Aber aktuell sehe ich das nicht."

Geschichte von Abt Sportsline in der Formel E (2014-2026)

JahrTeam-NameFahrerErfolge
2014/15Audi Sport ABTLucas di Grassi, Daniel AbtP3 Team-Wertung
2015/16ABT Schaeffler Audi SportLucas di Grassi, Daniel AbtVize-Meister Team-Wertung
2016/17ABT Schaeffler Audi SportLucas di Grassi, Daniel AbtVize-Meister Team-Wertung, Di Grassi Champion
2017/18Audi Sport ABT SchaefflerLucas di Grassi, Daniel AbtChampion Team-Wertung
2018/19Audi Sport ABT SchaefflerLucas di Grassi, Daniel AbtVize-Meister Team-Wertung
2019/20Audi Sport ABT SchaefflerLucas di Grassi, Daniel Abt, (Rene Rast)P6 Team-Wertung
2020/21Audi Sport ABT SchaefflerLucas di Grassi, Rene RastP4 Team-Wertung
2022/23Abt Cupra (Mahindra-Kundenteam)Nico Müller, Robin Frijns (Kelvin van der Linde)P11 Team-Wertung
2023/24Abt Cupra (Mahindra-Kundenteam)Lucas di Grassi, Nico MüllerP9 Team-Wertung
2024/25Lola Yamaha Abt (Lola-Kundenteam)Lucas di Grassi, Zane MaloneyP11 Team-Wertung
2025/26Lola Yamaha Abt (Lola-Kundenteam)Lucas di Grassi, Zane Maloneyaktuell P10 Team-Wertung

Abt blickt versöhnlich zurück: "Das war fantastisch"

Für Abt selbst endete das Kapitel Formel E in der Saison 2020 mit dem Gen2-Rennwagen und nach seinem Rauswurf bei Audi in Folge eines vermeintlichen Betrugs-Vorwurfes, der letztendlich aber dem Autobauer aus Ingolstadt reichlich Kritik einbrachte.

Auf seine aktive Zeit seit dem Formel-E-Debüt im Jahr 2014 blickt Abt unterdessen versöhnlich zurück: "Das war lange Zeit eine große Identität von uns. Wir waren Gründungsmitglied. Insgesamt war das eine superspannende Phase. Ich war sechs Jahre selber dabei. Ich habe Dinge erlebt, habe so viel von der Welt gesehen, bin mit tollen Rennfahrern zusammen Rennen gefahren. Das war alles fantastisch."

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