Endlich ist der Knoten geplatzt: Kevin Magnussen hat seinen ersten Sieg mit BMW seit dem Wechsel im Winter 2024 im Sack! Der frühere Formel-1-Fahrer gewann gemeinsam mit seinen Teamkollegen Dries Vanthoor sowie Raffaele Marciello das 6-Stunden-Rennen der WEC in Sao Paulo. Für die Crew des #15 BMW M Hybrid V8 war es der erste Sieg in der Langstrecken-WM, für den Autobauer aus München der zweite in der laufenden Saison nach Spa-Francorchamps.

Im 17. Anlauf klappte es endlich! Magnussen musste zuvor eineinhalb Jahre bzw. 16 Rennen verteilt über die WEC und IMSA-Serie warten, bis der Debütsieg im Prototypen eingetütet war. Für den Dänen war es der zweite Podesterfolg in Diensten von BMW, nachdem 'seine' #15 Crew in Spa dem Schwesterauto um Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns knapp unterlegen war und sich mit dem zweiten Platz begnügen musste.

Kevin Magnussen und Interlagos: Eine besondere Verbindung

Einen besseren Ort als Interlagos - mit Ausnahme von Le Mans natürlich, wo KMag und Co. vorzeitig ausfielen - hätte sich der 33-Jährige kaum wünschen können. Sofort wurden Erinnerungen wach an seine sensationelle Pole Position beim Formel-1-Rennen in Sao Paulo 2022 mit dem Hinterherfahr-Team von Haas. Damals hatte Magnussen dank eines Regenschauers eine ordentliche Portion Glück, doch noch heute wird er von den Brasilianern für den Pole-Coup gefeiert.

"Bei jedem Besuch erhalte ich diesen tollen Support den brasilianischen Fans", sagte Magnussen nach dem WEC-Sieg auf der Pressekonferenz. "Als ich die Pole mit Haas geholt habe, waren wir die Underdogs und der Jubel der Zuschauer war verrückt. Selbst am Tag danach auf der Fahrerparade riefen sie noch meinen Namen, obwohl ich da neben einem siebenmaligen Weltmeister saß. Das hat mich berührt, und das tut es heute noch."

Kevin Magnussen mit BMW beim WEC-Rennen in Sao Paulo
Riesen-Jubel bei Kevin Magnussen und BMW in Sao Paulo, Foto: IMAGO/PsnewZ

Magnussen brilliert auf dem Weg zum ersten BMW-Sieg

Magnussen, der seit seinem Wechsel zu BMW in das LMDh-Hypercar nur selten großartig in Erscheinung trat, brillierte als Startfahrer in Sao Paulo und legte damit den Grundstein für den späteren Sieg. Beim Start von Platz vier, den Teamkollege und Qualifying-Rakete Vanthoor herausgefahren hatte, schnappte sich Magnussen sofort Vordermann Fred Makowiecki im #36 Alpine. In Runde 13 war Cadillac-Pilot Earl Bamber fällig, sodass Magnussen den Pole-Setter Will Stevens im zweiten Cadillac ins Visier nahm.

In Runde 57 nach den ersten Boxenstopps bekam Magnussen den dritten Platz von BMW-Markenkollege Rene Rast überreicht, der sich mittels eines Short-Fuel-Stopps in Position gebracht hatte, aber außerhalb der normalen Sequenz fuhr. Einen Umlauf später kassierte Magnussen dann den Peugeot von Paul Di Resta, der wie Rast ebenfalls nur kurz nachgetankt hatte. In Runde 69 übernahm Magnussen erstmals die Führung, nachdem der Führende Ferdinand Habsburg (P1 wegen extrem frühem 1. Boxenstopp) zum zweiten Stopp abgebogen war.

In Runde 85 übergab er den BMW in Führung liegend an Teamkollege Marciello, der sich in den folgenden zwei Stunden stets in der Spitzengruppe aufhielt. Schlussfahrer Vanthoor machte am Ende trotz ärgerlicher Magenbeschwerden ("Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt beim Rennfahren") den Deckel drauf.

"War der Schlüssel": Sonder-Lob für Magnussen

Auf der Langstrecke gewinnt und verliert man üblicherweise als Team, doch Magnussen erhielt für seinen Husarenritt ein Extra-Lob von Vincent Vosse, dem Teamchef des BMW-Einsatzteams WRT. "Alle Fahrer haben unglaubliche Arbeit geleistet, aber der Start von Kevin war der Schlüssel", sagte der Belgier gegenüber Sportscar365. "Das hat uns schon zu Beginn die Track-Position gesichert."

Ob es für BMW auch zum Sieg gelangt hätte, wenn die pfeilschnellen Cadillac von den Startplätzen eins und zwei nicht bei ihren ersten Boxenstopps gepatzt hätten, vermochte Vosse nicht zu sagen. Aber, so der Teamboss: "Wir hatten nicht das schnellste Auto, dafür aber ein fehlerfreies Rennen abgeliefert. Es war knapp, aber es hat gereicht."

Magnussen revanchiert sich für "geklauten" Spa-Sieg

Für Magnussen und seine Teamkollegen Marciello sowie Vanthoor, die ebenfalls ihre ersten WEC-Siege errangen, dürfte sich der Interlagos-Triumph gleichzeitig wie eine kleine Revanche angefühlt haben. Beim ersten BMW-Sieg in Spa-Francorchamps musste das #15 Trio noch dem Schwesterauto den Vortritt lassen und stattdessen nach hinten abschirmen. Diesmal lief es umgekehrt, Rast und Co. landeten in Folge einer nachträglichen Strafe auf dem achten Platz.

"In Spa glaubten wir uns auf der Siegerstraße, aber das Schwesterauto hat uns den Sieg vor der Nase weggeschnappt", erinnerte sich Magnussen an den Strategie-Sieg der #20 Crew. "Natürlich war der Doppelsieg toll für BMW, aber auf unserer Seite fühlten wir uns ein wenig beklaut. Deshalb ist es toll, dass wir heute den Sieg geholt haben."

Kevin Magnussen mit BMW beim WEC-Rennen in Sao Paulo
Kevin Magnussen fährt seit 2025 für BMW auf der Langstrecke, Foto: IMAGO/PsnewZ

Magnussen und Marciello belegen in der WM-Tabelle den sechsten Platz mit 50 Punkten. Teamkollege Vanthoor ist alleiniger Siebter (44 Punkte), weil er den Saisonauftakt in Imola wegen einer IMSA-Überschneidung auslassen musste. Ihre Teamkollegen Rene Rast und Robin Frijns teilen sich die Tabellenspitze punktgleich (75 Punkte) mit der Crew des #7 Toyota. In der Hersteller-Wertung führt Toyota knapp mit fünf Zählern vor BMW.

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