Prinzipiell ist es nichts Besonderes, dass Fernando Alonso an zwei beliebigen Wochenenden im Verlauf der Saison nicht am 1. Freien Training teilnimmt. Erfahrene Formel-1-Fans wissen längst, dass das Reglement verlangt, in vier Freitags-Trainings pro Jahr einen Rookie einzusetzen. Doch im Angesicht der schlechten Regellaune ist die Streckenauswahl für die beiden aufgegebenen Freitags-Trainings von Alonso 2026 schon kurios.

Schon in Suzuka hatte Alonso für FP1 seinen Platz geräumt und Aston Martins Test- und Ersatzfahrer Jak Crawford ans Steuer gelassen. Crawford bekam dann in Österreich anstelle von Lance Stroll die zweite Chance. Den dritten von vier verpflichtenden Freitags-Einsätzen wird er nun am kommenden Belgien-Wochenende in Spa-Francorchamps abspulen.

Jak Crawford am Aston-Martin-Kommandostand in Bahrain beim Wintertest 2026
Jak Crawford darf erneut für ein Training ins Auto, Foto: IMAGO/PsnewZ

Und dass Alonso nun erst auf 60 Minuten Training in Japan, und dann noch einmal auf 60 Minuten Training in Spa verzichtet, ist dann doch ungewöhnlich. Es sind zwei der ultimativen Fahrerstrecken im Kalender. In der Vergangenheit nannte Alonso Suzuka auch immer wieder weit oben auf der Liste seiner Lieblingsstrecken.

Schwacher Aston Martin lässt Fernando Alonso besonders leiden

2026 vergeht einem nur auf diesen Strecken der Spaß. Weil die neue Formel 1 in Highspeed-Kurven oft nicht mehr am Haftungslimit fährt, sondern diese Stellen zum Aufladen der Batterie verwendet. Das ist schon in Top-Autos kein großes Vergnügen. Im Aston Martin mit seiner schwachbrünstigen Honda-Power-Unit ist es ein völliger Albtraum.

Am letzten Rennwochenende auf dem ähnlich ikonischen Silverstone Circuit duchfuhr Alonso beispielsweise die legendäre Maggots-Becketts-Chapel-Kurvenkombination je nach Stelle zwischen 10 und 20 km/h langsamer als Polesetter Kimi Antonelli. Wo doch Antonelli schon aus Batteriemanagement-Gründen langsamer war als die Bestwerte von der Vorjahres-Polerunde von Max Verstappen.

Leclercs Sieg-Geheimnis, Antonelli-Drama & Hülkenberg-Frust (01:13:34)

Ein direkter Vergleich: Verstappen durchfuhr die berühmte Highspeed-Rechtskurve Copse im Vorjahr mit 304 km/h am Scheitelpunkt. Alonso dieses Jahr? 264 km/h. Da wundert es nicht, dass Alonso seit Monaten die wohl negativsten Antworten auf Nachfragen zu Energiemanagement und Fahrgefühl geht, schnelle Kurven als "Ladestationen" bezeichnet und davon spricht, dass der Koch sein Auto fahren könne.

Vor Silverstone hatte Alonso da Spa in Sachen Batterie-Management auch schon gleich vorab angezählt: "Wenn du in Spa von Kurve 1 bis Kurve 5 einspeist, dann ist Schluss für den Rest der Runde. Wenn du auf diesen beiden Geraden einspeist, was optimal ist, hast du eine Minute lang null Energie [aus der Batterie]. Dann dürfen wir nicht vergessen, dass wir dieses Jahr deutlich weniger Leistung [vom Verbrenner] haben als im Vorjahr, und weniger Leistung als die Formel 2."

Mit Crawford im Auto muss Alonso dann in Spa ein Training weniger darunter leiden. Ab FP2 wird er aber wieder ins Auto müssen. Ein Wochenende noch heißt es durchstehen, ehe Aston Martin zumindest auf Chassisseite ein generalüberholtes Auto liefert. Direkt nach der Sommerpause sollte ein großes Power-Unit-Update folgen. Aber Spa wird genauso schlimm wie Silverstone, das dürfte bereits gegeben sein.

Alle bislang abgeleisteten/bestätigten Rookie-Trainings von 2026

TeamFahrerFP1 (ersetzt)
McLarenLeonardo FornaroliBarcelona (Norris)
MercedesFred VestiBarcelona (Antonelli)
Red BullAyumu IwasaBarcelona (Hadjar)
FerrariDino BeganovicBarcelona (Hamilton)
Dino BeganovicÖsterreich (Leclerc)
WilliamsLuke BrowningBarcelona (Albon)
Luke BrowningÖsterreich (Sainz)
Racing BullsAyumu IwasaÖsterreich (Lawson)
Arvid Lindblad(selbst Rookie)
Aston MartinJak CrawfordJapan (Alonso)
Jak CrawfordÖsterreich (Stroll)
Jak CrawfordBelgien (Alonso)
HaasRyo HirakawaÖsterreich (Ocon)
AudiPaul AronBarcelona (Hülkenberg)
Paul AronÖsterreich (Bortoleto)
Alpine
CadillacColton HertaBarcelona (Perez)
Colton HertaTBA
Colton HertaTBA
Colton HertaTBA