2025 war McLaren, speziell in der ersten Saisonhälfte, noch der absolute Maßstab in der Formel 1. In dieser Saison diktieren jedoch andere Teams das Geschehen, während der amtierende Konstrukteursweltmeister darum kämpft, den Entwicklungsrückstand auf Chassis-Seite aufzuholen. Laut Teamchef Andrea Stella hinkt die Mannschaft aus Woking rund zwei bis drei Monate hinterher - nicht zuletzt, weil man im Vorjahr bis zum Finale in Abu Dhabi gegen Max Verstappen um den Titel gefightet hat.
"Auch wenn wir keine großen Updates gebracht haben, mussten wir uns aus technischer Sicht weiter intensiv um den MCL39 kümmern, weil wir sicherstellen mussten, dass wir bei jedem Rennen das Maximum herausholen", erklärte Stella. Als Motorsport-Magazin.com von ihm wissen wollte, ob der aktuelle Rückstand auch darauf beruhe, dass man bei der aerodynamischen Auslegung für das neue Reglement einen falschen Weg eingeschlagen habe, bestätigte der McLaren-Teamchef dies nur indirekt.
"Wir haben während der Entwicklung aus konzeptioneller Sicht einige Richtungen eingeschlagen, die wir mit zunehmendem Verständnis des Reglements nun wieder korrigieren müssen. Wir schlagen also einen anderen Weg ein", erklärte Stella. Doch so ein Kurswechsel ist nicht innerhalb einer Woche abgeschlossen, sondern benötigt Wochen und Monate.
Erschwerend kam hinzu, dass McLaren im ersten Halbjahr die geringsten Entwicklungs-Ressourcen im Windkanal (nur 70 Prozent des Basiswerts) zur Verfügung stand. Erst am 22. Juni startete die zweite Periode der Aero-Ressourcen-Verteilung (ATR), die für McLaren immerhin einen Zuwachs um 10 Prozent zur Folge hat.
Hier gibt's den kompletten Update-Überblick aller F1-Teams: Was kommt, und wer die meisten Aero-Ressourcen verliert:
Raus aus dem Formtief: McLaren-Updates in Ungarn und nach Sommerpause
"Die Entwicklungsarbeit im Hintergrund läuft seit einigen Monaten sehr intensiv. Daraus sind bereits die Upgrades entstanden, die wir in Miami eingesetzt haben. Die nächste Ausbaustufe wird in Ungarn kommen", verriet der McLaren-Teamchef. Die wirklich richtungsweisenden Updates sollen jedoch nach der Sommerpause folgen, was Stella angesichts der Tatsache, dass in Spa-Francorchamps erst das 10. Saisonrennen ansteht, nicht beunruhigt. "Selbst für die Teams, die momentan die absolut besten Autos im Feld haben, wird es entscheidend sein, kontinuierlich Updates zu bringen. Andernfalls wird die Konkurrenz unweigerlich aufschließen."
Vor allem müssen die neuen Teile aber auch die erwartete Performance auf die Strecke bringen - das war 2026, im Gegensatz zu den Vorjahren, bei McLaren nicht immer der Fall. Gleich mehrfach testete McLaren ein neues Frontflügel-Konzept, ehe es überhaupt im Rennen eingesetzt werden konnte. Ein neues Heckflügel-Konzept schaffte es bislang gar nicht aus der McLaren-Garage heraus. Stella ist sich jedoch auch im Klaren darüber, dass man nicht nur auf der Chassis-Seite Aufholbedarf hat. Entsprechend arbeitet das Team gemeinsam mit Mercedes HPP daran, ein besseres Verständnis für die komplexe Power Unit zu entwickeln.
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Während Stella beim Saisonauftakt in Australien noch offen darüber klagte, dass McLaren als Kundenteam im Nachteil sei, verfolgt er nach außen inzwischen den diplomatischen Kurs. Er spricht die Defizite zwar weiterhin offen an, um im Folgesatz die Mercedes-Power-Unit gleich als "beeindruckendes Stück Technologie" zu loben. Während Mercedes in Silverstone bereits auf eine neue Spezifikation der Power Unit setzte, muss sich McLaren in Geduld üben.
Im Hintertreffen gegen Mercedes: Power Unit wirft immer noch Fragen auf
"Wir warten derzeit darauf, ob wir unsere Spezifikation aufrüsten können und ob uns das dabei hilft, die Power Unit besser auszuschöpfen. Eigentlich sollte es sich dabei lediglich um ein Zuverlässigkeits-Upgrade handeln. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das tatsächlich der einzige Effekt ist", meinte Stella. Er spielt darauf an, dass eine höhere Standfestigkeit es Mercedes erlaubt, den Motor im Rennen aggressiver zu betreiben. Dadurch kann zusätzliche Leistung freigesetzt werden, die McLaren momentan noch nicht zur Verfügung steht.
Ein weiterer, gravierender Bereich, in dem McLaren im Hintertreffen liegt, sind die Getriebeübersetzungen. Diese müssen bekanntlich vor dem Saisonstart festgelegt werden. Mercedes verfügt als Motorenhersteller naturgemäß über die exaktesten Prüfstandsdaten darüber, welche Übersetzungen mit der Power Unit optimal harmonieren. McLarens Entscheidung basierte dagegen auf einer eigenen "Best-Case"-Prognose, die sich inzwischen als nicht optimal erwiesen hat. Zwar dürfte McLaren die Übersetzung während der Saison noch einmal verändern, doch dieser Schritt wäre mit enormen Kosten und infolgedessen Entwicklungsopfern verbunden.
Unabhängig davon laufen die Gespräche mit HPP weiter auf Hochtouren, da McLaren noch immer über die mangelnde Performance auf den Geraden rätselt. Zwar erklärt der vergleichsweise hohe Luftwiderstand des Autos einen Teil des Defizits, aber eben nicht den gesamten Rückstand auf den Geraden. Dass Norris in Formel 1 als Vierter ins Ziel kam, täuscht für Stella über die wahre Hackordnung hinweg. Nach dem Großbritannien-GP gestand der Teamchef ehrlich ein: "Dieser vierte Platz ist nicht realitätsgetreu." Mehr dazu liest du in diesem Beitrag:



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