Die Formel-1-Saison 2026 nimmt immer mehr Fahrt auf, doch der amtierende Weltmeister scheint einfach nicht in die Gänge zu kommen. Nach acht Rennen steht McLaren noch immer ohne Saisonsieg da. In der Konstrukteurswertung ist der Punkterückstand bereits auf 143 Zähler angewachsen - und nach dem jüngsten Update-Paket von Red Bull Racing in Österreich ist die Gefahr, bald auf Platz vier durchgereicht zu werden, greifbar nah.

McLaren mit drei Monate Entwicklungsrückstand

Laut Teamchef Andrea Stella steht McLaren vor der Mammutaufgabe, einen Entwicklungsrückstand von gut drei Monaten aufholen zu müssen. "Die Formel 1 arbeitet 2026 auf einem Niveau, das es so noch nie gab. Die Entwicklung - sowohl im Umfang als auch bei der Umsetzung auf der Strecke - ist auf einem neuen Höchststand. Wir müssen sicherstellen, dass wir in der Lage sind, unsere Gegner zu übertreffen und die Lücke zu schließen. Der einzige Weg ist, die Entwicklungsintensität zu erhöhen und effektiver zu liefern", stellte der Italiener klar.

Das letzte große Update-Paket brachte McLaren im Mai in Miami. Für Spielberg hatte das Team zwar eine eigene Version des innovativen "Macarena-Flügels" im Gepäck, doch dieser blieb bekanntlich über das gesamte Wochenende eingepackt. Der verpasste Flügeltest bringt Stella jedoch nicht um den Schlaf, für ihn wiegen andere Baustellen weitaus schwerer. "Wenn ich über die Upgrades in der Pipeline spreche, beziehen sie sich stärker auf die grundlegende Art und Weise, wie das Auto mit der Aerodynamik und der Strömungsstruktur interagiert und wie wir Abtrieb erzeugen."

Stella: Macarena-Flügel nur ein Nice-to-have

Der Heckflügel, den Ferrari und Red Bull bereits erfolgreich einsetzen, verringert den Luftwiderstand im sogenannten Straight-Mode. Entsprechend fällt dieses Projekt für Stella eher in die Kategorie "nice-to-have". "Er ist wichtig, aber nicht der entscheidende Bereich, in dem wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern müssen. Dieses Projekt darf nicht davon ablenken, ein Auto zu entwickeln, das mehr aerodynamischen Abtrieb erzeugt. Denn das ist es, was wir primär brauchen", sagte Stella.

Die geplanten Aero-Updates sehen in den Simulationen vielversprechend aus, entsprechend schnell muss und will McLaren sie nun auf die Strecke bringen. Denn das Wochenende am Red Bull Ring hat schonungslos offengelegt, dass der MCL40 gegenüber der Konkurrenz nicht nur im kurvigen Mittelsektor im Hintertreffen ist, sondern auch auf den Geraden verliert. Allein auf der Schönberg-Geraden zwischen den Kurven 3 und 4 betrug das Topspeed-Defizit gegenüber dem Mercedes-Werksteam bis zu 8 km/h - und das trotz gleicher Power Unit im Heck.

Ein Fakt, den man bei McLaren selbst noch nicht ganz versteht, wie Stella in seiner Medienrunde andeutete: "Unser Rückstand auf Mercedes liegt im Schnitt bei etwa drei bis vier Zehntelsekunden. Er entsteht zu 70 Prozent in den Kurven und zu 30 Prozent auf den Geraden." Die Gründe für das Defizit auf den Geraden sind komplex: Eine ungünstige Kombination aus zu hohem Luftwiderstand (Drag), einer nicht optimalen elektrischen Energienutzung sowie einer zu kurzen Getriebeübersetzung.

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McLarens Problemliste: Fehlender Abtrieb, langsam und unzuverlässig

"Die Power Unit ist sicher der erste Faktor, und wir untersuchen genau, warum wir hier in einer Defizitposition sind. Aber es gibt auch den Luftwiderstand des Autos und die Effizienz im Geradeausmodus. Da verlieren wir mindestens ein bis eineinhalb Zehntel auf den Geraden, und wir müssen definitiv herausfinden, woran das liegt", so Stella. Doch um Siege einzufahren, reicht pure Pace nicht aus - man muss auch die Zielflagge sehen. Die Zuverlässigkeit ist eine weitere Achillesferse der Truppe aus Woking.

Auffallend oft stehen die technischen Defekte in direktem Zusammenhang mit dem Antriebsstrang. Ein Blick auf die nackten Zahlen unterstreicht das Problem: Vergleicht man die absolut gefahrenen Rennrunden von Mercedes und den drei Kundenteams Alpine, Williams und McLaren in dieser Saison, schneidet McLaren mit nur 777 Runden am schlechtesten ab. Das Werksteam von Mercedes führt die Zuverlässigkeits-Tabelle mit 980 Runden souverän an, gefolgt von Alpine (951 Runden) und Williams (823 Runden).

Diese Woche steht das Heimrennen von McLaren in Silverstone an. Ein Blick auf die Statistik: