McLaren erlebte in Silverstone ein durchwachsenes Wochenende. Oscar Piastri fiel im Rennen durch einen gebrochenen Frontflügel ans Ende des Feldes zurück, konnte aber dank seines siebten Platzes im Sprint doch noch mit Punkten aus Großbritannien abreisen. Lando Norris beendete den Sprint zwar auf dem Podium und den Grand Prix auf dem vierten Platz, wirklich zufrieden war bei McLaren mit dieser Ausbeute aber niemand. Das Ergebnis spiegelte laut Teamchef Andrea Stella die tatsächliche Leistungsfähigkeit nicht wider.
"Dieser vierte Platz ist nicht realitätsgetreu", meint er. "Wir haben uns das nicht selbst verdient, sondern vom Pech anderer vor uns profitiert."
McLaren unfahrbar! Team fehlt halbe Sekunde zur Spitze
Ohne den Ausfall von Max Verstappen vier Runden vor Schluss und Kimi Antonellis Probleme mit dem gebrochenen Windschild hätte Norris den sechsten Platz belegt. Damit hätte sich der McLaren-Pilot genau dort eingereiht, wo Stella seine Mannschaft derzeit verortet.
"Die Wettbewerbsfähigkeit ist recht konstant und unabhängig vom Streckenlayout", erklärt er. "Aktuell gibt es Ferrari und Mercedes und dann Red Bull und McLaren. Es gibt also keine große Sensibilität bezüglich Streckenlayout, Kurventyp oder Setup. Unsere Lücke zur Spitze ist konstant gleich groß."
Auch Norris wollte deshalb nichts davon hören, dass die schlechte Pace möglicherweise von der High-Speed-Charakteristik des Silverstone Circuit herrührte. "Wir sind das ganze Jahr bereits langsam. Miami war vielleicht eine Ausnahme, weil andere Teams keinen so guten Job gemacht haben", meint er. "Aber es ist unmöglich, dass wir Miami auf Platz zwei beenden und heute so ein schlechtes Auto haben. Es war einfach unfahrbar."
Das einzige Positive, das er diesem Wochenende abgewinnen konnte, war die Zuverlässigkeit des MCL40. Auf die Pace konnte er dagegen nicht zählen. Im Schnitt fehlte der Mannschaft aus Woking eine halbe Sekunde auf die Spitze. "Die Pace war ziemlich schlecht", bringt es Norris klar auf den Punkt. "Das Auto war nicht gut zu fahren, vielleicht sogar das schwierigste, das ich jemals in der Formel 1 gefahren bin."
"Wir wussten, dass wir hinterherhinken, aber dass wir so weit zurückliegen, war schon etwas überraschend", pflichtete ihm sein Teamkollege Oscar Piastri bei.
Nullnummer für Piastri in Silverstone
Während Lando Norris aber zumindest mit 18 Punkten aus seiner Heimat abreisen konnte, handelte sich Piastri am Start des Grand Prix einen Schaden ein und musste das Feld von hinten aufrollen. "Ich wurde von den Racing Bulls auf dem Weg in Kurve sechs in die Mangel genommen. Drei Autos nebeneinander auf der Geraden funktioniert einfach nicht", erklärt Piastri. "Danach hatte ich einen massiven Schaden am Frontflügel."
Dieser machte sich jedoch erst eine Runde später bemerkbar, als Piastri bereits an der Boxeneinfahrt vorbei war. "Wir konnten nicht sehen, was passiert ist und den Schaden deshalb nur schwer einschätzen. Den Daten zufolge war nur die Endplatte des Flügels beschädigt", schildert Stella. "Wir blieben also noch eine Runde draußen, aber dann brach der Flügel."
Der Boxenstopp in Runde zwei kam eine Runde zu spät und Piastri verlor dadurch enorm viel Zeit. Der Schaden kostete ihn dreizehn Positionen. Am Ende überquerte er als Elfter die Ziellinie, Punkte blieben ihm verwehrt. "Die erste Runde auf solchen Strecken ist ein einziges Chaos. Man versucht, die eigene Geschwindigkeit im Verhältnis zum Vordermann einzuschätzen und schaut dabei auf den Hintermann", erklärt Piastri den Unfallhergang. "Ehrlich gesagt wundert es mich, dass das nicht öfter passiert."
Hoffnung liegt auf Ungarn-Paket
Der Pace-Rückstand resultiert Stella zufolge primär daraus, dass McLaren die Upgrades nicht gleichzeitig mit den anderen Teams einführte, sondern immer ein wenig im Hintertreffen war. In Ungarn soll aber die Erlösung für die McLaren-Piloten kommen, denn dort ist ein großes Updatepaket geplant.
"Wir möchten die Lücke zur Spitze mit der nächsten Runde an Upgrades schließen", lautet Stellas optimistische Vorstellung. Praktisch wird das eine Mammutaufgabe für das Team aus Woking. Stella rechnet mit drei Zehnteln Gewinn pro Upgrade. Theoretisch könnte die Mannschaft dadurch mit zwei Updates die Lücke schließen - dafür müssten aber alle anderen Top-Teams die Entwicklung in dieser Zeit stoppen.
Der Teamchef zeigt sich dennoch kämpferisch. "Wir werden unsere Updates rund um den Shutdown bringen, eines davor und eines danach. Ich denke, damit können wir es schaffen, die Lücke zu schließen."



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