Der schwere Unfall zwischen Maximilian Paul (GRT-Lamborghini) und Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) hat das vierte DTM-Rennwochenende 2026 auf dem Norisring überschattet. Lamborghini-Werksfahrer Paul erlitt nach Informationen von Motorsport-Magazin.com einen Unterschenkel- sowie Lendenwirbelbruch und musste sich einer Operation unterziehen. "Den Umständen entsprechend" gehe es Paul gut, sagte sein GRT-Teamchef Gottfried Grasser. Wann der 26-jährige Dresdner wieder ins Rennauto zurückkehren kann, bleibt offen.
BMW-Pilot Kelvin van der Linde hatte Glück im Unglück und kam mit einigen Prellungen sowie Blutergüssen an der linken Körperhälfte davon. Der Schubert-BMW des Deutsch-Südafrikaners wurde in der Grundig-Kehre mit hoher Geschwindigkeit von Pauls Lamborghini Temerario auf Höhe der Fahrertüre getroffen. Beide Fahrer mussten den Sonntag auslassen. Warum genau Paul die Kontrolle über sein Auto verlor, zunächst rechts in die Mauer und anschließend in van der Lindes BMW einschlug, ist noch nicht geklärt.
ADAC-Motorsportchef: "Keine Sicherheitsdiskussion über Norisring"
Der Norisring als einziger Stadtkurs im DTM-Kalender ist ebenso berühmt für volle Zuschauertribünen (118.500 Besucher an diesem Wochenende) wie für spektakuläre Unfälle. 2017 zog sich der damalige DTM-Pilot Mike Rockenfeller einen Mittelfußbruch nach einer Kollision mit Gary Paffett zu. 2022 fielen 16 von 27 gestarteten Autos vorzeitig aus, die Rede war von einem 'Millionen-Grab'.
Eine Sicherheitsdiskussion über den traditionsreichen Norisring, der seit 1984 zum festen DTM-Programm zählt, wollte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss aber gar nicht erst aufkommen lassen. Die Zukunft des Straßenkurses stehe deshalb nicht zur Debatte, versicherte der Verantwortliche des DTM-Ausrichters.
Der Unfall im Samstagsrennen sei eine "Verkettung unglücklicher Umstände" gewesen, sagte Voss im Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Was es für mich auf keinen Fall war, ist die Strecke. Ich möchte überhaupt keine Diskussion über den Norisring führen, keine Sicherheitsdiskussion oder Ähnliches. Ich glaube auch, dass die Versorgung der Fahrer und das Abräumen der Strecke auf keiner permanenten Rennstrecke besser funktioniert hätten."
Voss: "Ich sehe den Norisring nicht gefährlicher als Monza"
Voss hob die Professionalität des veranstaltenden Motorsport Club Nürnberg (MCN) und aller Beteiligten in dieser heiklen Situation hervor: "Hut ab vor dem Veranstalter, vor den Rettungskräften und vor allen, die hier mithelfen. Und es sind hier sogar mehr Helfer als an einer permanenten Rennstrecke. Dass da trotzdem jedes Rädchen ineinandergreift - super."
Motorsport-Magazin.com weiß, dass nach dem Unfall-trächtigen DTM-Rennen 2022 mit nur elf von 27 Autos im Ziel durchaus Diskussionen unter Autobauern über den Norisring als DTM-Austragungsort auftraten. Das Wissen um die Strahlkraft des Rennens, das jährlich mehr als 100.000 Zuschauer anlockt, überwog jedoch vorhandene Zweifel. Der Norisring gilt im Rennkalender als absolutes Saisonhighlight und ganz klar als gesetzt. Der aktuelle Vertrag mit der DTM läuft bis Ende 2027 und beinhaltet Optionen über eine Verlängerung.
"Ich sehe den Norisring nicht gefährlicher als Monza", sagte Voss und dachte dabei an die schweren Unfälle beim Rennen der GT World Challenge vor einigen Wochen. Auch habe sich die Kollision zwischen Paul und van der Linde nicht am Start - also einem der risikoreichsten Zeitpunkte bei Autorennen - zugetragen. Der Unfall, in den keine weiteren Fahrzeuge involviert waren, ereignete sich 20 Minuten vor dem Ende und sorgte für eine knapp einstündige Rot-Unterbrechung.
"Hätte auf jeder anderen Strecke ganz genauso passieren können"
Voss: "Das hätte in Oschersleben, am Lausitzring oder auf jeder anderen Strecke ganz genauso passieren können. Für mich hat das überhaupt nichts mit dem Norisring zu tun." Dem verletzten Lambo-Fahrer Paul wünschte der ADAC-Motorsportchef unterdessen gute Besserung: "Er soll erst einmal zur Ruhe kommen und wieder gesund werden. Er entscheidet selbst, wann er wieder ins Auto steigt. Wir wollen darüber nicht spekulieren."
Abgesehen vom Unfall ("Das Einzige, was es nicht gebraucht hätte") fiel Voss' Fazit zum 83. Int. ADAC Norisring Speedweekend beim Doppelsieg von Nicki Thiim positiv aus. Beeindruckt zeigte er sich vom Sonntagsrennen, in dem ein früher und überraschender Regenschauer für Gefahren-Potenzial sorgte. "Da hätte ich viel mehr Chaos auf der Strecke erwartet", so Voss. "Wenn du bei diesen Wechselbedingungen sowohl bei den Teams als auch bei den Fahrern ein paar Amateure dabei gehabt hättest, hätte das hier ganz anders ausgesehen."
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