Nicki Thiim ist der NorisKing! Der Aston-Martin-Werksfahrer feierte einen fulminanten Doppelsieg im Sonntagsrennen auf dem Nürnberger Stadtkurs. Mit seinen beiden Siegen übernimmt der Däne zudem erstmals die Führung in der DTM-Meisterschaft. Es war das perfekte Wochenende aus Sicht des Comtoyou-Piloten: Pole und Sieg am Samstag, Pole und Sieg am Sonntag. Dieses seltene Kunststück war zuletzt Thomas Preining in seiner Meister-Saison 2023 gelungen...
Thiim gewann das kurzzeitig wegen starken Regens unterbrochene Rennen trotz 20 Kilogramm Erfolgsballast an Bord seines Aston Martin Vantage GT3 Evo. Dennoch konnte dem Aston-Werksfahrer bei insgesamt zwei Safety-Car-Phasen niemand gefährlich werden. Für Thiim war es bereits der dritte Podestplatz in Folge. Irre Statistik: Alle seine drei DTM-Siege feierte der Däne auf dem Norisring!
Wiebelhaus bei Norisring-Debüt auf dem Podest
Thiim überquerte die Ziellinie mit 0,8 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Finn Wiebelhaus (HRT-Ford). Der DTM-Rookie konnte nie zu einem entscheidenden Überholmanöver ansetzen, dürfte mit seinem zweiten Podest in der laufenden Saison dennoch mehr als zufrieden sein. Vor allem, weil der 20-jährige Wiebelhaus zum ersten Mal überhaupt Rennen auf dem Norisring fährt! Der Ford-Youngster hatte schon im Qualifying mit dem zweiten Startplatz überzeugt.
Während der Kampf um den Sieg nur wenige Spannungsmomente bot, musste dahinter Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) härter für seinen Podestplatz arbeiten. Der amtierende Vizemeister hatte das Rennen vom fünften Platz aufgenommen und nach der Rot-Phase zügig Ben Dörr und Arjuin Maini kassiert. Über den vierten Podestplatz des Österreichers dürfte sich auch der neue Mercedes-AMG-CEO Dr. Stefan Weckbach gefreut haben, der den Norisring wenige Tage nach seinem Amtsantritt besuchte.
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2026 als Tabelle
Marco Wittmann übt harte BoP-Kritik
HTR-Pilot Maini konnte nicht an seinen Podestplatz vom Vortag anknüpfen und musste sich mit Rang vier begnügen. Dahinter gelang Jules Gounon im Winward-Mercedes von Startplatz sechs ein Platzgewinn und mit P5 eine gute Punkteausbeute. Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari), der Meisterschaftszweite Maro Engel (Winward-Mercedes) und Bastian Buus (Land) als bestplatzierter Porsche-Fahrer komplettierten die Top-8.
Dahinter folgten die ehemaligen DTM-Champions Thomas Preining (Manthey-Porsche) und Lokalmatador Marco Wittmann (Schubert-BMW, von P18 gestartet) auf den Plätzen neun und zehn. Für beide Marken war es insgesamt ein gebrauchtes Wochenende. Klartext bei ProSieben von BMW-Star Wittmann zur Balance of Performance: "Das muss drastische Konsequenzen geben. Hier wird künstlich eingegriffen und wir langsamer gemacht."
Nächster Ausfall für Glock - nur 19 Autos am Start
Der zweifache Rennsieger Matteo Cairoli (Emil-Frey-Ferrari) markierte den ersten Ausfall des Rennens nach einer Kollision mit Luca Engstler. Timo Glock musste seinen Dörr-McLaren nach einem Mauerkuss abstellen und erlebte den fünften vorzeitigen Ausfall im Verlauf der letzten sechs Rennen. Auch Marco Mapelli sah die Ziellinie beim Heimspiel seines Teams Abt Sportsline nicht.
Maximilian Paul (GRT-Lamborghini) und Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) konnten das Rennen nach ihrem schweren Unfall am Samstag nicht aufnehmen, womit nur 19 Autos am Start standen.
DTM Norisring 2026: So lief das Rennen am Sonntag
Der Start: Das Safety Car musste schon nach der ersten Runde ausrücken, nachdem sich Teile von Matteo Cairolis Ferrari auf der Strecke verstreut hatten. Der Italiener kassierte obendrein eine Penalty Lap wegen eines Frühstarts. Beim Re-Start nach der kurzen SC-Phase blieb Pole-Setter Nicki Thiim vor seinen Verfolgern Finn Wiebelhaus und Arjun Mani in den beiden HRT-Ford. Gleichzeitig setzte erster Regen am Wochenende ein.
Die erste Rennhälfte: Maro Engel traf Timo Glock im dicht gedrängten Mittelfeld an der Fahrzeugseite, während es immer nasser wurde auf der Strecke. Auf den vorderen Plätzen gab es keine Überholversuche, während die Fahrer versuchten, ihre mit Slicks bereiften Autos bis zum Öffnen des ersten Boxenstopp-Fensters heil zu lassen.
In Runde 8 (nach 11 Minuten) kam es zu einer weiteren Safety-Car-Phase, nachdem sich Luca Engstler und Cairoli ins Gehege gekommen waren. Kurz danach unterbrach die Rennleitung mit roten Flaggen, weil der Regen zu stark war. Zu den Gewinnern dieser hektischen Startphase zählten Lucas Auer (von P5 auf P4) und Bastian Buus, der fünf Positionen gutmachte und den zehnten Rang belegte.
Nach der zehnminütigen Rot-Phase wurde das Rennen für zwei Runden hinter dem Safety Car wieder aufgenommen. Der Regen hatte sich größtenteils verzogen. Thiim verteidigte sich ein drittes Mal erfolgreich gegen die beiden HRT-Mustang. Ben Dörr verlor zwei Plätze an Auer sowie Gounon und ordnete sich auf dem sechsten Platz ein. Von P3 kam Maini etwas zu weit in der Kurve und musste Auer den Platz überlassen. Im hinteren Feld gab auch Engel seinem Mercedes die Sporen und preschte an zwei Porsche vorbei auf P9.
Gounon kassierte den strauchelnden Maini in Runde 14 und übernahm die vierte Position hinter Mercedes-Markenkollege Auer. In Runde 18 steuerte Timo Glock die Boxengasse an, nachdem er zuvor die Mauer berührt und seinen McLaren beschädigt hatte. In Runde 18 begann der erste von zwei Pflichtboxenstopp-Reigen durch Wittmann und Buus. Einen Umlauf später folgten Wiebelhaus von P2, Dörr, Kalender und Baert. Vermeulen, Feller und Mapelli kamen im 20. Umlauf, danach Engel und Maini.
Spitzenreiter Thiim reagierte in Runde 22 und ließ einen neuen Reifensatz aufziehen - Auer, Bortolotti, Gounon und Preining folgten auf dem Fuße. Der Aston-Martin-Fahrer konnte die Führung nach einem grundsoliden Stopp vor Wiebelhaus und Auer behaupten. Maini eroberte den vierten Platz nach einem schnellen Reifenwechsel gegen Gounon zurückerobern.
Der weitere Rennverlauf: Wiebelhaus übte mächtig Druck auf Thiim aus, kam aber nicht am grün-gelben Aston Martin vorbei. In Runde 33 musste Marco Mapelli seinen Abt-Lamborghini in der Garage abstellen. In Runde 40, 16 Minuten vor dem Rennende, öffnete sich das zweite Fenster für die Pflicht-Boxenstopps. Das halbe Feld bog innerhalb weniger Minuten ab und wechselte die Reifen.
Auer absolvierte seinen Stopp auf Platz drei liegend in der 44. Runde, der Zweitplatzierte Wiebelhaus reagierte einen Umlauf später und bog in die Boxengasse ab. Thiim legte seinen Stopp als vorletzter aller Fahrer in Runde 46 ein und blieb danach souverän mit 3 Sekunden Vorsprung in Führung. Danach tat sich praktisch nichts mehr auf der Strecke.



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