Max Verstappen lag in Silverstone auf Kurs zu seinem dritten Formel-1-Podium der laufenden Saison, doch wenige Runden vor Schluss drehte sich sein Red Bull plötzlich in Stowe von der Strecke. Es war schon der zweite ähnliche Abflug innerhalb kurzer Zeit, nachdem Verstappen bereits letzte Woche im Österreich-Qualifying gecrasht war.

Damals hatte Red Bull nach dem Unfall von Verstappen ursprünglich nichts Ungewöhnliches in den Daten festgestellt, erst im Nachhinein nahm das Team den Abflug des vierfachen Weltmeisters auf seine Kappe und sprach von einem Heckflügel-Defekt. In Silverstone soll erneut der Heckflügel den Abflug verschuldet haben. "Wie in Österreich, nur ein anderer Auslöser. Aber dasselbe Ergebnis", sagte Verstappen.

Saugefährlich! Verstappen sauer auf Red Bull - Antonelli-Drama! (10:07 Min.)

"Erneut, während ich in die Kurve eingelenkt habe, schloss sich der Heckflügel nicht richtig und ich verlor viel Downforce damit", beschrieb Verstappen das Problem. Teamchef Laurent Mekies bestätigte die Aussagen seines Topfahrers und sagte: "Er hat jedes Recht, nicht glücklich zu sein. Es ist sehr unangenehm für einen Fahrer, wenn ihn das Auto in zwei aufeinanderfolgenden Rennen in schnellen Kurven im Stich lässt."

Was genau vorgefallen ist, lässt sich aus den Aufnahmen nicht ableiten. Denn Fakt ist, dass sich der Macarena-Style-Flügel, den Red Bull seit Miami im Gepäck hat, bei der Situation in Silverstone grundsätzlich schloss, und dies auch in etwa an der selben Stelle wie in anderen Runden. Details lassen sich nicht ausmachen.

Verstappen war nach dem Abflug wenig überraschend sauer. "Das ist supergefährlich, denn man kann sich beide Male richtig wehtun. Ich hatte Glück in Österreich und ich hatte hier Glück. Aber genau deshalb hat man es irgendwann richtig satt." Mekies versprach Besserung: "Wir werden diesen Bereich anschauen, um sicherzustellen, dass es keine Chance mehr gibt, dass so etwas wieder passiert."

Dabei stellt sich auch die Frage, ob Red Bull Racing auf eine alte Heckflügel-Spezifikation zurückwechselt. Mekies hielt dahingehend alle Optionen offen: "Es ist zu früh in unserer Analyse, um festzulegen, ob es sich um ein Problem mit dem Konzept oder um etwas anderes handelt. Aber wir werden nichts unversucht lassen."

Seitdem Red Bull in Miami erstmals mit dem Heckflügel an den Start ging, der bei der Öffnung und bei der Schließung um 270 Grad rotiert, absolvierte Red Bull abgesehen von Monaco alle Rennen damit. In Österreich brachte Red Bull ein Upgrade an den Heckflügel-Pylonen ans Auto. Ob diese in einem Zusammenhang mit den Problemen stehen, ist nicht bekannt.

Verstappen: Hätten uns das Podium nicht verdient

Verstappen brachte nicht erst der späte Ausritt in Silverstone in Rage. Schon das gesamte Wochenende zeigte er sich nicht sehr glücklich über die Performance seines Red Bull RB22. Im Qualifying fehlte ihm Motorpower und ihn quälte eine miese Balance. Deshalb forderte Verstappen einen Setup-Eingriff in Parc Ferme, der automatisch einen Start aus der Boxengasse zur Folge hätte.

Im Rennen war das keineswegs besser. "Ich hatte eine schreckliche Balance und hatte keinen Topspeed im Vergleich zum anderen Auto in unserer Garage und das Rennen lief genauso wie erwartet", ärgerte er sich. Dass Verstappen im Laufe des Grands Prix auf die dritte Position nach vorne kam, lag an einem soliden ersten Stint auf den Medium-Reifen sowie Fehlern und Pech bei der Konkurrenz.

"Ich hatte Glück mit allem, das um mich herum passiert ist. Die Strafe für Lewis, der schleichende Reifenschaden für George, Kimis Problem… Selbst wenn wir auf dem Podium gelandet wären, es wäre überhaupt nicht verdient gewesen", wurde der zweifache Silverstone-Sieger deutlich. Er wunderte sich, dass er überhaupt so lange Russell und Hamilton im direkten Kampf um P3 in Schach halten konnte, da er auf den harten Reifen auf verlorenem Posten unterwegs war.

Mekies zeigte Verständnis für die Kritik von Verstappen. "Er hat das Gefühl, dass die grundlegende Performance bessere Resultate einbringen könnte, wenn wir die Balancelimitationen lösen könnten", so der Franzose. Er widersprach dem aktuell WM-Siebten nur dahingehend, dass ein Start aus der Boxengasse in Silverstone nicht die Lösung gewesen wäre: "Ich bin nicht sicher, ob wir auf der Strecke auf P3 gekommen wären, wenn wir aus der Boxengasse gestartet wären."