Die Formel 1 befindet sich - je nachdem, wie viele Nahost-Rennen noch gefahren werden können - ungefähr bei Saisonhalbzeit. Damit beginnt jetzt eine entscheidende Phase im Entwicklungsrennen. Denn nicht mehr jeder hat noch die gleichen per Reglement beschränkten Ressourcen - und diese wurden auch gerade erst neu eingestuft.

Das Thema der bereits an die Strecke gelieferten Updates war in den letzten Wochen ohnehin ein brisantes. Nach Silverstone neigt sich nun die Entwicklung in der ersten Halbjahres-Periode dem Ende zu. In dieser erhielten die Teams im Sinne der "Aerodynamic Testing Restrictions" (ATR) gestaffelt nach WM-Position des Vorjahres aufsteigend mehr Entwicklungs-Ressourcen. Diese ganzen Zahlen auf einem Blick sind hier dargestellt:

Diese Zahlen in Verbindung zu betrachten hilft auch bei der Einordnung. Dass Cadillac bereits zwei umfangreiche Pakete an die Strecke geliefert hat, obwohl das neue Team kaum so effizient entwickeln wird wie eine erfahrene Top-Mannschaft, wird durch eine sehr großzügige Ressourcen-Zuweisung ermöglicht. Cadillac bekommt 115 Prozent der Referenzwerte. Die letztjährigen Weltmeister McLaren mussten mit 70 Prozent haushalten.

Red Bull und Ferrari sind neben Cadillac die anderen zwei Teams mit zwei großen Paketen. Audi hatte eine große Revision schon bei den Testfahrten ausgepackt, zwei mittlere Umbauten folgten in Miami und Österreich. Alpine hat zwei mittlere Blöcke geliefert, der Rest überwiegend erst ein Paket. Das dient einmal als Einstieg für die erwarteten nächsten Schritte.

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Nächstes Ferrari-Update schon am Horizont - was macht Mercedes?

Bei Ferrari ist das dritte Paket tatsächlich schon absehbar. Allerdings nicht mehr vor der Sommerpause. Laut dem italienischen Medium 'AutoRacer' wähnen sich die Designer der Scuderia, beflügelt von zwei Siegen in drei Rennen, auf dem richtigen Entwicklungsweg und planen den nächsten Schritt raus aus der Sommerpause, potenziell schon in Zandvoort. Besser zwei Zehntel jetzt als zwei Zehntel irgendwann im Herbst, ließ Teamchef Fred Vasseur zuletzt verlautbaren. Nicht allzu weit davon entfernt soll auch das zweite durch ADUO ermöglichte Motor-Update kommen, in oder um Madrid.

Mercedes ziert sich dafür. Bis auf das Kanada-Paket kam noch nicht viel ans Auto der WM-Führenden, und der nächste Schritt ist noch nicht angekündigt. Teamchef Toto Wolff nutzte das zuletzt für Kritik an den sich häufenden Ferrari-Updates. Mehr als Spekulationen über neue Entwicklungen für das nächste Rennen in Spa gibt es trotzdem nicht.

McLaren & Red Bull mit unterschiedlichen Update-Problemen2>

McLaren sticht mit einer hohen Zahl an neuen Teilen in der Statistik ganz oben heraus, die nicht ganz die Realität reflektieren. Erst spät fanden die Weltmeister den richtigen Entwicklungsweg, und das Auto plus Konzept vollends auf diese auszurichten ist ein Prozess, der aktuell noch läuft und erst mit dem nächsten Update-Paket wirklich in Fahrt kommt. Die ersten Teile davon kommen in Ungarn ans Auto.

Die inflationäre Update-Zahl geht auf problematische Teile zurück, die bei ihren ersten Einsätzen hinter den Erwartungen zurückblieben. Ein neues Frontflügel-Konzept brauchte zwei Test-Wochenenden und mehrere Modifikationen, ehe es eingesetzt werden konnte. Ein neues Heckflügel-Konzept schaffte es nicht einmal durch einen Funktionscheck in der Garage von Österreich und tauchte seitdem nicht mehr auf.

Red Bull hat ähnliche, und doch andere Sorgen. Wie Ferrari wurden hier bereits zwei Pakete eingesetzt. Wann es jetzt weitergeht ist unklar, und das Wie ist eine genauso große Frage, nachdem der in Miami eingeführte und in Österreich überarbeitete Heckflügel Probleme zu machen scheint und von Max Verstappen als Grund hinter seinen zwei Abflügen in Spielberg und Silverstone ausgemacht wurde.

Wer bringt was im Formel-1-Mittelfeld?

Die Racing Bulls haben bislang auf ganz große Pakete verzichtet, sondern vor allem mit einer schrittweisen Entwicklung des Diffusors über den Frühsommer hinweg einen Volltreffer geschafft. Durchaus wesentlich: Sie brachten auch eine größere Unterboden-Modifikation zwischen Test und Saisonauftakt. Damit ist man dem Mittelfeld etwas enteilt, potenziell aber nicht mehr ganz so gut bei verbleibenden Ressourcen aufgestellt.

Auf den ersten Blick lassen die Update-Zahlen für Alpine und Audi trotzdem keinen Schluss auf ein schärferes Programm zu. Die drei Teams, die aktuell üblicherweise die heißesten Anwärter auf die Best-of-the-Rest-Plätze in den Top-10 sind, haben gegenwärtig keine zeitnahen Pakete angekündigt.

Aufholbedarf hat Haas, das seit Saisonauftakt deutlich abgefallen sind und ein Entwicklungs-Defizit in mittelschnellen bis schnellen Kurven aufgedeckt haben. Ein Update um die Sommerpause ist zu erwarten. Das Team will unbedingt das Problem auch dieses Jahr schon angehen, um für nächstes Jahr zu verstehen, was man falsch gemacht hat.

Bei Williams steht fest, dass erst in Baku das nächste Paket kommt. Generelle Entwicklungs-Probleme wurden in den letzten Wochen offensichtlich. Obwohl das Auto Gewicht abgebaut hat, wird es nicht schneller, denn erwartete Schritte mit Aero-Updates materialisieren sich nicht. Das könnte bis Baku eine Serie an zunehmend schmerzlichen Rennen bedeuten.

Denn was aktuell bei der hohen Entwicklungsrate ein Update-Stopp bewirkt, hat Aston Martin vorgeführt. Ohne Entwicklung ist der AMR26 völlig vom Feld abgerissen. Die Ressourcen wurden alle in ein großes Paket für Ungarn gesteckt, mit neuer Aero, modifizierter Hinterachse und leichterem Chassis. Ein neuer Honda-Motor kommt entweder in Ungarn oder Zandvoort. Zeitgewinn? Potenziell jenseits von zwei Sekunden, aber weil der Rückstand inzwischen schon so groß ist, würde man damit gerade einmal den Anschluss an Racing-Bulls-Audi-Alpine herstellen.

Guter Saisonstart kostet Ferrari für zweites Halbjahr Aero-Ressourcen

Mit dem 22. Juni gilt nun inzwischen eine neue Aero-Einstufung. Basierend auf dem WM-Stand nach Spanien wurden die Teams für den Rest des Jahres neu geordnet. Das kostet Mercedes fünf, Ferrari sogar zehn Prozent ihrer Zuweisung. Umgekehrt kann McLaren nach eineinhalb Jahren mit der geringsten Erlaubnis zum ersten Mal wieder zehn Prozent draufpacken.

Alpine ist großer Ressourcen-Verlierer im Mittelfeld und größter Verlierer überhaupt im Feld mit 25 Prozent. Williams und Aston Martin erhalten für ihre Probleme je 15 zusätzliche Prozent. Audi und vor allem Cadillac bleiben unverändert. Für Cadillac, wo man dringend weitere große Pakete zum Anschlussfinden braucht, sehr wichtig. Für Audi dafür eher glücklich. Schließlich glaubt man hier, dass das Defizit primär vom ersten selbst gebauten Motor kommt. Und das Chassis eigentlich schon ein Top-5-Chassis wäre.