Nissan steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Nach Jahren sinkender Gewinne, schwieriger Modellpolitik und wachsender Konkurrenz aus China will der japanische Hersteller seine Fahrzeugentwicklung deutlich beschleunigen. Neue Modelle sollen künftig teils schon nach zweieinhalb bis drei Jahren entstehen – statt wie bisher nach gut vier Jahren.
Kazuyuki Yamaguchi, Corporate Vice President für Produktentwicklung, sagte gegenüber Automotive News, Nissan müsse attraktive Modelle künftig schneller auf die Straße bringen. Die bisherigen Prozesse seien zu langsam und zu komplex für ein Marktumfeld, in dem neue Wettbewerber Modellzyklen spürbar verkürzen.
China gibt das Tempo vor
Vor allem chinesische Hersteller setzen etablierte Autobauer mit deutlich kürzeren Entwicklungszeiten unter Druck. Nissan will sich deshalb stärker am sogenannten „China Speed“ orientieren: Die Entwicklungszeit komplett neuer Modelle soll von rund 52 auf 37 Monate sinken, bei Derivaten sogar von etwa 50 auf 30 Monate.

Radikaler Umbau des Modellprogramms
Dazu will Nissan Entwicklung, Produktion und Einkauf vereinfachen. Die Zahl der Plattformen soll bis Mitte des kommenden Jahrzehnts von 13 auf sieben sinken, die Teilevielfalt um bis zu 70 Prozent reduziert werden.
Auch das Modellangebot wird kleiner: Statt aktuell 56 Baureihen sollen künftig nur noch 45 Fahrzeuge angeboten und in vier strategische Kategorien eingeteilt werden.
Neuer Skyline soll den Wandel einläuten
Wie schnell die neue Strategie greifen kann, soll der kommende Skyline zeigen. Die nächste Generation der Limousine wurde laut Nissan in nur 26 Monaten entwickelt und wäre damit das erste Serienmodell nach den neuen Prozessen.

In Japan bleibt der Name Skyline erhalten. In Nordamerika könnte ein verwandtes Infiniti-Modell den eingestellten Q50 ersetzen.
Weitere Modelle bereits in Vorbereitung
Weitere Neuheiten sind bereits geplant: Der Xterra soll als Leiterrahmen-Geländewagen zurückkehren, außerdem arbeitet Nissan an Nachfolgern für GT-R und Z.

Sparprogramm läuft parallel
Die schnellere Produktentwicklung ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms. Nissan reduziert Kapazitäten, schließt Werke und Designzentren und baut weltweit tausende Stellen ab. Künftig sollen profitablere Modelle und effizientere Prozesse wichtiger sein als reine Stückzahlen.
Ob der Kurswechsel gelingt, zeigt sich erst in den kommenden Jahren. Klar ist aber: Nissan versucht, Produktportfolio, Entwicklung und Unternehmensstruktur gleichzeitig neu auszurichten – und hat angesichts des Drucks aus China kaum Spielraum für ein langsames Weiter-so.

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