Es gab Tage, an denen das Autofahren einfach mehr Spaß machte als sonst. Die Sonne stand tief, die Wälder der Sächsischen Schweiz leuchteten in warmen Herbstfarben und die Straßen luden dazu ein, den Umweg zum eigentlichen Ziel zu machen. Genau das nutzten wir für unsere Testfahrt mit dem VW Tayron. Unter der Haube: ein Zweiliter-Turbobenziner mit 265 PS, dazu Allradantrieb und ein Siebengang-DSG. Beste Voraussetzungen also für einen entspannten Ausflug – oder?
Matrix-LED-Scheinwerfer begeisterten
Dieses Licht hätten wir am liebsten mit nach Hause genommen – und da sprechen wir nicht von der schönen Herbstatmosphäre. Denn unser persönliches Highlight waren tatsächlich die Scheinwerfer.

Das Matrix-LED-System des Tayron gehörte zu den überzeugendsten Lösungen, die wir bisher auf einer Testfahrt erlebt hatten. Gerade auf der Autobahn zeigte sich, wie viel Entwicklungsarbeit inzwischen in dieser Technik steckt. Entgegenkommende Fahrzeuge, darunter auch Lkw, wurden zuverlässig erkannt. Die entsprechenden Lichtbereiche wurden schnell genug ausgeblendet, während der übrige Straßenverlauf weiterhin hervorragend ausgeleuchtet blieb.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer. Wir kennen Systeme, bei denen wir uns trotz Matrixtechnik nicht wirklich wohlfühlten, weil die Reaktion zu spät kam oder wir bei entgegenkommendem Verkehr vorsichtshalber selbst abblendeten. Im Tayron hatten wir dieses Gefühl deutlich weniger. Gerade auf längeren Strecken und bei Nacht ist das ein echter Gewinn an Komfort.

Heller Innenraum, empfindliche Details
Aber auch am Tag machte der Innenraum einen guten Eindruck. Die hohe Sitzposition sorgte für eine angenehme Übersicht, das Panoramaschiebedach ließ viel Licht herein und die Ambientebeleuchtung erwies sich als nettes Detail: Änderten wir ihre Farbe, passten sich auch die entsprechenden Elemente im Cockpit an.

Weniger begeistert waren wir von den hochglänzenden schwarzen Oberflächen. Die sahen im Neuwagenzustand zwar schick aus, wirkten aber empfindlich und Fingerabdrücke wurden schnell sichtbar. Das kannten wir bereits aus vielen anderen Cockpits. Hier hätten wir uns eine weniger pflegeintensive Lösung gewünscht. Kein großes Drama, aber eben auch nicht die eleganteste Antwort auf die Frage, wie ein moderner Innenraum langfristig gut aussehen soll.

VW Tayron als Siebensitzer: Mehr Platz als im Tiguan?
Wer in den Tayron steigt, merkt schnell, dass VW hier nicht einfach nur einen etwas längeren Tiguan auf die Räder gestellt hat. Zumindest beim Platzangebot war der Unterschied für uns deutlich spürbar. Der Innenraum wirkte großzügig und auch der Kofferraum bot problemlos Platz für einiges an Gepäck.
Besonders praktisch fanden wir die zweite Sitzreihe. Sie ließ sich verschieben, außerdem konnten wir den Lehnenwinkel verändern. So lässt sich der Innenraum flexibel an die jeweilige Situation anpassen: mehr Beinfreiheit für die Passagiere oder mehr Platz für Gepäck.

Unser Testwagen war zudem mit dem Siebensitzer-Paket ausgestattet. Für 950 Euro Aufpreis kommen zwei Einzelsitze in der dritten Reihe hinzu. Das erweitert die Möglichkeiten, sollte aber realistisch eingeordnet werden. Für Erwachsene sind die hintersten Plätze eher eine Notlösung als eine Einladung zu längeren Reisen. Für Kinder oder gelegentliche zusätzliche Mitfahrer ist die Option dagegen durchaus praktisch.

Immerhin hatte VW auch hier an ordentliche Dreipunktgurte gedacht. Und noch ein kleines Detail gefiel uns: Das Kofferraumrollo ließ sich unter der Kofferraumabdeckung verstauen. Wenn wir es nicht brauchten, lag es nicht im Weg herum.
265 PS: Auf dem Papier überzeugender als auf der Autobahn?
Mit 265 PS, DSG und 4Motion brachte unser Tayron eigentlich alles mit, was man von einem kräftig motorisierten SUV erwartet. Zumindest auf dem Papier. In der Praxis fiel uns auf der Autobahn allerdings auf, dass der Antrieb stellenweise etwas träger wirkte, als die Leistungsangabe vermuten ließ. Dem Tayron fehlte es nicht grundsätzlich an Kraft. Aber bei höherem Tempo und sportlicherer Fahrweise hätten wir uns etwas mehr Souveränität gewünscht. Die 265 PS versprachen eine ordentliche Portion Dynamik – das Fahrgefühl vermittelte uns dagegen eher, dass hier der komfortable Reisecharakter im Vordergrund stand.

10,6 Liter und nur rund 400 km Reichweite
Natürlich interessierte uns bei einem Benziner mit 265 PS auch der Verbrauch. Unsere Testfahrt bestand zu rund 40 Prozent aus Landstraßen- und zu 60 Prozent aus Autobahnfahrten. Auf den Landstraßen fuhren wir gemütlich, auf den teilweise unlimitierten Autobahnabschnitten dagegen eher sportlich.
Am Ende standen 10,6 Liter auf 100 Kilometer auf dem Zettel. Das war angesichts unseres Fahrprofils nicht völlig überraschend. Wer die Leistung regelmäßig abruft und auf der Autobahn zügig unterwegs ist, darf bei einem großen Allrad-SUV keinen Wunderverbrauch erwarten. Bei einer gemäßigteren Fahrweise hielten wir rund neun Liter für realistisch – eine Einschätzung, die wir allerdings nicht mit einer gesonderten Verbrauchsmessung untermauert hatten.

Weniger glücklich waren wir mit der Reichweite. Wir kamen auf ungefähr 400 Kilometer (mit etwas Tankreserve). Damit wurde aus dem entspannten Reisefahrzeug plötzlich ein Auto, bei dem wir häufiger über den nächsten Tankstopp nachdenken mussten, als uns lieb war.
Besonders kurios fanden wir in diesem Zusammenhang das Reserverad im Kofferraum. Natürlich ist ein Ersatzrad im Pannenfall hilfreich. Aber bei einem Fahrzeug, das auf lange Strecken ausgelegt ist, hätten wir persönlich lieber einen größeren Tank als das zusätzliche Rad an Bord gehabt. Zumindest wäre das für unser Nutzungsprofil die sinnvollere Priorität gewesen.

Kleine Schwächen im VW Tayron: Getränkehalter und Sitzkomfort
Manchmal sind es nicht die großen Dinge, die uns bei einem Testwagen stören, sondern die kleinen. Beim Tayron war es unter anderem das Fach in der Mittelkonsole. VW hatte dort einen verstellbaren Trenner vorgesehen, der eigentlich für Ordnung sorgen sollte. In der Praxis wirkte die Lösung jedoch wenig durchdacht. Flaschen standen nicht stabil, kippten zur Seite und machten aus einem simplen Ablagefach eine unnötige Geduldsprobe.

Auch die Sitze hinterließen bei uns gemischte Gefühle. Sie waren grundsätzlich in Ordnung, doch im direkten Vergleich empfanden wir die Sitze des Tiguan als bequemer.
Fazit: Viel Platz, starkes Licht und ein Tank, der größer sein dürfte
Der VW Tayron 2.0 TSI 4Motion überzeugte als geräumiger Reise-Allrounder mit variablem Innenraum, großem Kofferraum und hervorragendem Matrix-LED-Licht. Panoramadach, praktische Details und die optionale dritte Sitzreihe erhöhten den Nutzwert, auch wenn Letztere für Erwachsene nur bedingt langstreckentauglich war.

Dem standen ein bei höherem Tempo wenig souveräner Antrieb, mäßige Sitze sowie Schwächen bei Innenraum, Verbrauch und Reichweite gegenüber. Angesichts von 73.650 Euro blieb Luft nach oben. Dennoch fiel unser Fazit positiv aus: Beim Tayron stimmte vieles – nur Tank und Durchzug hätten großzügiger ausfallen dürfen.



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