Latente Rücktritts-Drohungen sind dieses Jahr schwer in Mode bei der DTM. Auf dem Norisring ließ Thomas Preining kurzzeitig Zweifel an seiner Zukunft aufkommen - inzwischen kämpft der Manthey-Porsche-Pilot mit einem Punkt Rückstand um die Meisterschaft. Danach in Oschersleben griff Nicki Thiim diesen Gedanken auf und parodierte Preining auf seine eigene Weise.
Jetzt auf dem Nürburgring war Luca Engstler an der Reihe. Der sonst so besonnene Abt Lamborghini-Pilot ließ sein Team während des Sonntagsrennens per öffentlich im TV ausgestrahlten Funkspruch wissen: "Ich sag's euch, ich bin so genervt! Entweder bekommt ihr irgendwann eure verdammten Boxenstopps in den Griff - oder ich höre auf, Mann!"
Abt-Teamchef Biermaier: Engstler hat sich entschuldigt
Engstler setzte den Funkspruch kurz nach seinem zweiten Pflicht-Boxenstopp ab, als gerade die brandheiße Phase des Rennens begonnen hatte. Die Emotionen waren beim Allgäuer aus dem Cockpit deutlich herauszuhören. Kein Wunder, kämpfte er zu diesem Zeitpunkt doch knallhart um ein Top-Finish in Podestnähe. "Mach weiter, alles gut", kam als Reaktion vom Kommandostand.
Derartige Ansagen hört verständlicherweise kein Team gerne. Kurz nach dem Rennen waren die Wogen aber wieder geglättet. "Emotionen gehören zum Sport dazu", sagte Abt-Teamchef Thomas Biermaier zu Motorsport-Magazin.com. "Luca hat sich entschuldigt und damit ist der Fall für uns erledigt. Er ist ein super Rennen gefahren, deshalb überwiegt bei uns die Freude."
DTM-Boxenstopps immer mehr am Limit
Tatsächlich hatte sich die Abt-Boxencrew beim zweiten Reifenwechsel an Engstlers Lamborghini Temerario GT3 nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Wechsel aller vier Räder dauerte 7,562 Sekunden, was in diesem Rennen nur die neuntschnellste Dauer bedeutete. Dass die Boxenmannschaft aus dem Allgäu es besser kann, hatte sie zuvor bei Engstlers erstem Stopp bewiesen: 6,921 Sekunden.
Alles unter 7 Sekunden gilt in der DTM als ordentlicher Boxenstopp, aber der Wettbewerb in der Boxengasse ist inzwischen brutal geworden. Alle Teams haben in den vergangenen Jahren stark nachgelegt und ihre Zeiten immer weiter verringert. Der schnellste Radwechsel am Nürburgring gelang Land-Motorsport in nur 5,959 Sekunden bei Bastian Buus' Porsche. Der Saisonrekord liegt bei 5,689 Sekunden und geht auf das Konto von Comtoyou-Aston-Martin.
Luca Engstler in der DTM 2026: Bisherige Ergebnisse
| Rennen | Startaufstellung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Red Bull Ring I | P19 | P15 |
| Red Bull Ring II | P19 | P18 |
| Zandvoort I | P7 | P8 |
| Zandvoort II | P3 | P6 |
| Lausitzring I | P11 | Ausfall |
| Lausitzring II | P5 | P6 |
| Norisring I | P12 | P14 |
| Norisring II | P19 | P16 |
| Oschersleben I | P2 | P2 |
| Oschersleben II | P2 | P4 |
| Nürburgring I | P12 | P7 |
| Nürburgring II | P13 | P6 |
Abt-Lamborghini: Boxenstopps müssen besser werden
Die Äbte können in der laufenden Saison nicht mit diesen Spitzenzeiten mithalten. Stattdessen sind Emil Frey Racing, Manthey und Comtoyou das Maß der Dinge. Aber auch das zweite Lamborghini-Team im Starterfeld, GRT aus Österreich, braucht für seine Boxenstopps mit dem neuen Temerario im Schnitt länger als zu Huracan-Zeiten.
"Wir wissen, woran wir arbeiten müssen und werden uns weiter Schritt für Schritt verbessern", sagte Abt-Chef Biermaier und räumte ein: "Das gilt auch für die Boxenstopps. Sie waren solide, aber die Konkurrenz ist so stark, dass wir dort noch besser werden müssen. Daran werden wir bis zum Sachsenring intensiv arbeiten."

Im Sonntagsrennen am Nürburgring hatte der Boxenstopp jedenfalls keinen größeren Anteil daran, dass Engstler nicht ums Podest mitmischen konnte. Die Radwechsel seiner direkten Konkurrenten um die Plätze waren zum Teil schneller - Nicki Thiim in 6,141 Sekunden, Mirko Bortolotti in 7,088 Sekunden - aber auch langsamer: Bei Tom Kalender dauerte der zweite Stopp 7,662 Sekunden, bei Arjun Maini 7,781 Sekunden.
Engstler bog von Platz fünf zu seinem zweiten Pflicht-Stopp ab und belegte die gleiche Position, nachdem das Feld Boxenstopp-bereinigt war. Der Lambo-Werksfahrer kassierte noch Thiims Aston Martin für P4, war wenig später aber chancenlos gegen Maini und Bortolotti, die ihn im Paarflug überholten. Engstler landete schließlich auf dem sechsten Platz.
Abt gelingt bestes Teamergebnis in der DTM 2026
Im Schluss-Stint kostete ihn nicht der recht langsame Boxenstopp ein besseres Ergebnis, sondern der Zustand seiner Reifen: Engstler musste am Ende mit Pirelli-Slicks vom Vortag fahren, während seine Konkurrenten Kalender, Maini und Bortolotti allesamt frische Reifensätze zur Verfügung hatten, nachdem sie am Samstag vorzeitig ausgefallen waren. Die deutlichen Reifen-Unterschiede spielten auch beim Kampf um den Sieg eine wichtige Rolle, wie wir in diesem Artikel analysiert haben:
Nach dem Rennen zeigte sich Engstler, der von P13 gestartet war, dann mehr als versöhnlich: "Ein super Wochenende für uns. Einmal Platz 6, einmal Platz 7 und viele wichtige Punkte. Ich bin mega happy. Wir entwickeln uns immer weiter in die richtige Richtung und machen einen Schritt nach dem anderen. Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team und freue mich jetzt auf die letzten beiden Rennwochenenden." Mit Teamkollege Marco Mapelli auf Platz neun gelang es Abt Sportsline erstmals in dieser Saison, beide Fahrer in den Top-10 zu platzieren.
Du willst alle Breaking News und Hintergrund-Infos zur DTM, WEC, IndyCar, den 24-Stunden-Rennen und Co. bekommen? Dann abonniere jetzt unseren neuen und kostenlosen WhatsApp-Channel! Brandaktuelle News aus der Motorsport-Welt direkt auf dein Handy:



diese DTM Nachricht