Auch wenn Mercedes hervorragend in die neue Ära des technischen Reglements gestartet ist, so ist der Performance-Vorsprung durch die aggressiven Upgrade-Programme der Konkurrenz nach und nach geschrumpft. Ferrari fand in Barcelona mit einem umfangreichen Update deutlich mehr Performance, während ein neuer Unterboden McLaren in Ungarn den Weg zum ersten Saisonsieg ebnete. Was haben die Formel 1-Teams für die zweite Saisonhälfte noch im Köcher? Motorsport-Magazin.com hat sich einen Überblick verschafft und verrät, was bereits bekannt ist und worüber gemunkelt wird.

Mercedes

Bislang hielt sich Mercedes mit großen Update-Paketen zurück. Laut James Allison konnte man sich das auch leisten, weil man "der Konkurrenz seit Beginn der Saison etwa ein bis zwei Rennen mit den Upgrades voraus ist". Doch schon vor der Sommerpause kündigte Mercedes an, nach dem Shutdown etwas Größeres am Auto zu haben. "Ich weiß, was durch die Entwicklungsröhre geht. Es werden noch vielversprechende Teile ans Auto kommen", bestätigte Allison.

Details nannte er nicht. Im Paddock heißt es, dass Mercedes für Zandvoort zunächst kleinere Verbesserungen plant und ein größeres Update-Paket in Malaysia (Bahrain GP) oder in Singapur kommt. "Wir erwarten ein großes [Update] später in der Saison, das uns viel Performance bringt", bestätigte Kimi Antonelli am Donnerstag in Zandvoort.

Ferrari

Ferrari brachte eines der besten, wenn nicht sogar das beste Chassis zu Saisonbeginn an den Start und legte anschließend mit einer ganzen Reihe aerodynamischer Updates nach. Das beeindruckende Tempo bei der Einführung neuer Updates rief sogar die Konkurrenz in Silber auf den Plan. Für das Heimrennen in Monza ist eine Weiterentwicklung des Motors geplant, mit dem Ziel einer höheren Endgeschwindigkeit auf den Geraden.

Darüber hinaus will Ferrari in der zweiten Saisonhälfte den SF-26 kontinuierlich verbessern. "Beim Chassis haben wir in allen Bereichen noch Verbesserungspotenzial, dieses Entwicklungstempo müssen wir weitergehen", so Fred Vasseur. Kimi Antonelli warnte am Medientag in Zandvoort vor einem mysteriösen Ferrari-Update. Auch italienische Medien spekulieren über einen neuen Ferrari-Unterboden in Zandvoort und einem weiteren Update-Paket im Herbst.

Ferrari-Bolide steht in der Box
Ferrari versteckte sich am Donnerstag noch, Foto: IMAGO/Action Plus

McLaren

McLaren hat in Zandvoort weitere neue Teile im Gepäck, die sich auf den Heckbereich konzentrieren. Ein neuer Heckflügel und hintere Bremsbelüftung vervollständigen das in Ungarn eingeführte Paket. "Ziel ist es, die neuen Teile möglichst schnell zu validieren, ihren Einfluss auf die Performance im Laufe des Wochenendes zu verstehen und jede sich bietende Möglichkeit bestmöglich zu nutzen", heißt es seitens McLaren vor dem Niederlande GP.

Darüber hinaus gibt es Gerüchte, dass McLaren für den Großen Preis von Aserbaidschan Ende September ein weiteres großes Aerodynamikpaket plant. Neil Houldey, Technischer Direktor für Engineering bei McLaren, ließ sich nur entlocken, dass McLaren den 2026er-Boliden bis spät in die Saison hinein weiterentwickeln will: "Alles, was wir dieses Jahr lernen, ist für nächstes Jahr absolut relevant. Wir sind also sehr bestrebt, das Auto so lange wie irgendwie möglich weiterzuentwickeln."

Boxenstoppübung bei McLaren
Bei McLaren dreht sich das Update in Zandvoort um das Heck, Foto: IMAGO/ANP

Red Bull

Angesichts Verstappens harscher Kritik "wir haben keinen Reifenverschleiß, wir haben Autoverschleiß" wird bereits spekuliert, dass Red Bull die Entwicklung seines 2026er-Bolidens zurückfahren und stattdessen den Großteil seiner Ressourcen auf das Auto für 2027 konzentrieren könnte. Dem widersprach jedoch Pierre Waché bereits vor der Sommerpause. "Wir versuchen das Auto kontinuierlich zu verbessern und haben einen klaren Entwicklungsplan bis zum Ende des Jahres", stellte Red Bulls Technikdirektor klar. Das klare Ziel lautet: 2026 siegfähig werden.

"Wir werden erst dann zufrieden sein, wenn wir wieder ein Rennauto haben, das aus eigener Kraft die nötige Pace besitzt, um Rennen zu gewinnen", betonte Laurent Mekies. Zugleich ist ihm bewusst, dass man irgendwann die Ressourcen zwischen 2026 und 2027 aufteilen muss. "Wir haben enorm viele Entwicklungen ans Auto gebracht und es ist schwer vorstellbar, dass wir dieses Entwicklungstempo weiterhin aufrechterhalten können. Dennoch müssen wir herausfinden, welcher Weg der Beste ist, um die letzten drei Zehntelsekunden Rückstand zu schließen", so Mekies.

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Aston Martin

Nachdem Aston Martin in Ungarn mit einem beinahe komplett neuen Fahrzeugkonzept auftauchte, folgt diese Woche in Zandvoort mit dem Motor-Update der nächste große Schritt. "Wir glauben, dass wir mit diesem Update einige gute Fortschritte machen“, erklärte er Shintaro Orihara, Trackside General Manager und Chief Engineer in Zandvoort. "Jede Verbesserung um 50 oder 100 Millisekunden ist sehr wichtig, um unsere Position zu verbessern. Und ich glaube, dass unser Update eine Verbesserung der Rundenzeiten in dieser Größenordnung bringen kann."

Zusätzlich verriet Mick Krack am Donnerstag, dass man aerodynamische Modifikationen am Boden und am Frontflügel vorgenommen habe. Weitere Entwicklungsschritte folgen in Monza und Baku. Ein Großteil des Fokus liegt bei Honda und Aston Martin jedoch bereits auf 2027. "Wir arbeiten in der Fabrik hart daran, für 2027 einen noch größeren Schritt zu machen, aber wir müssen auch realistisch bleiben", erklärte Orihara.

Honda-Ingenieure arbeiten am Boliden
Mit dem Motoren-Update hofft Honda auf einen Sprung nach vorne, Foto: IMAGO/Kirchner-Media
Technik Details Audi
Kontinuierliche Verbesserungen am R26 stehen bei Audi auf dem Plan, Foto: IMAGO/Fotostand

Audi

Nachdem der Fokus in der ersten Saisonhälfte auf der Standfestigkeit lag sowie darauf, das Auto zu verstehen und dadurch mehr von dessen Potenzial freizusetzen, will sich Audi nun um die Performance kümmern. Diverse Medien wollen wissen, dass Audi vier weitere Update-Pakete bringen will. Bislang zeichnete sich der größte Aufholbedarf allerdings beim Antrieb ab, der jedoch für den Rest der Saison nicht groß weiterentwickelt wird. "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte nachlegen, aber was den Motor angeht, ist das ein Thema für 2027", erklärte Allan McNish.

Racing Bulls

Bis zur Sommerpause mauserten sich die Racing Bulls zum stärksten Team im Mittelfeld, was laut Alan Permane vor allem harter Arbeit und der Umsetzung von teilweise schmerzlichen Erkenntnissen aus der Vergangenheit geschuldet ist. Gleichzeitig bedarf es in der zweiten Saisonhälfte weiterer Verbesserungen am Auto, um den fünften WM-Platz zu verteidigen. "Es gibt jede Menge Dinge, die wir tun können, um schneller zu werden, aber das Effektivste wird mehr Abtrieb sein. Darauf konzentrieren wir uns. Und ich weiß, was wir noch in der Pipeline haben", so Permane. Parallel werden Ressourcen bereits auf 2027 geschoben. "Im Moment kommen aber noch weitere Dinge für das aktuelle Auto – und das ist großartig", betonte Permane.

Racing Bulls Ingenieure arbeiten in der Box am Auto
Bei den Racing Bulls muss man alles für Tsunodas Zandvoort-Einsatz vorbereiten, Foto: IMAGO/ANP
Mechaniker schrauben an Pierre Gaslys Alpine
An Pierre Gaslys Alpine wird fleißig gearbeitet, Foto: IMAGO / Fotostand

Alpine

"Wir stehen derzeit zwar nicht schlecht da, aber wir brauchen auf jeden Fall mehr Performance – und die soll in den kommenden Wochen kommen", erklärte Pierre Gasly, nachdem in Ungarn die Racing Bulls an Alpine vorbeizogen. Diese sollten insbesondere die Performance des A526 in schnellen Kurven verbessern. Vor dem Rennwochenende in Zandvoort bestätigte Steve Nielsen: "Wir haben an diesem Wochenende einige Upgrades zur Verfügung. Der Plan ist, weitere Neuerungen zu bringen, sobald wir dazu in der Lage sind." Die ersten Bilder aus Zandvoort lassen einen neuen Unterboden vermuten. Die neuen Teile stehen nur Gasly zur Verfügung, Franco Colapinto muss sich bis Monza gedulden. "Unser Entwicklungsplan wurde im Gegensatz zu unserer Konkurrenz etwas erschüttert. Wir brauchen einfach etwas länger als manch andere", erklärte Gasly.

Williams, Haas, Cadillac

Williams, das in Ungarn infolge der Upgrades von Aston Martin überholt wurde, plant sein großes Upgrade-Paket für den Großen Preis von Aserbaidschan Ende September. Währenddessen hält sich Haas bezüglich seines Entwicklungsfahrplans für die zweite Saisonhälfte (noch) bedeckt. Bei Cadillac dürfte statt Update eher im Fokus liegen, die gravierende und wiederkehrende Zuverlässigkeitsprobleme, insbesondere überhitzende Bremsen in den Griff zu bekommen. Neu-Teamchef Marcin Budkowski hat bereits einige Punkte gefunden, die Cadillac in den nächsten Wochen angehen muss. Mehr dazu liest du in diesem Artikel: