Für Renault bricht in dieser Saison ein neues Zeitalter an: Man geht die Saison nicht nur als Titelverteidiger in beiden Weltmeisterschaften an, sondern muss auch mit einem V8-Motor mit einem bislang völlig unbekannten 90-Grad-Winkel agieren.

Dennoch gingen die Franzosen aus Viry-Châtillon das Projekt RS26 "begeistert" wie eh und je an: "Wir haben uns hohe Ziele gesetzt und möchten gewinnen", sagte Bob Bell, seines Zeichens Technischer Direktor Motor. "Unsere Herangehensweise bei Renault ist pragmatisch. Wir sind also aggressiv, aber auch realistisch. Wir müssen in eine Position gelangen um zu gewinnen und dafür benötigt man ein gutes Paket: Einen starken, zuverlässigen Motor und ein schnelles, einfach zu fahrendes Auto."

Große Unterschiede gab es beim Designprozess des RS26 aber nicht. "Die starre Architektur ist komplett anders, aber wir werden die gleiche Technologie verwenden", so Bell. "Ein V8 von 2006 wird mehr mit den V10-Motoren des letzten Jahres zu tun haben, als mit den V8-Motoren aus anderen Rennserien oder aus der Vergangenheit der Formel 1."

Dennoch stellte der Wechsel von 72 auf 90-Grad Zylinderbanköffnungswinkel eine große Umstellung dar. Das Ziel bleibt trotzdem gleich: "Wie immer möchten wir keine Defekte sehen und da spielt die Anzahl der Zylinder keine besondere Rolle."

Ebenso verhält es sich beim Einsatz der Motoren an der Rennstrecke. "Die Basisarbeiten werden sich nicht groß verändern", betont Motorenchef Denis Chevrier. "Die Technik ist eine Weiterentwicklung des letzten Motors. Das Team an der Strecke muss also noch immer die Werkzeuge, Leute und Organisation besitzen, um das Maximum aus dem Motor herauszuholen ohne dabei die Zuverlässigkeit zu riskieren."

Unterschiede wird es im Vergleich zu 2005 nur aufgrund der veränderten Qualifying-Abläufe sowie der Rückkehr von Reifenwechseln geben. "Zusammen mit unseren Kollegen aus Enstone haben wir neue Ablaufpläne für die Rennwochenenden entwickelt", verrät Chevrier. "Wie gehen wir den ersten, zweiten und dritten Teil des Qualifyings an? Wir haben versucht auf bestmögliche Art und Weise auf die Regeln zu reagieren."

Das gilt genauso für die strikten Vorschriften der FIA im Bezug auf die verwendeten Materialien, Teile und das Mindestgewicht des neuen Motors. Eine Besonderheit stellt das neue Siebenganggetriebe dar, welches das Drehmoment besser nutzbar machen soll.

Obwohl die PS-Anzahl durch den Wechsel von 10 auf 8 Zylinder abgenommen hat, werden die Umdrehungen höher liegen. "Das ist richtig", bestätigt Projektleiter Léon Taillieu. "Der Durchschnitt wird auf einer Runde 400 bis 500 Umdrehungen höher sein als beim V10. Das ist ein großer Unterschied."