Schlägt in Italien die Stunde von George Russell? Die Vorzeichen auf dem Autodromo Nazionale die Monza könnten für den Briten kaum besser stehen. Im zweiten Freien Training setzte Russell die Bestzeit und ließ Charles Leclerc sowie Teamkollege Kimi Antonelli hinter sich. "Ich fühle mich seit der Sommerpause viel besser und hoffe, diesen Schwung mitnehmen zu können. Das Ziel ist ganz klar der Sieg", gab sich der Mercedes-Pilot kampfbereit.

Ein Blick auf die Daten zeigt: Russell ist auf den Geraden der schnellste Mann im Formel 1-Feld. Die hohe Endgeschwindigkeit nimmt er mühelos durch Kurve 3 und den gesamten zweiten Sektor mit. Antonelli verliert hingegen bereits in der Variante del Rettifilo etwas den Anschluss an seinen Teamkollegen und ist durchwegs mit weniger Topspeed unterwegs - zeigt sich dafür aber in der Parabolica extrem stark.

Unterschiedliche Trainingsprogramme bei F1-Team

Die Abläufe in den beiden Mercedes-Garagen wichen am Freitag stark voneinander ab. Während Russell das Standardprogramm abspulte und die Ingenieure wegen des guten Gripniveaus bereits zu Beginn von FP2 die Flügelsteilheit am W17 reduzierten, lag der Fokus bei Kimi Antonelli hauptsächlich auf der Rennabstimmung. "Der heutige Tag verlief etwas anders als ein üblicher Freitag. Da wir vom Ende des Feldes starten, haben wir uns heute stärker darauf konzentriert, unsere Rennpace zu optimieren", erklärte der Italiener.

Ihm ist bewusst: "Wenn wir uns wieder nach vorne kämpfen wollen, müssen wir am Sonntag viele Überholmanöver zeigen. Auf unseren Longruns konnten wir diesbezüglich schon wertvolle Erkenntnisse sammeln, die sich im Rennen hoffentlich als sehr nützlich erweisen werden." Der WM-Leader beeindruckte auf seinem Longrun mit den harten Reifen durch bestechende Konstanz und führte das Tableau selbst mit 23 Runden alten Pneus an.

Italien GP 2026: Alonso tippt auf Antonelli-Podium

Trotz der Strafversetzung wird Antonelli von der Konkurrenz keineswegs abgeschrieben – Fernando Alonso tippt sogar auf ein Podest. "Wenn Fernandos Wette aufgeht, dann wären wir natürlich sehr glücklich", schmunzelte der stellvertretende Mercedes-Teamchef Bradley Lord. Realistischer sei jedoch ein Resultat in den vorderen Punkterängen.

"Wir haben in Ungarn gesehen, wie sich George nach den Problemen am Start effektiv wieder nach vorne kämpfen konnte. Eine präzise Vorhersage ist jedoch schwierig, weil keiner weiß, wie sich das Rennen entwickelt. In den letzten Rennen hatten wir etwas Pech mit Virtual Safety Cars - vielleicht wendet sich das Blatt diesmal."

In diesem Artikel analysiert mein Kollege Markus Steinrisser George Russells Taktik-Vorteil gegen Ferrari & McLaren.

Auf Glück will sich Antonelli nicht verlassen. Stattdessen nutzte er das Freitagstraining gezielt, um Vorbereitungen für seine Überholmanöver zu treffen. "Ich bin hinter anderen Autos hergefahren, um den Unterschied zu sehen. Das Überholen sollte dieses Jahr einfacher sein, weil man mit dem Energiemanagement viel variabler agieren kann." Im Qualifying wird Antonelli primär die des Schützenhelfers einnehmen.

"Wir haben bereits in Zandvoort eine sehr gute Teamarbeit gesehen. Es gibt keinen Grund, an diesem Wochenende in Monza etwas anderes zu erwarten", betonte Lord. Bereits in FP1 übte sich das Mercedes-Duo in Windschattenspiele. Uneinig sind sich die beiden Piloten lediglich über das Ausmaß des Windschatten-Effekts (Tow-Effekt) auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke.

"Er ist nicht mehr so wirkungsvoll wie in früheren Jahren", meint George Russell. Antonelli hingegen zeigt sich überzeugt: "Ich habe George gezogen, um eine Referenz zu haben, und es schien ganz gut zu funktionieren. Ich denke, wir werden im Qualifying viele Autos extrem nah beieinander fahren sehen."

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