Audis Einstieg in die Formel 1 wurde schon in der Vorbereitung von viel Kritik begleitet, da die wirtschaftliche Lage der Automobilmarke seit Jahren als kritisch gilt und diese gemeinsam mit der restlichen Volkswagen AG mehrfach aufgrund von Stellenabbauten in die Schlagzeilen geriet. Da passt ein Prestige-Projekt wie die Königsklasse in der Außenwahrnehmung nicht unbedingt ins Bild.

Etwas Druck baute Audi dadurch ab, dass man etwa ein Drittel des F1-Teams 2024 an den katarischen Staatsfonds QIA verkaufte. Inzwischen ist man in der Formel 1 unterwegs, aber der wirtschaftliche Druck auf den VW-Konzern ist nach wie vor ein akutes und öffentlichkeitswirksames Thema.

Interessenten für Formel-1-Teamanteile stehen Schlange

Gleichzeitig wächst der Wert für F1-Rennställe nach wie vor. Audi-CEO Gernot Döllner stellte am Rande des Madrid-GPs klar, dass im Moment kurzfristig kein Anteilsverkauf angedacht sei, eine Absage wollte er dem Gedanken aber nicht erteilen. "Das Konstrukt, das wir mit der Beteiligung von Katar und uns als Mehrheitseigentümer angelegt haben, gibt das her. Aber wir haben im Moment keine Notwendigkeit, übereilt zu agieren", so Döllner.

Sollte es zu einer weiteren Veräußerung von Anteilen kommen, wäre das ein längerfristiger und wohl überlegter Prozess: "Wenn, dann machen wir das mit einer sehr sauberen und angemessenen Vorlaufzeit in einem strukturierten Verfahren." Das F1-Team aus Hinwil wird aktuell auf einen Wert von etwa zwei Milliarden Euro geschätzt. Zum Vergleich: Als die geplante 74-prozentige Mehrheitsübernahme von Sauber 2022 angekündigt wurde, war von etwa 500 Millionen Euro die Rede.

Strecken-Debakel & Überhol-Farce: Madrid schlimmer als Monaco? (49:50 Min.)

Doch aktuell stehen nach wie vor die Interessenten für einen Einstieg als Teilhaber in der Formel 1 Schlange, wie auch Döllner betont: "Das Interesse ist sehr groß, das kann ich sagen. Aber wir werden uns einem sehr strukturierten Verfahren unterwerfen, wenn wir so einen Schritt gehen."

Konkret geht es dabei wohl nur um jene Anteile, die zwischen dem Drittel der Kataris und der goldenen 50-Prozent-Marke liegen. Denn Döllner versichert, dass es "unvorstellbar" sei, dass man irgendwann nicht mehr die Mehrheit am Team halte. "Das eine sind Anteile, das andere ist eben die Frage der Management Control und man kann nicht Formel 1 mit einem demokratischen Führungsprozess machen. Das geht nicht."

Das Risiko in so einem Fall wäre wohl, dass die Entscheidungswege zu umständlich werden würden und dadurch die Flexibilität und die Agilität leiden. Deshalb sei es wichtig, dass immer ein klares Führungsteam die Fäden in der Hand hält: "Man braucht Vertrauen bei den Partnern, dass die sagen, ihr setzt ein Management-Team ein, das diesen Rennstall führt und wir kümmern uns gemeinsam in den Aufsichtsratsgremien um die wirtschaftliche Begleitung dieses Prozesses. Es muss ein Führungsteam da sein, das nicht jeden Schritt mit den Anteilseignern abstimmt."

Dabei ist aber unklar, ob diese potenziellen Anteilsdeals nur das Formel-1-Team betreffen oder ob man sich über diese eventuell auch für die Motorenschmiede Geld beschaffen möchte. Im Falle von Katar wurden nur Teamanteile veräußert. Audi Formula Racing, wie offiziell das Werk in Neuburg heißt, ist nicht betroffen und befindet sich noch vollumfänglich im Eigenbesitz.

Döllner bezog in Madrid auch Stellung zu Audis Position in den Diskussionen zur Zukunft der Formel-1-Motoren. Er zeigte sich dabei offen und zog nur eine rote Linie. Was diese ist, könnt ihr hier nachlesen:

Gernot Döllner: Audi F1 erreichte Break-even-Point noch in den 2020ern

Grundsätzlich ist die Formel 1 seit der Einführung der Budgetdeckelung 2021 ein Geschäftsmodell, das Erträge abwerfen kann. Davor war sie eine Geldverbrennungsmaschine ohne fixes Kostenlimit, in der es schon das höchste der Gefühle war, überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Ambitionen, zu einem Topteam zu werden, wie es Audi bis 2030 plant, wären dann nur in einem auch finanziellen direkten Wettstreit mit den alteingesessenen Mannschaften zu verwirklichen gewesen, der pro Saison ein Vielfaches der aktuellen Budgets verschlingt.

Dazu kommen natürlich die immer noch horrenden Aufbaukosten, die sich erst nach Jahren amortisieren. Mit diesen zahlt Audi bei der Führung des Formel-1-Teams auch im Moment noch drauf, das soll sich aber in den nächsten Jahren schon ändern. "Wir haben das Projekt so aufgestellt, dass es wirklich einen Business Case mit einer soliden Finanzierung darstellt, […] der noch in diesem Jahrzehnt den Break-even erreichen wird, sodass wir zu unserem Plan stehen und den sehr konsequent weiter vorantreiben", spricht Döllner.

Dieser Plan besteht sportlich aus drei Stufen: Jetzt als "Challenger" lernen, ab 2028 als "Competitor" regelmäßig um Podien kämpfen und 2030 als Ziel dieses Vierjahresprogrammes um die Weltmeisterschaft kämpfen. Doch auch falls man mit diesem Plan in Rückstand gerät, gäbe es "keinerlei Diskussionen" über einen Verbleib, verspricht der Audi-Boss. Er verwies darauf, dass man bereits vor dem Einstieg 2022 und dann bei seiner Übernahme der Führung 2024 sehr gründliche Diskussionen geführt habe. "Den Plan, den wir dort aufgestellt haben, und dann ab 2024 implementiert haben, dem folgen wir unverändert."