Der schwere Unfall von Charles Leclerc bei der Formel 1 in Monza kam nicht nur aus emotionaler Sicht beim Heimrennen der Scuderia zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt, sondern auch mit Blick auf das Motorenkontingent. Denn erst beim Italien-GP hatten die Roten eine neue ADUO-Ausbaustufe ihres Antriebs mitgebracht. Deshalb stellte sich seit Leclercs Abflug in Parabolica die Frage nach dem Wohlergehen der Power Unit, die in Madrid noch niemand von der Scuderia beantworten konnte oder wollte.

Das 'Worst-Case-Szenario' konnte aber offenbar vermieden werden, wie der italienische Ableger von Motorsport.com berichtet. Demnach hat man bei Ferrari nach einer Röntgenuntersuchung des Motors festgestellt, dass die Power Unit noch verwendbar ist. Eine genauere Möglichkeit gibt es laut dem Formel-1-Reglement nicht, die Power Units im Detail zu checken, da diese versiegelt sind und abseits von Rennwochenenden auch nicht angemacht werden dürfen.

Die Röntgenuntersuchung soll keine Anomalien an der Einheit von Leclerc festgestellt haben. Dennoch wird der Unfallmotor keine weiteren Rennen mehr bestreiten und ist nur für Trainingssessions eingeplant. So etwa beim kommenden Grand Prix in Aserbaidschan, und wenn er dort keine Probleme verursacht, noch bei weiteren Trainings an jenem Wochenende und im Laufe der restlichen Saison.

In der Formel 1 ist es gängige Praxis, Power Units, die sich dem Ende ihres Lebenszyklus zuneigen, zu reinen FP-Motoren zu degradieren, um damit die Laufleistung der kompetitiven Einheiten zu verringern.

Charles Leclerc wird wohl in Baku eine Motorstrafe kassieren

In Spanien ging Leclerc mit einer Power Unit der alten Ausbaustufe an den Start, welche sich noch in seinem Pool befand. Die Strecke wäre mit ihren praktisch nicht vorhandenen Überholstellen wohl ohnehin die denkbar schlechteste für eine Motorstrafe gewesen.

Offiziell wollte Ferrari noch nicht bestätigen, wie es nun weitergehen soll. Aber es deutet alles darauf hin, dass man diesen Tausch beim nächsten Formel-1-Wochenende in Baku nachholen wird. Teamchef Fred Vasseur meinte in Madrid gegenüber dem französischen TV-Sender Canal+: "Wir werden sehen, wo wir eine Motorstrafe bei Charles nehmen werden, aber ich denke, Baku könnte gut gehen."

Es wäre die erste Motorstrafe für den Ferrari-Piloten in dieser Saison, der aktuell bei allen Komponenten das Limit ausgeschöpft hat. Demnach würde er für den Tausch einer einzelnen Komponente, etwa des Verbrenners, automatisch 10 Startplätze zurückversetzt werden. Somit wäre es nur logisch, gleich das komplette Paket zu wechseln und damit Leclerc vom Ende des Feldes in den Grand Prix zu schicken.

Baku ist auf dem Papier eine sehr gute Strecke für einen Motorwechsel. Denn der Straßenkurs am Kaspischen Meer verfügt über mehrere lange Geraden, allen voran über das zwei Kilometer andauernde Vollgasstück zwischen Kurve 16 und Kurve 1. Überholen ist also um Welten einfacher als zuletzt in Madrid oder auch als beim darauffolgenden Rennen in Singapur.

Wie sieht der verbleibende Formel-1-Kalender für diese Saison aus? Hier findet ihr ihn in der Übersicht: