Ihrem Enkel nach zu urteilen, dürfte Oma Antonelli keine gemächliche Autofahrerin sein. Trotzdem fühlte sich Kimi beim Formel-1-Rennen in Baku mit ihrem Tempo äußerst unwohl. Bei seiner Aufholjagd fuhr er vorsichtig und wartete lieber ab, anstatt sich mit vollem Risiko durchs Mittelfeld zu kämpfen. Direkt nach dem Aserbaidschan-GP haderte er deshalb mit seiner Leistung. Wenige Tage später kann er seine Lehren aus dem schlechtesten Renn-Finish seiner Saison – ausgenommen Ausfälle – ziehen.
"Ich glaube nicht, dass der Kimi von vor einem Jahr das geschafft hätte", ist sich Antonelli am Donnerstag in Malaysia sicher. "Es war eines dieser Rennen, bei denen du akzeptieren musstest, dass du nicht am Limit fahren kannst. Ja, ich bin unter dem Limit gefahren." Eigentlich geht es gegen die Natur eines Formel-1-Fahrers, seinen Boliden nicht an der Grenze des Möglichen zu bewegen. Doch genau diese Hasenfußtaktik brachte Antonelli von Platz 16 auf Platz fünf vor und damit gute WM-Punkte ein.
"Ich muss damit zufrieden sein. Es hätte viel schlimmer sein können, es hätte ein Ausfall sein können", ist sich der WM-Favorit der prekären Lage, in der er sich befindet, bewusst. Mit 66 Punkten Vorsprung auf George Russell hat er zwar ein Polster, komfortabel ist dieses aber nicht. Große Fehler, wie der Qualifying-Crash in Baku, darf er sich nicht mehr oft erlauben. "Rückblickend war es ein viel besseres Rennen, als ich direkt danach gedacht habe. Die Punkte können den Unterschied am Ende der Saison machen", weiß Antonelli.
Flashbacks zu 2025: Darum fühlte sich Antonelli in Baku zurückversetzt
Bei all der Vernunft hielt sich der Spaßfaktor in Grenzen. "Ich mag es nicht, unter dem Limit zu fahren. Da komme ich mir so langsam vor", meint Antonelli, der durch die Altstadt von Baku einen Topspeed von 346 km/h verzeichnete. Die bewusste Entscheidung, auf Nummer sicher zu gehen, fiel dem 20-Jährigen nicht leicht, war aber notwendig: "Ich hatte kein Selbstvertrauen, um 100 Prozent pushen zu können. Ich wollte keine Fehler machen."
Antonelli fühlte sich, als hätte man die Uhr um ein Jahr zurückgestellt. Die Formel-1-Saison 2025 war zwischenzeitlich keine schöne Erfahrung für den damaligen Rookie. Vor allem im Sommer häuften sich die selbstverschuldeten Crashs und Fahrfehler, was dem Jugendlichen viel Kritik einbrachte und zu einem mentalen Tief führte.
"Ich kann mich immer noch an Monza 2024 und an die schwere Zeit danach erinnern. Ich hatte das Gefühl, dass ich mir keine Fehler erlauben darf. Ich wusste oft nicht mehr weiter", klagt Antonelli beim Auftakt des Bahrain-GP. In Baku fühlte er sich genau in diese Krise zurückversetzt: "Es war nicht ganz das Gleiche, weil es dieses Mal eine bewusste Entscheidung war, aber es war ähnlich. Ich konnte nicht pushen, weil ich kein Vertrauen in mich selbst hatte."
Antonellis "Oma-Fahrt" in Baku wird zur Lehrstunde
Bekanntlich soll es manchmal helfen, sich seinen Unsicherheiten direkt zu stellen, damit man sie besser verarbeiten kann. Das scheint auch Antonelli so erlebt zu haben: "In diesem Rennen habe ich viel über mich gelernt", zieht er eine hoffnungsvolle Bilanz nach dem ersten Grand Prix des Jahres, den er nicht auf den Podiumsplätzen beendete. "Wie ich denke, wie ich auf manche Sachen reagiere. Ich bin es gewohnt, einfach immer zu pushen."
In Baku war allerdings ein Umdenken nötig: "Ich musste mir das erste Mal sagen: 'Geh so wenig Risiko wie möglich ein und profitiere einfach von den Fehlern anderer. Fahr nur sicher über die Ziellinie.' Am Ende war es ein unruhiges Wochenende, an dem alles schiefging. Da willst du einfach das Rennen beenden, ein zufriedenstellendes Resultat mitnehmen und dich auf den nächsten Grand Prix konzentrieren."
Das nächste Wochenende steht schon vor der Tür: Beim Bahrain-GP in Malaysia trifft Antonelli auf eine Strecke, die er und ein Großteil des aktiven Formel-1-Felds nicht kennen. "Ich habe gerade den Streckenrundgang gemacht. Das ist der raueste Asphalt, den ich je gesehen habe. Vielleicht sehen wir im Rennen zwei oder drei Stopps, weil es auch so heiß ist. Es wird interessant", lautet sein Fazit zum Sepang International Circuit. Ein Indiz dafür, dass Antonellis erste Ausfahrt in Malaysia sehr erfolgreich werden könnte, ist, dass Mercedes endlich das heiß ersehnte Update-Paket im Gepäck hat. Alle Details dazu gibt es hier:



diese Formel 1 Nachricht