Flavio Briatore ist keiner, der seinen Ärger runterschluckt. Entsprechend musste sich Franco Colapinto einiges anhören, als er beim Großen Preis von Aserbaidschan seinen Alpine-Teamkollegen Pierre Gasly abräumte. Nachdem Briatore seiner Wut Luft gemacht hatte, glätteten sich die Wogen zwischen dem Formel 1-Fahrer und Alpines Exekutivberater jedoch schnell wieder.

"Man kann nichts mehr daran ändern. Ich war verärgert, ja - wie wohl jeder im Team, einschließlich Franco wegen seines Fehlers. Aber das gehört der Vergangenheit an", erklärte Briatore am Freitag in der FIA-Pressekonferenz zum Bahrain GP in Malaysia. Direkt nach dem Rennen am Sonntag in Baku hatte er noch angedeutet, dass das Team eine interne Strafe gegen Colapinto prüfe. Ob diese ausgesprochen wurde, ließ Briatore offen: "Was auch immer wir tun, bleibt teamintern."

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Briatore verärgert wegen Arvid Lindblad

Konsequenzen hat der Fehler für Colapinto dennoch: Die Stewards belegten ihn für den Bahrain GP mit einer Startplatzstrafe von fünf Positionen. Während Briatore diese Sanktion akzeptiert, kritisiert er die fehlende Strafe für Arvid Lindblad bei einer aus seiner Sicht identischen Szene: "Wir haben es verdient, bestraft zu werden. Aber ich verstehe nicht, warum Racing Bulls straffrei ausging. Lindblad hat genau dasselbe mit Lawson gemacht. Warum wurden wir bestraft und Lindblad nicht?"

Flavio Briatore bezog sich dabei auf die Szene beim ersten Safety-Car-Neustart in Baku. Wenige Meter hinter dem Alpine-Crash knallte es auch bei den Racing Bulls: Lindblad verschätzte sich, bremste zu spät und scheiterte beim Versuch, sich zwischen Esteban Ocon und seinen Teamkollegen Liam Lawson zu zwängen. Die Stewards untersuchten beide Vorfälle auf Verstöße gegen Anhang L, Kapitel IV, Artikel 2 d) des Internationalen Sportgesetzes der FIA, bestraften jedoch nur Colapinto.

Rennsperre für Colapinto gefordert! Danner: 100 % seine Schuld, aber... (34:53 Min.)

Zwei Kollisionen, zwei unterschiedliche Urteilsbegründungen

"Colapinto bremste zu spät und fuhr mit einer Geschwindigkeit auf der Innenseite ein, die ein kontrolliertes Durchfahren der Kurve unmöglich machte. Er schoss über die Linie hinaus und kollidierte mit der linken Seite von Gasly, der daraufhin Norris traf. Beide Alpine-Fahrzeuge schieden aus. Die Rennkommissare kamen zu dem Schluss, dass die Schuld ganz oder überwiegend bei Colapinto lag", hieß es in der offiziellen Begründung.

Im Fall von Lindblad argumentierten die Stewards hingegen mit einem Harmonika-Effekt: Durch den Unfall der Alpines direkt vor ihm habe sich das Feld zusammengestaucht, sodass Lindblad nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte. "Nach Prüfung der Positionierung und Bewegung der beteiligten Fahrzeuge kamen die Rennkommissare zu dem Schluss, dass der Kontakt in erster Linie das Ergebnis des eingeschränkten Platzangebots für Lindblad sowie der durch den vorausgehenden Vorfall ausgelösten Kettenreaktion war – und nicht auf einen Fehler zurückzuführen ist, für den Lindblad als ganz oder überwiegend schuldig angesehen werden könnte", so das Urteil.

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Die Rennkommissare werteten die Kollision der Racing Bulls somit als typischen Rennunfall in der ersten Kurve nach einem Neustart, bei dem keinem Fahrer die Hauptschuld zugeschrieben werden kann. Ganz uneigennützig ist Briatores Forderung nach einer Strafe für Lindblad wohl nicht: Alpine kämpft mit Racing Bulls um Platz fünf in der Konstrukteurswertung. Der Abstand zwischen den beiden Teams beträgt vor dem Grand Prix in Malaysia 15 Punkte. Seit gestern ist jedoch bekannt: Lindblad startet am Sonntag vom Ende des Feldes - jedoch nicht wegen des Baku-Vorfalls, sondern wegen einer neuen Power Unit.

Wie seht ihr die Situation. Hätte auch Arvid Lindblad eine Strafe verdient, wie Flavio Briatore meint oder haben die Stewards richtig entschieden. Lasst es uns in den Kommentaren wissen.