Es ist gerade das Gesprächsthema in der Formel 1. Seit Christian Horner vor wenigen Tagen andeutete, mit dem Teamchefposten bei Ferrari zu liebäugeln, läuft die Gerüchteküche heiß. Nachdem sich bereits die Scuderia hinter Fred Vasseur gestellt hatte, taten dies beim Medientag in Malaysia auch die beiden Fahrer. Lewis Hamilton überraschte dabei mit einer Spitze gegen die Chefetage: "Es gibt auch Leute über Fred, die gehören auch dazu." All seine Kommentare könnt ihr in diesem Artikel lesen:

Eine offene Kritik an Ferrari-Präsident John Elkann und CEO Benedetto Vigna, die der in Schutz genommene Vasseur nicht gutheißt. "Es wäre ein Fehler, mit dem Finger auf jemanden oder etwas zu zeigen", kommentiert der Franzose die Aussagen seines Fahrers. Er bemüht sich um Einigkeit: "In guten Momenten gewinnen wir als Team und in schlechten Momenten leiden wir als Team. Ich will nicht auf einen einzelnen Menschen losgehen und anfangen, Feindseligkeit zu streuen. Das wäre falsch."

Vasseur beteuert, dass die Beziehung zu Vigna und Elkann hervorragend sei: "Wir haben täglichen Kontakt. Ich kann mich nicht über die Organisation beschweren." Dass man bei Ferrari ständig nach neuem Personal suche, habe nichts mit der Chefetage zu tun. "Du willst natürlich immer mehr. Mehr tun, mehr Leute rekrutieren. Das ist in unserer DNA. Das gilt für alle Teams im Starterfeld", so Vasseur.

Ferrari-Dilemma: Ist Vasseur zu schwach für Maranello? (32:06 Min.)

Vasseur verurteilt Spekulationen: Brauchen kein Gerede, sondern Stabilität

Für den Franzosen, der seit 2023 das Amt des Ferrari-Teamchefs bekleidet, ist der Verantwortliche für den ganzen Aufruhr klar: die Medien. "Wenn du die ganze Woche das Gerede und all diese Gerüchte in der Presse mitbekommst, dann kannst du als Team nicht in Ruhe arbeiten", kritisiert Vasseur. Darum sah sich die Scuderia gezwungen, am Dienstag eine spontane Pressekonferenz einzuberufen, bei der ihm der Rücken gestärkt wurde.

"Sonst wäre es diese Woche nur das Gleiche gewesen", ist sich der Teamchef sicher. Gerade in der schwierigen Lage, in der sich Ferrari derzeit befindet, ist diese Aufregung nicht hilfreich. Der erfolgreichste Rennstall der Formel 1 hat den Anschluss an Mercedes komplett verloren, auch Red Bull und McLaren sind teilweise außer Reichweite. Ihren letzten Podestplatz holten die Roten vor der Sommerpause in Belgien.

Hauptproblem ist der Motor, der schon zweimal ausgebaut wurde und damit in dieser Saison keine Updates mehr bekommt. Das Leistungsdefizit gegenüber der Konkurrenz ist enorm. Hamilton schätzt einen Verlust zwischen vier und teils sechs Zehnteln auf den Geraden. Dazu scheint auch der Chassis-Vorteil, den der SF-26 zu Saisonbeginn hatte, im Entwicklungsrennen verloren gegangen zu sein. "Wir brauchen jetzt Stabilität und Gelassenheit im Team. Was wir nicht brauchen, sind ständige Gerüchte", so Vasseur.

Medien für Ferrari-Gerüchte verantwortlich? "Angriffe sind manchmal zu persönlich"

Es ist nicht das erste Mal, dass Vasseur im Mittelpunkt von Abgangsspekulationen steht. Den Gerüchte-Überschlag mit Christian Horner gab es schon letztes Jahr in den italienischen Medien, als Horner noch bei Red Bull war. Über die Ablösung keines anderen aktiven Teamchefs wird in der Presse so häufig spekuliert wie über die von Vasseur. Auch wenn das konstante Gerede um seine Person ihn nervt, weiß er, dass es zum Teamchef-Dasein dazugehört.

"Wenn du diese Position annimmst, dann nimmst du auch die guten und schlechten Seiten an. Ich habe so etwas erwartet. Aber manchmal sind die Angriffe ein bisschen persönlich. Das ist nicht gut. Wir brauchen freundlichere Medien", scherzt Vasseur am Freitag in Sepang. Und auch wenn er manche Aussagen seiner Fahrer nicht befürwortet, ist er für ihre Unterstützung dankbar: "Es ist die richtige Haltung, dass sie ihren Teamchef verteidigen. Ich verteidige sie auch, wenn wir straucheln."

"Wir hatten einen guten Start, aber Probleme in den letzten Rennen", gesteht Vasseur. "Wir hoffen, dass wir bald mit mehr Entwicklungen zurück zur Pace finden werden." Beim aktuellen Grand Prix in Malaysia präsentierte sich Ferrari bisher gut. Charles Leclerc fuhr im zweiten Freien Training die Bestzeit. Doch dass die Scuderia diese Performance aufrechterhalten kann, ist anzuzweifeln. Es wäre nicht das erste Mal in dieser Saison, dass ein Trainingstag positiv ausgeht, nur damit Ferrari danach wieder alles verliert. Den ganzen Bericht zum FP2 gibt es hier: