"Als ich gesehen habe, dass ihr auf Trockenreifen startet, war ich fassungslos …" Dieser Satz, den genauso gut ein Ferrari-Fan hätte äußern können, fiel nach dem Formel 1-Zieldurchlauf tatsächlich von Sieger Max Verstappen gegenüber Lewis Hamilton - und hielt schonungslos den Strategie-Fehlgriff der Scuderia beim Bahrain GP in Malaysia fest.
Ähnlich ging es Lewis Hamilton: "Als wir am Ende der Boxengasse standen und die beiden anderen ihre Heizdecken abnahmen und auf Intermediates waren, wussten wir, dass wir in Schwierigkeiten steckten." Während Polesetter Max Verstappen und die Mercedes-Piloten auf Regenreifen setzten, schickte Ferrari den Briten auf Slicks ins Rennen. Die Quittung folgte stehenden Fußes: Hamilton fiel vom zweiten Startplatz bis ans Ende des Feldes zurück - und das, obwohl er vor dem Start eigenhändig auf den Intermediate gedrängt hatte.
F1-Rekordchampion mit Poker auf abtrocknender Strecke
"Wir haben lange darüber debattiert, welche Reifen wir aufziehen sollten", erklärte Hamilton. "Ich sagte dem Team: Schaut euch die Gischt auf den Runden in die Startaufstellung an. Selbst in der Boxengasse war der Boden noch klatschnass. Doch an der Kommandobrücke hieß es, die Strecke werde extrem schnell abtrocknen und wir seien vielleicht schon im Crossover-Fenster." Doch selbst nach dem Rennen und Zeit zum Reflektieren, sah Fred Vasseur den Fehler nicht zu 100% ein.
"Über die Reifenwahl kann man lange diskutieren. 50 Prozent der Autos entschieden sich für Slicks, 50 Prozent für Intermediates - aus der Boxengasse hat man nicht das Gesamtbild der Strecke, und es ist nicht einfach zu verstehen, wie die exakte Situation ist", erklärte der Ferrari-Teamchef im Interview mit Sky. Tatsächlich verkalkulierten sich mehrere Teams bei der Streckenentwicklung. Um den Fehler bei Hamilton zu korrigieren, rief die Ferrari-Kommandobrücke ihn in Runde fünf zum Reifenwechsel an die Box.
Doch Hamilton verweigerte den Stopp, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Minute hinter der Spitze lag. Die Entscheidung zahlte sich aus: Die abtrocknende Strecke und eine Safety-Car-Phase, ausgelöst durch einen Dreher von Valtteri Bottas im Cadillac ins Kiesbett, brachten ihn wieder ins Spiel. Hamilton kämpfte sich mit einem extrem langen Stint auf dem Soft von Rang 16 bis in die Spitzengruppe nach vorne. Als er nach dem Rennen auf das Risiko und die Ferrari-Strategie angesprochen wurde, scherzte der Brite: "Ja also, ins Casino gehe ich mit den Jungs auf keinen Fall."
Hamilton in Malaysia: Erst Medium-Sorgen, dann starkes Finale
Erst in Runde 31 steuerte Hamilton für frische Reifen die Box an – zum Vergleich: Teamkollege Charles Leclerc hatte in Runde 28 bereits seinen dritten Stopp im Bahrain GP absolviert. Da Hamilton jedoch nicht auf Intermediates gestartet war, griff für ihn nicht die freie Reifenwahl bei den Trockenmischungen, weshalb er den Medium-Reifen aufziehen musste. Auf dieser Mischung tat sich der Ferrari-Pilot sichtbar schwer. Eine späte Safety-Car-Phase nutzte das Team schließlich, um ihn wieder auf den bevorzugten Soft-Reifen zu setzen.
Nach dem Ausfall von George Russell in Runde 50 brachte ihn ein starkes Überholmanöver gegen den eigentlich schnelleren Isack Hadjar im Red Bull schließlich auf den dritten Rang. Charles Leclerc, den Ferrari in der Anfangsphase auf Intermediates umgestellt hatte, brauchte deutlich länger als Hamilton, um sich durch das Feld nach vorne zu kämpfen. Vor der letzten Safety-Car-Phase lag er rund 15 Sekunden zurück, beendete das Rennen dann direkt hinter Hamilton auf dem vierten Platz.
Software-Bug am Start: Vasseur wiegelt ab – FIA bestätigt Einheits-Problem
"Insgesamt ist es ein gutes Ergebnis. Wenn man bedenkt, dass wir in der ersten Runde auf den Plätzen 21 und 22 lagen, ist das eine sehr starke Leistung", lobte Vasseur die Teamleistung, übertrieb bezüglich des Rückstands seiner Fahrer zu Beginn jedoch leicht. Doch nicht nur die Reifenstrategie rückte Ferrari am Sonntag in den Fokus, sondern auch das chaotische Startprozedere, das gleich drei Autos mit Ferrari-Power auslöste: Hamilton blieb auf der Start-Ziel-Geraden stehen, genauso wie Haas-Pilot Esteban Ocon und Cadillac-Fahrer Valtteri Bottas.
Schnell kam der Verdacht auf, dass ausgerechnet die Ferrari-Antriebseinheit mit den besonderen Software-Einstellungen für nasses Wetter nicht zurechtkam. Eine Vermutung, die Vasseur vehement dementierte: "Es waren nicht nur Ferrari-Motoren betroffen, sondern auch Max. Bortoleto musste ebenfalls anhalten", stellte der Ferrari-Teamchef klar. Tatsächlich meldete fast das ganze Feld temporäre Leistungsprobleme. Nach dem Grand Prix bestätigte Nikolas Tombazis einen Fehler im zentral vorgegebenen FIA-Software-Protokoll.



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