Max Verstappen gehört zu den dominantesten Fahrern der Formel-1-Geschichte. Das wird besonders deutlich, wenn man einen Blick auf den Rennkalender wirft: Der viermalige Weltmeister gewann auf allen Strecken im aktuellen Plan – außer auf einer. Singapur ist der weiße Fleck auf Verstappens ansonsten vollständiger Liste.
Der Sieg im Stadtstaat glitt ihm bisher immer durch die Finger. Viermal stand der Red-Bull-Pilot bereits auf dem Podium, dreimal davon auf dem zweiten Platz, doch höher hinaus kam er nicht einmal in der Dominanzsaison 2023. Letztes Jahr war er nahe dran: Ihm fehlten nur fünf Sekunden auf Sieger George Russell. Verstappen startete den Singapur Grand Prix auch noch nie auf der Pole Position, was seine Siegchancen auf dem überholfeindlichen Straßenkurs schmälerte.
"Ich habe hier noch eine Rechnung offen", gesteht Verstappen, der am Sonntag seinen 250. GP-Start feiern wird. "Ich komme jedes Jahr hierher zurück und versuche, zu gewinnen. Aber man muss auch realistisch sein." Bisher war der Red Bull nämlich nicht dazu imstande, an der Marina Bay als Erster über die Ziellinie zu gehen. Die Streckencharakteristika kamen dem Boliden aus Milton Keynes nicht entgegen. 2026 hat sich die Situation jedoch geändert.
Max Verstappens Singapur-Statistik
| Jahr | Startplatz | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2015 | 8 | 8 |
| 2016 | 4 | 6 |
| 2017 | 2 | DNF |
| 2018 | 2 | 2 |
| 2019 | 4 | 3 |
| 2022 | 8 | 7 |
| 2023 | 11 | 5 |
| 2024 | 2 | 2 |
| 2025 | 2 | 2 |
Singapur-Schwäche überwunden? Das unterscheidet den RB22 von seinen Vorgängern
Auf dem 4,9 Kilometer langen Marina Bay Street Circuit gibt es 19 Kurven, ein Großteil davon 90-Grad-Kehren. Genau das war das Problem: Die Vorgänger des RB22 hatten in langsamen Kurven erhebliche Schwierigkeiten und neigten dadurch zu Balanceproblemen. "In den letzten Jahren waren wir bei geringer Geschwindigkeit immer sehr schlecht", weiß auch Verstappen. Was Red Bull mit gutem Topspeed auf den vier Geraden herausholte, büßte das Team in den Kurven wieder ein.
Doch der RB22 ist nicht wie seine Vorgänger. Das große Baku-Update mit einem neuen Unterboden, der das Endprodukt einer langen Entwicklungsphase ist, hat den Bullen speziell in den Gebieten verbessert, in denen er ohnehin schon stark war. Gerade auf eine Kurve hinbremsen, erst dann einlenken und gerade wieder hinausbeschleunigen – das gefällt dem RB22 hervorragend. Und genau das bekommt er in Singapur zum Großteil serviert.
"Wenn ich mir die Autoperformance über die ganze Saison anschaue, sehe ich keinen Grund, warum wir auf einer Strecke wie dieser nicht konkurrenzfähig sein sollten", strotzt Isack Hadjar vor Überzeugung. "Besonders, wenn man sich die letzten zwei Runden ansieht. Das sind zwei komplett verschiedene Strecken und auf beiden haben wir geliefert." Die Kurvencharakteristika des Stadtkurses am singapurischen Hafen ähneln denen des Baku City Circuit, auf dem Red Bull auf Augenhöhe mit Mercedes war. Nur 0,196 Sekunden fehlten Verstappen dort zum Sieg.



Das darauffolgende Rennen in Malaysia bestätigte, dass der RB22 seine Stärken nicht nur auf einem bestimmten Streckentyp ausspielen kann. Der Sepang International Circuit hat viele langgezogene Kurven – eigentlich nicht das, was der RB22 auf dem Papier mag. Doch dort war er in allen Bereichen deutlich überlegen und Verstappen gewann das erste Rennen seiner Saison. Auch beim Rennwochenende in Madrid bemerkte Hadjar, dass Verstappen im ersten Sektor mit zwei großen Schikanen sehr schnell war – auch davon gibt es in Singapur welche. "Warum hier nicht auch?", fragt sich der Franzose daher.
Verstappen warnt trotz RB22-Fortschritten: Singapurs Bodenwellen als Stolperstein?
Singapur wird also die Feuerprobe für den neuen RB22. "Die Updates werden funktionieren, aber manchmal sind Strecken von Natur aus besser für uns als andere", dämpft Verstappen die Erwartungen. Die jüngsten Erfolge sind für ihn noch keine Garantie für ein gutes Ergebnis in Singapur: "Wir haben immer noch unsere Einschränkungen. Das hier ist ein anderes Extrem für mich als Baku oder Malaysia. Ich weiß, dass einige Autos auch sehr gut in langsamen Kurven sind, besonders auf Straßenkursen. Ich hoffe einfach, dass wir ein bisschen konkurrenzfähiger sind als die letzten Jahre und ums Podium kämpfen."
Eine Einschränkung des RB22, die in Singapur zum Stolperstein werden könnte, ist die Abneigung gegen Unebenheiten. "Eine unebene Strecke kann das Auto aus der Fassung bringen", weiß Hadjar über seinen Dienstwagen. Beim Überfahren von Bodenwellen kann der Red-Bull-Bolide in der Kurvenmitte schnell aus der Balance geraten. Oft beschwerte sich Verstappen am Funk über einen RB22, der "wie ein verdammtes Känguru" hüpft. Allerdings ist der Straßenkurs in Singapur für seine zahlreichen Bodenwellen bekannt.
"Das Wichtigste ist, dass wir gleich eine gute Balance mit dem Auto finden", setzt Verstappen die Ziele für das Training. "Das wird uns am Wochenende viel helfen, denn es wird hektisch werden." Im Stadtstaat wird nämlich zum ersten Mal ein Sprint-Wochenende gefahren. Damit bleibt nur eine Trainingseinheit, um den zickigen RB22 optimal einzustellen.
Jedoch scheint das Baku-Update auch das nutzbare Arbeitsfenster verbessert zu haben. "Alles wirkt mehr in Kontrolle", beschreibt Hadjar den Unterschied, den er seit seiner verletzungsbedingten Pause von drei Rennen bemerkt. "Jede Änderung am Setup macht Sinn, egal ob es in die richtige oder in die falsche Richtung geht. Wir verstehen das Auto viel besser. Seit dem Update ist der Prozess viel besser. Es wird noch Performance-Schwankungen geben, aber nicht mehr so schlimm wie davor. Ich hoffe auf das Beste." Ob sich seine Hoffnung erfüllt, wird sich im morgigen ersten Training und Sprint-Qualifying zeigen. Wo und wann das live übertragen wird, erfahrt ihr hier:



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