Der Bahrain-GP, der wegen des Iran-Kriegs in Malaysia stattfand, und der Singapur-GP liegen näher zusammen als alle anderen Rennen in diesem Jahr. Der Stadtstaat befindet sich nur etwa fünf Autostunden von Kuala Lumpur entfernt. Deshalb fiel die Anreise für die meisten Formel-1-Fahrer kurz aus: Max Verstappen nahm seinen Privatjet, andere Piloten flogen in Gruppen, manche mit Linienflügen. Pierre Gasly wiederum entschied sich für einen Roadtrip. Valtteri Bottas entschied sich, die Strecke mit dem Rad zurückzulegen – in vier Tagen.

Das klingt jetzt verrückt, ist es auch ein bisschen, aber für den Finnen keine große Herausforderung. Radfahren ist seine große Leidenschaft neben der Formel 1. Er nahm bereits mehrmals an offiziellen Rennen wie zum Beispiel der Gravel-WM in Belgien teil. Daher ist es auch keine Überraschung, dass sich Bottas nicht an asphaltierte Straßen hielt, sondern quer durch den Dschungel Malaysias düste, um es rechtzeitig nach Singapur zu schaffen.

Die Idee kam ihm im Gespräch mit seiner Partnerin und Radrennfahrerin Tiffany Cromwell, wie er am Donnerstag in Singapur erzählt: "Sie hat als Witz gemeint: 'Du könntest einfach mit Rad fahren, es ist nicht so weit.' Und ich dachte: Das könnte ich tatsächlich. Ich musste natürlich die Distanz, die Straßen und den Zeitplan checken. Aber dann habe ich einen fixen Plan gemacht. Dafür habe ich mich mit lokalen Gravel-Radfahrern abgesprochen." Die Distanz von am Ende insgesamt 419 Kilometern, die er mit dem Fahrrad zurücklegte, schreckte ihn nicht ein: "Das war nicht meine längste Tour."

Bottas Radtour von Sepang nach Singapur im Überblick

TagDistanzvon ... bisFahrtzeit
Sonntag56,60 kmFlughafenhotel Sepang - Port Dickson2 Stunden 8 Minuten
Montag161,91 kmPort Dickson - Muar5 Stunden 45 Minuten
Dienstag161,00 kmMuar - Kulai5 Stunden 32 Minuten
Mittwoch40,13 kmJohor Bahru - Singapur1 Stunde 39 Minuten

Kobra, Python und gespenstischer Dschungel: Das erlebte Bottas auf seiner Radtour

Der Startschuss für die Tour fiel direkt am Sonntag nach dem Bahrain-GP. Videos, die Bottas bei seiner Fahrt durch den Abreisestau an der Rennstrecke zeigten, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer auf Social Media. Der Cadillac-Fahrer nutzte die Tour nicht nur zur Vorbereitung auf die hohen Temperaturen und das damit verbundene starke Schwitzen in Singapur, sondern passte zugleich seinen Schlafrhythmus an das Nachtrennen an. Daher fuhr er jeden Tag einige Stunden in der Dunkelheit.

"Der erste Abend war stressig", gibt er zu. "Ich bin noch nie in der Nacht auf einem einspurigen Weg gefahren. Daran musste ich mich erst gewöhnen." Dass er sich durch den Dschungel kämpfte, half nicht: "Durch die Geräusche fängt dein Gehirn an, dir Tricks zu spielen. Wer weiß schon, was da draußen ist. Aber du musst einfach weiterfahren. Aber ich weiß, dass es in der Wildnis nichts gibt, was mich verletzen kann, keine Tiger oder so. Zumindest war mir nichts bewusst."

Begegnungen mit der Tierwelt gab es auf der Reise aber genug: "Ich habe ein paar Schlangen gesehen, eine Kobra und eine Python. Aber die waren ganz relaxt und haben nichts gemacht. Ich bin auch einigen großen Echsen begegnet. Einmal musste ich sogar über eine drüber springen, weil ich sie erst im letzten Moment gesehen habe", erzählt Bottas. Ihm passierte nichts. Für den Notfall befand sich jedoch stets ein Begleitfahrzeug in seiner Nähe. So lax geht Cadillac dann auch nicht mit der Gesundheit seiner Fahrer um.

Reist Bottas in Zukunft öfter mit dem Fahrrad? "Warum nicht?"

"Es war ein lustiges Abenteuer. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe, weil ich so in vier Tagen so viel von Malaysia gesehen habe", fasst der Cadillac-Pilot zusammen. Er ist überzeugt, dass diese intensive Aktion direkt nach und direkt vor einem Rennwochenende seiner Performance nicht geschadet hat: "Ich hätte es nicht gemacht, wenn das der Fall gewesen wäre." Deshalb plante er für Montag und Dienstag die längsten Etappen ein. Laut Bottas' Strava-Profil legte er an beiden Tagen 161 Kilometer zurück. Am Mittwoch ließ er es mit 40 Kilometern ruhiger angehen, am Donnerstag ist Erholung angesagt.

Wird Bottas künftig häufiger auf Privatjets verzichten und stattdessen aufs Fahrrad steigen? Er schließt eine Wiederholung nicht aus: "Als ich gestern im Hotel angekommen bin, habe ich zu mir gesagt: 'Nie wieder.' Heute sehe ich das schon anders. Wenn sich die Möglichkeit in Zukunft wieder anbietet und ich fürs Rennen wieder fit bin, warum nicht?" Der Rennkalender für 2027 bietet dafür allerdings wenig Aussicht.

Im Formel-1-Fahrerlager fand Bottas keine Nachahmer. "Ich habe das genaue Gegenteil gemacht und mich nicht viel bewegt", scherzt beispielsweise Max Verstappen. Neben dem Finnen und Carlos Sainz ist zwar auch Oliver Bearman ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer, aber er hatte genug von Malaysias Wildnis. "Es ist beeindruckend, aber nach meiner Erfahrung mit der Spinne wollte ich nichts mehr Malaysia sehen", so der Haas-Pilot. Er wechselte sein Hotel in Sepang, nachdem er neben einer handflächengroßen Spinne aufgewacht war. "Ich fahre lieber in Monaco", meinte der Ferrari-Junior.

Nico Hülkenberg dürfte auf eine Wiederholung der Radtour verzichten können, wie er in Singapur scherzhaft durchblicken ließ: "Ich hätte es bevorzugt, wenn er sich am Sonntag nicht gedreht hätte und sich ein bisschen mehr auf das Rennen konzentriert hätte, anstatt auf seine Radtour. Damit hat er mir echt das Rennen vermasselt." Hülkenberg kam, kurz bevor Bottas sich im Kies vergrub, an die Box und verpasste damit die Möglichkeit, seine Reifen unter dem Safety Car zu wechseln. Wie er Audis Chancen in Singapur einschätzt, erfahrt ihr hier: