Wenn ein Fahrer ein Formel-1-Rennen vorzeitig beendet und trotzdem vor dir gewertet wird, obwohl du bis zum Schluss auf der Strecke bleibst, weißt du, dass du ein wirklich schlechtes Rennen hattest. Willkommen beim Singapur-GP von Valtteri Bottas.
Schreckliches Singapur für Bottas: Schneller mit dem Rad?
Alex Albon kam in der letzten Runde an die Box, um seinen Williams abzustellen. Er hatte seit dem Beginn des Rennens mit überhitzenden Bremsen zu kämpfen und musste nach 62 Runden die Reißleine ziehen. Trotzdem ist er in der Klassifikation vor dem Cadillac von Bottas aufgeführt. Denn im Gegensatz zu Bottas war Albon nur einmal überrundet worden. Bottas musste sowohl Sieger Max Verstappen als auch den Zweitplatzierten Charles Leclerc gleich dreimal vorbeilassen.
"Ich musste ab der zweiten Runde stärker auf das Bremsenmanagement achten", versucht der Finne seine Leistung nach dem Grand Prix im Stadtstaat zu verteidigen. Die Bremsen sind ein heikles Thema bei Cadillac und neigen gerne dazu, in Flammen aufzugehen. Doch als 263-maliger GP-Starter weiß Bottas, dass diese Ausrede nicht erklärt, warum er im Rennen zwischen zwei und sieben Sekunden pro Runde langsamer war als sein Teamkollege Sergio Perez.
"Die Bremsen stabilisierten sich irgendwann, und ich musste vorübergehend nicht mehr auf Lift and Coast zurückgreifen. Das Problem trat dann erneut auf, aber ich hatte im ersten Stint überhaupt keine Pace. Das zog sich durch das gesamte Rennen", ist auch die ehemalige Mercedes-Nummer zwei ratlos. Über eineinhalb Minuten fehlten ihm am Ende auf Perez, der auf Platz 17 nur vor Albon und Bottas ins Ziel kam. Da wäre Bottas wahrscheinlich sogar schneller gewesen, wenn er das Rennen mit dem Rad bestritten hätte.
Baku-Blamage gegen Perez: "Hatte überhaupt keine Pace"
Ein derart großer Abstand zwischen den Cadillac-Piloten ist aber nichts Neues – zumindest nicht nach diesem Triple-Header. Schon in Baku war Bottas seinem Teamkollegen maßlos unterlegen. Perez war in jeder Session schneller, im Rennen verlor Bottas innerhalb der ersten 26 Runden ganze 46 Sekunden auf den zweiten Cadillac. Vor seinem Unfall in der letzten Runde hatte Bottas einen Rückstand von über 30 Sekunden auf Perez.
Auch damals klagte Bottas über fehlende Pace und musste seine Bremsen schonen. Aber das erklärt nicht, warum seine persönliche Bestzeit über eineinhalb Sekunden langsamer war als die von Perez, der allerdings als Spezialist für Baku und Stadtkurse allgemein gilt. Der Mexikaner fuhr in der aserbaidschanischen Hauptstadt ein phänomenales Rennen, holte "150 Prozent" aus seinem Cadillac heraus und wurde beim Fahrer-Ranking von der Motorsport-Magazin.com-Redaktion auch dafür geehrt. Mehr dazu lest ihr hier:
"Ganz ehrlich: Wir hatten überhaupt keine Pace. Ich konnte eigentlich nur mit Fernando kämpfen. Sicher haben wir dort etwas Zeit verloren, aber davon abgesehen waren wir einfach deutlich zu weit weg", jammerte Bottas nach dem Aserbaidschan-GP. Eine Woche später in Malaysia wurde die Situation nicht besser. Eigentlich fuhr er ein solides Wochenende und hatte Perez im Qualifying im Griff. Im Rennen machte er sich jedoch alles wieder zunichte.
Solides Malayasia endet mit Malheur – Bottas schuldeinsichtig
Bottas machte den Fehler, auf der feuchten Strecke auf dem Soft-Reifen zu starten. Da Cadillac die Strategie aufteilte und Perez auf dem Intermediate rausschickte, kann kein fairer Pace-Vergleich gezogen werden. In Runde zehn zahlte Bottas dann den Preis: Er flog ohne Zwang in Kurve 13 ab. "Ich hatte davor schon einige Momente. Der Soft-Reifen wäre immer riskant gewesen, aber am Ende war es mein Fehler. Deshalb entschuldige ich mich beim Team", war der zehnfache Rennsieger nach dem Bahrain-GP schuldeinsichtig.
Der Sepang International Circuit war jedoch immer eine schwierige Strecke für Cadillac gewesen, dem es an Aero-Effizienz und Power fehlt, um auf den Geraden wirklich kämpfen zu können. Perez wurde Letzter. Der kurvige Straßenkurs in Singapur kam dem MAC-26 schon eher entgegen, was Perez' Leistung im Vergleich zu der seines Teamkollegen zeigte.
Bottas konnte einfach nicht dieselbe Performance aus seinem Cadillac holen, obwohl er die Informationen vom Team bekam, wo Perez besser war. Doch Bottas steckte in einer Sackgasse: "Ich habe alles versucht, was ich konnte. Wenn es mir in der Kurvenmitte fehlte, konnte ich schon nachbessern. Aber dann verlor ich Zeit in anderen Abschnitten der Kurve. Es war ein seltsames Rennen. Es fühlt sich so an, als hätten wir unterperformt. Wir waren gar nicht in Top-Form." Positiv war nur, dass das Fahrgefühl besser war als bei den vorherigen Veranstaltungen.
Beide Cadillacs kommen über Ziellinie! Aber keine guten Aussichten für Austin
Eine andere gute Nachricht ist, dass beide Cadillacs in Singapur über die Ziellinie fuhren, wenn auch weit auseinander. Das gelang ihnen bislang nur bei sechs der 17 Grands Prix. Gerade auf einer Strecke wie dem Marina Bay Street Circuit, auf dem das Auto sehr gut auf der Bremse sein muss, ist das ein eindeutiger Fortschritt für den US-Rennstall.
"Das Problem [mit den Bremsen] ist fast gelöst. Wir sollten bis zum Ende des Jahres fit sein. Das Design im nächsten Jahr wird komplett anders sein", verriet Bottas. Nun bleibt ihm eine Woche, um sich von den enttäuschenden Ergebnissen zu erholen. Dann steht wieder einmal ein Höhepunkt für Cadillac an: Das Wochenende in Austin ist bereits das zweite Heimrennen für die Formel-1-Neueinsteiger, aber als Großer Preis der USA natürlich das wichtigste.
"Es gibt große Erwartungen", weiß Bottas um den Druck, der auf der General-Motors-Marke liegt. Große Erfolgschancen sieht er allerdings nicht. Der Circuit of the Americas ist für seinen Highspeed-Charakter und seine langen Geraden bekannt – nichts, was dem MAC-26 liegt. "Wir wissen, dass es schwierig wird, aber hoffentlich besser als hier", fasst Bottas zusammen.
Es ist wieder so weit. Max Verstappen hat ein siegfähiges Auto, und erinnert die Formel 1: Er war der Beste, ist der Beste, und will der Beste im Fahrer-Ranking bleiben.



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