Seit über drei Jahrzehnten ist Afrika ein weißer Fleck auf der Weltkarte der Formel 1. Das wird sich aber in wenigen Jahren ändern. Nachdem schon seit geraumer Zeit über eine Rückkehr auf den Kontinent verhandelt wurde, ist dieser nun fix. Ruanda wird erstmals in der Geschichte des afrikanischen Landes einen Grand Prix austragen.

Wie die Königsklasse am Dienstag um kurz nach 11 Uhr deutscher Zeit offiziell bekanntgab, wird ab "den frühen 2030ern" ein Rennen auf einer Rundstrecke in dem ostafrikanischen Staat ausgetragen. Der Kurs befindet sich bereits seit 2025 in der Planung und wird von Wurz Design entworfen. Dahinter steckt der ehemalige F1-Fahrer Alexander Wurz, der als Co-Kommentator bei den ORF-Übertragungen der Königsklasse, als Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA und als Berater beim WEC-Team von Toyota aktiv ist.

Rendering des Streckenentwurfs für den Ruanda Grand Prix
Das Strecken-Konzept in Ruanda, Foto: Tilke/dar/Wurz Design Rendering

Afrika-GP: Wo wird die Formel-1-Strecke in Ruanda gebaut?

Entstehen wird die Strecke in Bugesera, etwa 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali. Unweit der Strecke entsteht ebenfalls in Bugesera aktuell auch ein neuer internationaler Flughafen, der 2027 fertiggestellt werden soll. Der Deal mit Ruanda ist langfristig angelegt und geht über eine Laufzeit von zehn Jahren. Offiziell wird der GP als Afrika-GP und nicht als Ruanda-GP bezeichnet.

Die Formel 1 erhofft sich, dadurch ein bleibendes Vermächtnis in Afrika aufzubauen, das nicht nur dem Tourismus hilft und Investitionen anzieht, sondern auch "lokale Talente fördert und Chancen für Gemeinschaften und Unternehmen in der gesamten Region schafft", wie es in der Aussendung heißt. Genauere Daten zur Entwicklung der Rennstrecke, den Plänen für das Wochenende und dem Datum für den ersten Afrika-GP wurden noch keine kommuniziert.

F1-Boss Stefano Domenicali wurde bei der Verkündung folgendermaßen zitiert: "Der heutige Tag ist ein Meilenstein für die Formel 1. Mit dem Einstieg Ruandas in den Rennkalender ab dem nächsten Jahrzehnt wird unser Sport auf jedem bewohnten Kontinent vertreten sein und die Weltmeisterschaft den Fans rund um den Globus näherbringen als je zuvor."

"In Afrika leben mehr als 100 Millionen Formel-1-Fans, und diese Zahl wächst weiterhin rasant", so der Italiener weiter. Ruandas Präsident Paul Kagame fügt an: "Ruanda ist stolz, den Afrika-GP der Formel 1 auszutragen, und diesen Moment mit über 100 Millionen Fans in Afrika zu teilen, viele von ihnen junge Leute, die es verdienen, den Sport zu Hause zu sehen und sich selbst darin zu sehen: Als Ingenieure, Techniker, Unternehmer, und eines Tages als Fahrer."

Entsprechende Pläne, die Königsklasse wieder nach Afrika zu bringen, werden schon länger diskutiert. Rund um die FIA-Hauptversammlung 2024 warfen Ruanda und Südafrika ihren Hut in den Ring, ein F1-Rennen auszutragen.

1993 fand das bislang letzte Afrika-Rennen im südafrikanischen Kyalami statt. Die Strecke zwischen Pretoria und Johannesburg war jahrzehntelang das Standbein der Königsklasse auf dem Kontinent und hielt zwischen 1967 und 1993 insgesamt 20 Grands Prix ab. Zuvor war der Südafrika-GP dreimal in East London über die Bühne gegangen. Das erste Formel-1-Rennen überhaupt in Afrika gab es aber schon 1958 mit dem Marokko-GP in Ain-Diab in der Nähe von Casablanca.

Lewis Hamilton hatte sich schon lange für eine Rückkehr der Formel 1 in Afrika stark gemacht. Der Ferrari-Fahrer ging im März sogar so weit, zu sagen, dass er seine F1-Karriere nicht beenden möchte, ohne davor ein Rennen in Afrika gefahren zu sein. Um seinen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, müsste der 41-Jährige also mindestens vier Jahre weitermachen.

Was will Ruanda in der Formel 1?

Ruanda zählt gemessen an seinem HDI (Human Development Index)-Wert und an seinem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den 40 unterentwickeltsten beziehungsweise ärmsten Ländern der Welt, verfolgt aber das Ziel, sich als wirtschaftliches und logistisches Drehkreuz für den gesamten Kontinent zu etablieren und damit das "Singapur Afrikas" zu werden.

Gleichzeitig versucht der Staat, der im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarstaaten als politisch stabil gilt und seit 26 Jahren von Präsident Paul Kagame regiert wird, seit Längerem den Tourismus im eigenen Land anzukurbeln. Zu diesem Zweck tritt 'Visit Rwanda' als Sponsor bei einer Reihe von bedeutsamen europäischen Fußballclubs auf, darunter dem FC Bayern München. Sponsoring-Deals gibt es auch mit Teams in der NFL und NBA.

Gleichzeitig wird Ruanda auch schon seit Jahren über die M23-Miliz eine direkte Beteiligung am Bürgerkrieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo vorgeworfen. Die Aufständischen, die im Grenzgebiet zu Ruanda bedeutende Gebiete und mehrere Großstädte kontrollieren, sollen ihren Krieg mit dem systematischen Raub von Bodenschätzen finanzieren, lautet ein oft genannter Vorwurf.

Wie der Formel-1-Kalender für 2030 aussieht, lässt sich noch nicht abschätzen. Hier findet ihr aber auf jeden Fall schon einmal den Kalender für 2027: