Neues Formel-1-Wochenende, neue Chance für McLaren, sich aus dem Performance-Sumpf zu befreien. Doch nach den ersten zwei Trainings in Austin hört sich Lando Norris gleich an wie zuvor. "Es ist einfach schwierig. Es ist gerade unmöglich, eine Runde aufzustellen", wiederholt der Weltmeister das Mantra der letzten Wochen.
Seit der Sommerpause kämpft der amtierende Konstrukteursweltmeister mit mangelnder Performance. Das optimale Arbeitsfenster des MCL40 ist äußerst schmal, weshalb Norris und Oscar Piastri nur schwer gute Rundenzeiten aufstellen können. Das wirkt sich im Umkehrschluss in Form von schlechten Trainings, schlechten Qualifyings und schlechten Rennen aus.
So auch beim Auftakt des USA-GP: Mit den Plätzen sieben und acht im zweiten Freien Training reihen sie sich am Ende der Spitzengruppe ein. Dabei hat McLaren ein Update-Paket mit nach Austin gebracht. Neue Luftleitbleche und eine überarbeitete Aufhängungsverkleidung an der Front, modifizierte Luftleitelemente am Heck und eine neue Diffusor-Geometrie sollen die Luftströmung optimieren und für mehr Abtrieb am Unterboden sowie im Bereich der Hinterräder sorgen.
Ist McLarens Austin-Update ein Reinfall? Chefdesigner widerspricht
Bleibt das Austin-Paket also wie schon das letzte große Update in Baku hinter den Erwartungen zurück? Chefdesigner Rob Marshall widerspricht: "Es ist kein winziges Update, aber es sind kleine Teile, ein bisschen wie Tuning, die gut zu wirken scheinen. Es ist definitiv eine messbare Verbesserung und wir glauben, dass wir auch eine Verbesserung auf der Stoppuhr sehen. Wir sind ziemlich zufrieden."
Angesichts des Rückstands von einer Sekunde auf Charles Leclercs Bestzeit erscheint Marshalls Aussage zunächst fragwürdig. Doch tatsächlich ist die Performance von McLaren in Austin schwer zu beurteilen, denn am Trainingstag in Austin kam es zu zahlreichen Verstößen gegen die Streckenbegrenzungen.
Insgesamt wurden in beiden Trainings 207 Rundenzeiten gestrichen, darunter elf von Piastri und 18 von Norris. Damit ist der amtierende Weltmeister Zweiter in der Track-Limits-Verstöße-Liste. Die meisten Vergehen ereigneten sich in Kurve 12, 19 und 20. Piastri verlor dadurch eine Runde, die ihn auf Platz fünf, sechs Zehntel hinter die Bestzeit und damit auf Augenhöhe mit Lewis Hamilton gebracht hätte. Hinzu kommt, dass beide Papaya-Piloten nicht fehlerfrei unterwegs waren.
Wahre McLaren-Pace hinter Fehlern versteckt - aber doch zu langsam
Norris musste im zweiten Freien Training mehrere schnelle Runden wegen Fahrfehlern abbrechen. Einmal schoss er in der letzten Kurve über die Track Limits hinaus und verfehlte das Overtake-Mode-Schild nur knapp. Dann verlor er das Heck in Kurve acht und rutschte über die Streckengrenzen hinaus. Das dritte Mal verpasste er in Kurve 15 den Bremspunkt, seine Vorderräder blockierten er fuhr geradeaus. Schon zwei Kurven davor hatte Norris wieder mit einem unruhigen Heck zu kämpfen. Als Grund für die Probleme nannte McLaren den starken Wind in Austin.
"Es war eine konkurrenzfähige Runde, wir konnten sie nur nicht beenden", verteidigt der Chefdesigner daher. Der amtierende Weltmeister sieht ebenfalls Anzeichen für eine gute Pace, ist aber wenig optimistisch, dass er diese konstant einsetzen kann: "Ins Qualifying zu gehen und jede Runde zu performen, ist zu schwierig. Wir müssen so hart versuchen, perfekt zu sein. Aber das ist nicht realistisch. Wir sind nicht schnell genug, um mit Leichtigkeit konstant vorne mitzukämpfen."
Deshalb ordnet Norris sein Team am Ende der Top-Gruppe ein. "Wir sind einen Schritt hinter Red Bull, Ferrari und Mercedes, weil das Auto so schwer zu fahren ist", ist sich Norris, der im FP1 noch den dritten Platz belegte, sicher. Dabei gehe es ihm nicht um die Fahrbarkeit des MCL40, obwohl "die auch nicht die einfachste ist." Das Hauptproblem sei, dass es dem McLaren trotz der Aero-Updates an Speed fehlt.
Norris: Kein Trübsal blasen - wir haben einen Plan
Das soll aber nicht heißen, dass Norris den Freitag mit einem hängenden Kopf verlässt. "Wir können optimistisch sein. Es gibt kleine Dinge, die wir ändern können, um uns in eine gute Richtung zu bewegen. Nichts Verrücktes", beschreibt der Brite. Zudem zeigte McLaren auf den Longruns eine solide Rennpace, was auf dem überholfreundlichen Circuit of the Americas nützlich ist.
Ob diese kleinen Setup-Änderungen aber wirklich den theoretischen Abstand von sechs Zehnteln ausmerzen können, ist nicht sicher. "Ich weiß es nicht", ist Norris ehrlich. Er hält die Erwartungen daher niedrig und vage: "Wir werden unser Bestes geben, um das Auto in die beste Position bringen zu können, in der es sein kann."
Ein Trio in unterschiedlichen Autos setzt sich bei der Formel 1 in den USA am Freitag ab. Vom Rest des Feldes, aber auch von ihren Teamkollegen. Sind sie in Austin wirklich unschlagbar? Das erfahrt ihr in unserer Trainingsanalyse:



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