Vor wenigen Tagen hat sich Reddit-User ArchMadzs einen Spaß erlaubt und ausgerechnet, wer die Formel-1-Weltmeisterschaft anführen würde, wenn nur die Trainingssessions am Freitag gezählt würden. Das Ergebnis: Charles Leclerc liegt nach den ersten Sessions in Mexiko-Stadt mit beeindruckenden 427 Punkten in Führung, 61 Punkte vor seinem ersten Verfolger George Russell.
Die Top 5 der Formel-1-Trainingsweltmeisterschaft 2026
| Position | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Charles Leclerc | 427 |
| 2 | George Russell | 366 |
| 3 | Kimi Antonelli | 341 |
| 4 | Lewis Hamilton | 308 |
| 5 | Max Verstappen | 307 |
Gewertet wurden hierbei nur die Sessions eines normalen Freitags, also ohne Sprint-Wochenenden. Punkte werden nach dem gängigen Formel-1-Prinzip vergeben: Wer ein Training anführt, ist sozusagen der Sieger und bekommt 25 Punkte. Diese Aufstellung soll verdeutlichen, wie gut Ferrari in "wertlosen" Sessions performt und im weiteren Laufe des Wochenendes abfällt.
Denn von all diesen Bestzeiten – 11 von möglichen 26, die den Anforderungen entsprechen – konnte die Scuderia nur wenige in wirkliche Erfolge ummünzen. Dieser Trend zeichnet sich nun schon länger ab und den Aussagen aller Beteiligten nach dem Mexiko-Freitag nach zu urteilen, hat die Mannschaft selbst bereits gelernt, den Top-Ergebnissen nicht mehr zu trauen – bis auf einen.
Fred Vasseur misstraut Bestzeiten: Qualifying ist eine Herausforderung
Leclerc holte in Mexiko gleich zweimal die Bestzeit (+50 Punkte in der Trainings-WM). Im FP1 ließ er die Konkurrenz mit einem riesigen Abstand von fast sieben Zehntelsekunden hinter sich. Doch die Spitzenleistung darf nicht zu stark gewichtet werden, denn viele Top-Piloten fielen wegen Rookie-Einsätzen aus. In FP2 war das Kräfteverhältnis schon besser repräsentiert: Lando Norris fehlte nur eine Zehntel auf Leclerc.
"Es ist ein guter Start ins Wochenende, aber es ist immer noch früh. Wir haben noch einen langen Weg vor uns", scheut sich Teamchef Fred Vasseur vor Vorfreude. "Die Pace war von Anfang an gut, sowohl auf dem Longrun als auch auf eine Runde." Mit einem Augenzwinkern und einem schlecht verkniffenen Lachen fügt er hinzu: "Charles ist direkt ans Limit gegangen." Formel-1-Teams zeigen am Freitag meist nicht ihre volle Kraft, um der Konkurrenz nicht alle ihre Karten aufzudecken.
Vasseur weiß genau, dass die gute Freitagsleistung wenig Wert hat, wenn Ferrari das an den folgenden Tagen nicht wiederholen kann. Den Fahrern ist es zuletzt oft misslungen, den nötigen Sprung im letzten Qualifying-Segment zu schaffen. Der SF-26 hat Probleme, die Reifen ins richtige Arbeitsfenster zu bringen, weshalb die Scuderia immer wieder hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dieses Problem wird auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez wegen der extremen Höhenlage und dem daraus resultierenden geringen Abtrieb vervielfacht. Die Strecke auf 2.240 Metern Seehöhe gilt als eine der schwierigsten Kurse, was die Reifenpräparation angeht.
"Wir wissen, dass Qualifying eine Herausforderung ist", macht der Teamchef keinen Hehl aus der bevorstehenden Challenge. "Besonders schwer wird es in diesen Low-Downforce-Bedingungen. Aber wir sind jetzt in einem guten Spot." Vasseur ist sich jedoch auch bewusst, dass die Konkurrenz nicht schläft: "Jeder wird sich verbessern und sein Paket feintunen. Deshalb müssen wir das Beste aus unserem herausbekommen."
Hamilton hat trotz Motordefekt Hoffnung
Auch Trainingsweltmeister Charles Leclerc traut seiner Top-Leistung in Mexiko-Stadt nicht: "Unsere Performance sieht im Großen und Ganzen gut aus, aber wir müssen immer noch an unseren Einschränkungen arbeiten." Im roten Lager gibt es augenscheinlich nur einen, der nach den Trainings Hoffnung gefasst hat: Lewis Hamilton.
Ausgerechnet derjenige, der beinahe am wenigsten Trainingszeit hatte. Ein Motordefekt kostete ihn die Hälfte des FP2. "Ich weiß nicht, was kaputt gegangen ist", gibt er nach seinem Ausfall zu. Während der Session funkte er nach einer schnellen Runde, dass er keine Energie mehr habe. Nach einem kurzen Check wies ihn sein Renningenieur Carlo Santi an, sofort stehen zu bleiben. Auch Teamchef Fred Vasseur konnte nach dem Training noch keine genaueren Infos zum Defekt verraten.
Bis dahin hatten Hamiltons Rundenzeiten gut ausgesehen. Ihm fehlten nur etwa drei Zehntel auf Leclerc. "Das Auto hat sich großartig angefühlt", schildert der siebenfache Weltmeister am Freitagabend. "Wir haben tolle Setup-Änderungen vorgenommen. Mein Mittelsektor war sehr stark." Und das, obwohl Hamilton schon die ganze Session mit den Motorproblemen zu kämpfen hatte.
"Dadurch habe ich zuerst drei und später sechs Zehntel verloren", schätzt er ein. Sein Ausfall hinderte ihn daran, Longruns zu absolvieren, was ihn für das restliche Wochenende einschränkt: "Ich weiß nicht, wie sich das Auto im Renntrimm verhält. Ich muss mich an den Notizen der anderen orientieren, was den Anstellwinkel des Flügels und die Bremssettings angeht. Das wirft mich definitiv zurück."
Ferrari wieder zu langsam auf der Geraden? Hamilton hat trotzdem großes Ziel vor Augen
Dass er trotzdem in der Top-Gruppe mitfahren konnte, beweist für Hamilton, dass der SF-26 in Mexiko funktioniert: "Ich glaube, dass wir ein gutes Auto haben. Es fühlt sich an, als könnten wir um die erste Startreihe kämpfen."
Zu 100 Prozent verlässt sich aber auch Hamilton nicht auf die Trainingsleistung: "Es ist schwer zu sagen", versucht er, seinen Optimismus zu relativieren. "Ich will nichts verschreien, aber natürlich war Charles in den beiden Sessions der Schnellste. Du weißt aber nie, wie das Qualifying abläuft. Die anderen Teams machen immer einen Schritt mehr."
Die gängige Theorie, dass Ferrari in Mexiko einen Vorteil wegen des kleineren Turbos hat, unterschreibt Hamilton nicht: "Wenn du dir die Geschwindigkeiten auf den Geraden ansiehst, sind die Unterschiede zu Mercedes und Red Bull immer noch enorm. Sie sind am Ende der Geraden immer noch zwei bis drei Zehntel schneller. Da macht ein kleinerer Turbo keinen großen Unterschied."
Trotz der Defizite auf der Geraden und der Tatsache, dass Ferrari in dieser Saison schon zu oft von guten Freitagsleistungen gebrannt wurde, will Hamilton die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben: "Das Auto fühlt sich fähig an, die anderen im Qualifying zu besiegen. Ob wir in der Lage sind, das entscheidende Fünkchen herauszukitzeln, werden wir sehen."
Dass Ferrari jedoch schon Grund zur Hoffnung hat, zeigt die Trainingsanalyse. Wie die Roten gegen die Konkurrenz abschneiden, könnt ihr hier lesen:



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