In Mexiko weiß niemand in der Formel 1 so recht, womit an diesem Wochenende zu rechnen ist. Eine Strecke mehr als zwei Kilometer über dem Meeresspiegel ist ohnehin ein Spezialfall, und dass die neue 2026er-Regelgeneration damit noch nie konfrontiert wurde, macht die Lage noch undurchsichtiger. Unterschiedliche Meinungen kursieren.
Die Höhenlage bringt in Mexiko eine Reihe ungewöhnlicher Faktoren mit. Schlüssel ist in mehreren Aspekten die dünne Luft. Aerodynamisch bedeutet sie deutlich weniger Abtrieb. In der Vergangenheit fuhren die Teams hier mit gigantischen Monaco-Flügeln, aber für die Fahrer fühlt sich das in dieser Luft an, wie mit den Mini-Flügeln von Monza.
2026 gibt es jedoch aufgrund der aktiven Aerodynamik auf den Geraden diese Spezialflügel nach diesem Muster nicht mehr. Das heißt vor allem, dass noch niemand dieses Gefühl des Minimal-Abtriebs verspürt hat, und niemand weiß, welches Auto sich unter diesen Umständen am besten in den langsamen Kurvenkombinationen verhält, die diese Strecke bietet.
Hinzu kommt die Frage nach dem Ansprechverhalten der Turbos der neuen Motoren. "Das Turboloch wird für ein großer Faktor für viele Teams an diesem Wochenende", prognostiziert George Russell. "Wir sind uns noch nicht sicher, wie schwierig es wird, aber ich kann mir definitiv vorstellen, dass es nicht einfach wird."
George Russells Ferrari-Analyse für Mexiko: Anzuzweifeln?
Russell will am Donnerstag direkt Ferrari hervorheben, mit einem vermeintlich kleineren Turbo: "Sie haben diesbezüglich wohl einen ziemlichen Vorteil." Auf technischer Ebene ist Russells Folgerung aber nicht ganz korrekt. Kleinere Turbos profitieren nicht von Höhenlage, im Gegenteil. Außerdem ist Ferraris aktueller Turbo nicht mehr der kleine des Saisonstarts. Das zweite Performance-Update im Rahmen der ADUO-Zugeständnisse beinhaltete einen größeren Turbolader.
Auf Ferrari-Seite klingen beide Fahrer allerdings gar nicht pessimistisch. "Ganz ehrlich, wir kommen näher, und wir haben gutes Momentum", findet Charles Leclerc nach seinem zweiten Platz in Austin. Dort kulminierte das auf mehrere Rennen in unterschiedlichem Ausmaß verteilte Update-Programm der Scuderia in einen modifizieren Unterboden und Seitenkasten, die vom 1. Training an keine Probleme gemacht hatten.
"Ob wir Favoriten sind? Dem stimme ich nicht zu", warnt Leclerc. "Mercedes ist Favorit, egal, wo wir sind. Red Bull war zuletzt sehr stark. Aber wenn wir alles maximieren, was wir haben, dann kann es hoffentlich ein tolles Wochenende für uns werden. Wie wir gesehen haben, wird das Optimieren unseres Pakets letztendlich den größten Unterschied machen."
Lewis Hamilton hofft darauf, dass der aerodynamisch starke, aber von einem schwachen Motor zurückgehaltene Ferrari von der Höhenlage profitieren könnte: "Ich denke, das Auto sollte hier gut sein. Mit der Höhenlage ist der Topspeed hoffentlich kein so großes Problem wie auf anderen Strecken auf Seehöhe, wo der Luftwiderstand signifikant ist."
Ferraris Qualifying-Problem bleibt bestehen, McLaren sieht sich nirgends
Beide Fahrer warnen jedoch vor dem alten Ferrari-Schreckgespenst - die Reifen im Qualifying durchgehend im Arbeitsfenster zu halten. Daran scheiterten sie in Singapur, daran scheiterten sie in Austin. "Es ist so schwierig, alles ins Fenster zu bekommen, wenn es ins Qualifying geht, und wenn wir das schaffen, haben wir, denke ich, eine Chance", schätzt Leclerc. "Das ist eine Einschränkung, der wir uns bewusst sind. Ob wir sie kurzfristig lösen können, weiß ich nicht."
Wer sich nicht mit in der Verlosung wähnt, ist McLaren. "Es könnte eine Herausforderung werden, könnte Wahnsinn werden, ich weiß es nicht", meint Lando Norris, doch der Trend lässt ihn stark zweifeln: "Wenn wir schauen, wo wir letztes Wochenende so schwach waren, dann waren das die langsamen Kurven 12, 13, 15, und hier gibt es sehr viele langsame Kurven, und du hast weniger Grip, weniger Abtrieb. Nichts davon passt zu uns."
Dass der McLaren hier im Vorjahr in Norris' Händen unschlagbar war, spielt im komplett neu entwickelten MCL40 von 2026 wohl kaum eine Rolle: "Was mir so ein gutes Gefühl gab war, wie sanft ich mit dem Auto umgehen konnte. Eine starke Vorderachse, und ich konnte gewissermaßen sehr langsam fahren. Das war mein bestes Rennen letztes Jahr, aber dieses Jahr kann ich das Auto so nicht fahren, weil es so nicht gefahren werden will." Mit den Problemen der letzten Rennen und einem aktuell ohnehin äußerst schwer zu fahrenden MCL40 schwinden die McLaren-Hoffnungen.



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