Nach seinem Sieg in Austin ist Kimi Antonelli der Weltmeistertitel in Mexiko so gut wie sicher. Mehr noch als der vorzeitige Titelgewinn beeindruckt, wie stark sich der Mercedes-Youngster nach einer durchwachsenen Rookie-Saison mit einigen Höhepunkten, aber auch etlichen Schwierigkeiten gesteigert hat. Damit hat Kimi Antonelli seinen erfahreneren Formel 1-Teamkollegen George Russell überrollt.
Toto Wolff führt George Russells Probleme auf dessen Fahrstil zurück: Die früheren Ground-Effect-Autos hätten besser seinem Fahrstil gelegen, die neuen Autos lägen Antonelli mehr. "Wenn wir das Auto so hinbekommen, wie es ihm liegt, ist er absolut in Ordnung. Aber wenn es aus diesem Arbeitsfenster fällt, tut er sich schwer, und zwar mehr als vielleicht Kimi. Und das liegt an uns", stellte der Mercedes-Teamchef klar.
Erstmals in seiner F1-Karriere wird George Russell im Fahrerranking Letzter. Das komplette Fahrer-Ranking gibt's hier:
Russell-Probleme: Mercedes ist gefordert
"Wir müssen mit ihm herausarbeiten, wie es einen solchen Unterschied beim Fahren und bei der Performance geben kann, denn George ist weder eine halbe Sekunde noch drei Zehntel langsamer als Kimi. Das ist absolut nicht der Fall." Rückendeckung erhält Wolff von F1-Experte Christian Danner. Fahrstil und Set-up seien durchaus echte Gründe dafür, dass ein Fahrer in bestimmten Situationen Probleme hat.
"Die Software-Ingenieure programmieren permanent um, dazu kommt, dass sich die ganze Aero-Geschichte im Verlauf der Saison verändert - nicht nur, wie man das Ding einstellt, sondern auch wie es weiterentwickelt wird. Mercedes hat diese Saison zwei Mal nachgebessert und da kann schon etwas dabei gewesen sein, dass George überhaupt nicht schmeckt", spielte Danner auf die Updates von Mercedes beim Kanada GP und beim Bahrain GP an.
Besonders das in Bahrain eingeführte Paket soll Russell in Austin Schwierigkeiten bereitet haben, das richtige Setup für den W17 zu finden. "Als Fahrer kann man natürlich adaptiert fahren, das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt. Es ist halt so, dass das ganze Thema besser für Kimi passt als für George. Es ist jetzt an Toto und dem Team, ihm das Auto zu geben, mit dem er klarkommt", so Danner im AvD Motorsport-Magazin .
Wolff & Danner nehmen Russell vor Marko in Schutz
Wolff widersprach Dr. Helmut Marko, der gegenüber Sky behauptet hatte, Antonelli sei bei Mercedes die klare Nummer eins, während Russell "nie wieder eine Chance auf den Weltmeistertitel" haben werde. "George ist für uns alle im Team ein Champion. Er hat in jeder Kategorie gewonnen und verdient es, zu den ganz Besten gezählt zu werden. Das haben wir letztes Jahr gesehen."
Zugleich räumte Toto Wolff ein, dass es für Russell zu Saisonbeginn nicht leicht gewesen sei: Er sei als Favorit gehandelt worden, "und dann steht auf der anderen Seite der Garage dieses Wunderkind, das einem langsam den Rang abläuft". Man dürfe aber nicht vergessen, dass Russell vor allem in den Nachwuchsklassen mehrere Titel geholt habe. "Das ist alles immer noch da." Auch Danner hält es für einen Fehler, Russell schon jetzt abzuschreiben.
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Mercedes-Dynamik wird sich mit Antonelli-Titel verändern
"Ich schätze Dr. Marko sehr, aber im Fall von Russell muss ich sagen, dass er zu weit weg ist", meinte der ehemalige F1-Fahrer und fügt an: "Ich glaube nicht, dass Russell am absteigenden Ast ist und in die psychiatrische Behandlung muss. Er kommt schon wieder." Dennoch hat sich die Dynamik innerhalb von Mercedes verschoben und wird sich mit Antonellis Titelgewinn weiter verändern.
"Antonellis Stellung im Team ist definitiv gefestigt. Da braucht man nicht viel Politik machen – der macht das mit Charme und Erfolg." Für Russell gelte daher sich über den Winter neu zu sortieren, um nächstes Jahr zurückzukommen und zu beweisen, dass er wieder auf Antonellis Niveau kommen kann. "Es wäre kein guter Rat, zu gehen. Und wo soll er auch hin? Red Bull, Ferrari und McLaren sind dicht. Er hat keine Alternative", so Danner.
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