"Was zum Teufel war das denn?", wütete Ferrari-Pilot Charles Leclerc zu Hälfte des zweiten Freien Trainings in Brasilien. Auslöser dieses Funkspruchs war Formel-1-Rookie und Haas-Debütant Rafael Camara. Der Brasilianer hatte Leclerc übersehen, der auf seiner schnellen Runde in Kurve 15 rechts an ihm vorbeiziehen wollte. Leclerc ging dadurch der Platz aus. Er musste ausweichen und hatte Glück, nicht in der Mauer zu landen.

Beide Fahrer wurden nach der Session zu den Stewards zitiert. Nach eingehender Prüfung kamen diese zu dem Entschluss, dass die Schuld für die FP2-Schrecksekunde klar bei Camara lag. Der Rookie kassierte damit bereits in seiner zweiten Formel-1-Session eine offizielle Verwarnung.

Normalerweise belassen es die Kommissare bei Vergehen dieser Art in Trainingssessions bei einer Warnung. Da die Stewards den Vorfall zwischen den beiden F1-Piloten bei etwa 320 km/h aber als "eindeutig gefährlich" einstuften, sahen sie sich gezwungen, eine etwas ernstere Strafe auszusprechen. Vor allem, weil Camara mehrfach von seiner Renningenieurin Laura Müller über den herannahenden Leclerc informiert wurde.

Camara selbst zeigte sich nach der Session einfach nur erleichtert, dass der Vorfall so glimpflich endete. "Ich muss es mir noch genauer ansehen, was passiert ist, aber es war eine schwierige Situation. Zum Glück ist nichts passiert", so der Lokalmatador. Im folgenden Jahr darf er damit nurmehr drei weitere Verwarnungen leisten. Die fünfte Strafe dieser Art zieht eine Startplatzstrafe von zehn Plätzen nach sich.

Trotz Leclerc-Zwischenfall: Haas-Teamchef Komatsu zufrieden mit Camara-Debüt

Abgesehen von der Schrecksekunde verlief das Formel-1-Debüt des 21-Jährigen auf dem Autódromo José Carlos Pace reibungslos. Insgesamt spulte der Haas-Pilot in beiden Sessions 59 Runden ab und sammelte wertvolle Kilometer auf der für ihn noch unbekannten Strecke in seiner Heimat. Nach Platz 18 im von Rookies geprägten FP1 verbesserte sich Camara im FP2 auf Rang 16.

"Das FP1 zu fahren, war etwas emotionaler als gedacht. Man sieht die Menge vor sich. Alle jubeln einem zu und sind aufgeregt", freut sich Camara über den Zuspruch des Publikums bei seinem Heim-Grand-Prix in Brasilien. "Aber sobald du ins Auto steigst und anfängst zu fahren, wird alles wieder normal, und du tust das, was du dein Leben lang gemacht hast."

Auch Teamchef Ayao Komatsu zog ein positives Fazit zum Debüt seines Piloten. "Es war sein erster Tag bei seinem Heimrennen und es war viel los. Aber er und das Team haben die Situation sehr gut gemeistert. Er ist ruhig, aber professionell und seine Sessions heute waren sehr solide", lobt Komatsu. "Ich bin sehr zufrieden damit und denke, dass wir einen guten Start hingelegt haben."

Bereits vor dem FP2 hatte er Camara ausdrücklich gelobt und dessen natürliches Gespür für die Streckenbedingungen hervorgehoben. Alles dazu findet ihr in folgendem Artikel.

Brasilianischer Doppelpack: Bortoleto und Camara genießen gemeinsamen Heim-GP

Trotz des gelungenen Starts sieht auch Camara für den weiteren Wochenendverlauf noch Verbesserungspotenzial. "Wir können von heute viel lernen und uns verbessern. Ich muss mich noch besser an das Auto gewöhnen und mich mit den Abläufen und Prozessen vertraut machen", so der Rookie. "Aber es war einfach toll, in Interlagos zu fahren. Die Strecke macht richtig Spaß."

Für zusätzliche gute Laune auf der Strecke sorgte Audi-Pilot Gabriel Bortoleto. Er und Camara sind gute Freunde und durften schon den Medientermin am Donnerstag gemeinsam absolvieren. Als der erfahrenere Brasilianer im FP2 an seinem Rookie-Kollegen vorbeifuhr, ließ er es sich nicht nehmen, den Haas-Piloten kurz zu grüßen, was zu dieser schönen Szene führte:

Mehr zum Formel-1-Freitag in Interlagos erfahrt ihr von Christian in folgendem Video: