Eigentlich hätte es nicht eines siebenfachen Weltmeisters bedurft, um vor dem 11. Saisonrennen festzustellen: "Die Reifen werden hier entscheidend sein." Diesen Satz wiederholte Michael Schumacher in Magny Cours Tag für Tag.

Dabei ließ sich der Freitag ganz gut an für Bridgestone. In der Zeitenliste standen zwar die gewohnten Michelin-Freitagsfahrer und Renault-Piloten vorne, doch mit Adrian Sutil konnte ein Bridgestone-Pilot für gehöriges Aufsehen sorgen. "Ich sehe Bridgestone als sehr stark an", analysierte Christian Danner. "Wenn Adrian Sutil am Freitag auf Platz 6 fährt, kann der Reifen nicht so schlecht sein. Im Gegenteil: Da sollte man einiges erwarten können."

Schon des Öfteren wurden die Bridgestone-Pneus im Laufe eines Wochenendes immer besser und besser - andererseits haben auch die Michelin-Reifen schon von Freitag bis Sonntag zugelegt respektive die Bridgestones an Haftung verloren - so dominierte Ferrari die Long Runs in Barcelona am Freitag nach Belieben, war am Sonntag im Rennen jedoch machtlos.

Für Magny Cours war sich Michael Schumacher am Freitag zumindest im Hinblick auf das Rennen sicher: "Unsere Bridgestones scheinen bei den Long Runs beständig zu sein, momentan können wir aber nicht sagen, wie gut sie auf einer einzigen Runde funktionieren."

Aber im Qualifying kommt heute noch ein ganz anderes Problem hinzu: Der gestern mühsam angefahrene Gummiabrieb und Grip sind heute wie weggeblasen oder besser gesagt: weggewaschen! Am Freitagabend begann es gegen halb Acht wie aus den berüchtigten Eimern zu schütten und ein Gewitter ließ auf dem Circuit de Nevers nichts von dem ohnehin teilweise stark bemängelten Grip mehr übrig.

Im Laufe der Freitagstrainings hatten etliche Fahrer mit Graining an den Vorderreifen zu kämpfen - darunter auch Michael Schumacher. Aber auch bei Michelin kam es zur ungern gesehenen Körnung der Reifen. "Wir sind mit den weichen Reifen rausgefahren und haben geschaut, wie die funktionieren", sagte Christian Klien. "Aber es war heute so heiß, dass die weichen Reifen hier gar nicht funktioniert haben. Nach 13 Runden waren sie speziell auf der Vorderachse total kaputt."

Ähnliche Erfahrungen machte Jenson Button. "Dadurch, dass die Vorderreifen sehr gekörnt haben, war das heute für viele ein schwieriger Tag. Wir haben den größten Teil der zweiten Session damit verbracht, das Körnen zu auszugleichen und daher konnte ich nicht so viele Daten sammeln, wie ich wollte."

Diese Daten wären nach dem im wahrsten Sinne des Wortes reinigenden Gewitter ohnehin wertlos - zumindest hinsichtlich des Grips. Hinzukommen die weiterhin hohen Temperaturen. "Der Asphalt ist hier sehr dunkel, so dass die Streckentemperaturen sehr hoch sein können", sagte uns Bridgestone-Technikchef Hisao Suganuma. "Am Sonntagnachmittag werden wir wohl 32 Grad Lufttemperatur und 43 bis 46 Grad Asphalttemperatur haben. Das könnte für die Reifen ziemlich hart werden." Allerdings erreichte das Thermometer schon am Freitagnachmittag Streckentemperaturen über 50 Grad - hoffentlich haben die Reifenhersteller noch nicht alle Körner verschossen...