Das 2. Freie Training der WEC in Sao Paulo stand ganz im Zeichen der vermeintlichen Underdogs: Genesis Magma Racing vor Aston Martin! Der Neueinsteiger aus Korea erzielte am Freitag des vierten Saisonwochenendes 2026 seine erste offizielle Bestzeit in der Langstrecken-Weltmeisterschaft.
Der frühere Porsche-Werksfahrer Mathieu Jaminet fuhr die beste Rundenzeit im Genesis GMR-001 mit der Startnummer #19 (Jaminet, Chatin, Juncadella) und sorgte damit augenscheinlich für eine kleine Überraschung. "Wir sind eine Qualifying-Runde gefahren, was wohl nicht alle Hersteller gemacht haben", sagte der Franzose. "Es ist immer schön, in der Zeitenliste vorne zu stehen, aber das bedeutet jetzt nicht allzu viel."
2. WEC-Training: Genesis vor Aston-Martin-Duo
Der in Europa noch weitgehend unbekannte Autobauer aus dem Hyundai-Konzern kann sich dieses Ergebnis als Momentaufnahme einrahmen, aber wohl nicht allzu viel davon kaufen: Jaminets Bestzeit (1:24.271 Minuten) war meilenweit von der letztjährigen Pole-Position-Runde (1:22.570 durch Alex Lynn im Cadillac) entfernt.
Die Positionen waren im 90-minütigen Training auf dem brasilianischen Formel-1-Kurs schon früh bezogen: Jaminet steuerte seinen Genesis-LMDh nach rund zehn Minuten auf den ersten Platz, dahinter ordneten sich die beiden Aston Martin Valkyrie mit Marco Sörensen (0,060 Sekunden Rückstand) und Harry Tincknell (0,156 Sekunden Rückstand) ein.
Was die Zeiten wert sind, lässt sich noch nicht seriös einschätzen. Zum einen, weil die WEC die BoP-Daten seit dieser Saison strengstens unter Verschluss hält. Zum anderen, weil die Top-Teams bisher wohl auf Qualifying-Runs verzichteten und sich stattdessen lieber auf die Vorbereitungen für das 6-Stunden-Rennen am Sonntag fokussierten. Aston Martin hatte sich im 1. Training die Bestzeit gesichert. Der Brite Tincknell benötigte 1:25.457 Minuten für die schnellste Runde auf dem mit 4,309 Kilometer kürzesten Kurs im WEC-Kalender.
Sao Paulo: Vorjahres-Sieger Cadillac in Top-5
Hinter dem Genesis und den beiden Aston Martin folgten die beiden Cadillac V-Series.R von Jota auf den Plätzen vier und fünf. Jack Aitken im #38 Caddy und Will Stevens im Schwesterauto liefen mit rund zwei Zehntelsekunden Rückstand ins Ziel ein. 2025 verbuchte Cadillac in Sao Paulo seinen ersten WEC-Triumph und schaffte sogar einen Doppelsieg. Die US-Amerikaner muss man im ersten Rennen nach den 24 Stunden von Le Mans also auf dem Zettel haben.
Dahinter wurde es abwechslungsreicher auf den Positionen sechs bis acht: Charles Milesi im #35 Alpine ("Wir müssen noch an der Auto-Balance arbeiten") vor Robert Kubicas #83 AF-Corse-Ferrari und dem #15 BMW mit Dries Vanthoor am Steuer. Der Schwester-BMW um Rene Rast belegte P11. Kubica hatte im 1. Training eigentlich die Bestzeit aufgestellt, doch dem Polen wurde die schnellste Runde wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse aberkannt.
Ferrari und Toyota zum Auftakt im Nirgendwo
Ferrari tat sich in den vergangenen beiden Jahren schwer in Interlagos und wartet noch auf den ersten Podesterfolg. Der technische Kurs mit seinen langsamen und mittelschnellen Kurven liegt dem Ferrari 499P nicht allzu gut. Die beiden Werksautos mit Antonio Fuoco sowie Antonio Giovinazzi kamen im Training nicht über die Plätze 10 und 16 hinaus.
Und wo waren die amtierenden Le-Mans-Sieger von Toyota? Wie schon im 1. Training am Vormittag: ziemlich weit hinten. Der #7 TR010 Hybrid um die 24-Stunden-Gewinner Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck De Vries landete auf P14, direkt vor dem Schwesterauto. Die beiden LMH-Boliden aus Japan krochen mit mehr als acht Zehntelsekunden hinterher.
Das Schlusslicht im Feld der 17 Prototypen markierte der #93 Peugeot 9X8, der obendrein mit einer GT3-Corvette kollidierte. Der Vorfall war nicht zu sehen, weil sich die WEC eine Livestream-Übertragung der Trainings spart. Fans können das Geschehen ausschließlich per kostenpflichtigem (!) Live-Timing verfolgen.
Am Samstag um 15:10 Uhr deutscher Zeit steht den Teams noch ein weiteres Training zur Verfügung, um sich auf die Strecke einzuschießen und die neuen Michelin-Slicks zu verstehen. Das Qualifying wartet im Anschluss um 19:30 Uhr und gilt als wichtiger Ausgangspunkt für das 6-Stunden-Rennen am Sonntag (ab 16:30 Uhr): Überholmanöver gelten in Interlagos eher als Kunststück. Der erwartete Regen könnte allerdings alles auf den Kopf stellen.



diese WEC Nachricht