Der MotoGP-Streit zwischen Maverick Vinales und (Noch-)Arbeitgeber KTM geht in die nächste Runde. Nachdem 'Top Gun' vor knapp zwei Wochen erstmals schwere Vorwürfe gegenüber den Orangenen erhoben hatte - er meinte, dass KTM alleine die Schuld trage, wenn er 2027 nicht mehr Teil des MotoGP-Fahrerfeldes sein sollte - droht am Sachsenring jetzt die völlige Eskalation. Es steht Wort gegen Wort, eine Aussöhnung scheint unmöglich.

Maverick Vinales feuert gegen KTM: Unterschriebener Vertrag plötzlich nichtig

Los ging es bereits am Donnerstag. Dort verkündete Vinales in seiner Medienrunde zunächst einmal, dass er seit den Ereignissen aus Assen nicht mehr mit den Verantwortlichen bei KTM gesprochen habe und deshalb auch nichts Neues zu seiner stark ins Wanken geratenen MotoGP-Zukunft sagen könne. Weil er anschließend auch noch erklärte, sich aktuell nicht nach Plätzen in anderen Rennserien umzusehen und stattdessen auf "einen längeren Urlaub" vorbereite, wurde er von einem Journalistenkollegen dann befragt, ob er seinen Manager überhaupt damit beauftragt hätte, auf Jobsuche zu gehen - der Anstoß zu Runde zwei im Duell Vinales gegen KTM.

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"Die Sache ist: Nachdem ich in Barcelona über die Medien erfahren habe, dass [Fabio] Di Giannantonio meinen Platz [im Werksteam, Anm.] erhalten wird, bin ich auf KTM zugegangen", begann Vinales und enthüllte daraufhin spannende Details: "In Mugello haben sie mir dann einen Vertrag zugeschickt. Sagen wir per Email. Es war kein wirklich guter Vertrag, der nicht gerade vorteilhaft für mich war. Aber ich habe ihn trotzdem unterschrieben, weil ich in jedem Fall weiter Rennen fahren wollte." Die Zukunft wäre damit gesichert gewesen. Warum also sah sich der Spanier im Vorlauf der Dutch TT dann trotzdem vor dem MotoGP-Aus? Ganz einfach: "Zwei Wochen später haben sie mir gesagt, dass alles wieder nichtig sei."

Doch kein neuer Vertrag also, woraufhin Vinales in ein mentales Loch gefallen sei. "Ich bin fertig mit dieser Welt", sprach er am Sachsenring offen von einem Burnout und meinte weiter: "Ich will hier [bei KTM, Anm.] nicht mehr bleiben. Das war nicht professionell von ihrer Seite. Deswegen bin ich durch mit dieser Motorrad-Welt. Ich will nicht alles in die gleiche Schublade schieben, denn ich liebe Rennfahren, ich liebe Motocross und vielleicht will ich in Zukunft andere Arten von Rennen fahren. Ich habe zuletzt Jack [Miller] bei den Suzuka 8h verfolgt und das sah spaßig aus. Vielleicht werde ich etwas anderes machen. Aber ich denke nicht, dass ich hier [in der MotoGP, Anm.] weitermachen werde."

KTM-Boss kontert Maverick Vinales: Hätten Tech3-Platz für ihn gehabt

Die nächsten heftigen Vorwürfe der Nummer 12 also. Doch keine Sorge, die Antwort aus dem Orangenen Lager ließ nicht lange auf sich warten - und auch die hatte es in sich. Am Freitag während des Trainings am Sachsenring von MotoGP-Boxengassenreporter Jack Appleyard mit Vinales' Aussagen konfrontiert, setzte Pit Beirer zum Konter an. "Ich weiß nicht, warum er solche Dinge sagt. Wir haben ihm nie mitgeteilt, dass wir keinen Platz mehr für ihn hätten und er gehen muss", runzelte der Motorsportchef von KTM mit der Stirn.

Pit Beirer war am Freitag nicht gut auf Maverick Vinales zu sprechen, Foto: KTM
Pit Beirer war am Freitag nicht gut auf Maverick Vinales zu sprechen, Foto: KTM

Anschließend teilte Beirer dann seine Sicht der Dinge mit: "Es ist kein Geheimnis, dass wir gehofft hatten, dass er in Zukunft einer unserer Werksfahrer sein würde. Letzten Sommer haben wir erste Gespräche geführt. Er hat uns dann immer wieder gesagt, dass wir uns nicht um seine Gesundheit sorgen sollen. Er meinte, dass er schon in Spielberg wieder fit sei. Das war sein erstes Comeback. Seither warten wir Woche für Woche darauf, dass er wieder in Form kommt. Während Maverick aber nie in der Nähe seiner alten Form war, hatten wir dann die Chance, Alex [Marquez] und Fabio [Di Giannantonio] zu bekommen."

KTM schlug bekanntlich bei den beiden Ducati-Piloten zu, die 2026 jeweils schon einen Grand-Prix-Sieg gefeiert haben. Zu Beginn der laufenden Woche wurden beide Verpflichtungen offiziell verkündet. Geschlossen sei die Tür für Vinales bei KTM damit aber noch lange nicht gewesen. "Wir haben ihm gesagt, dass wir einen Platz für ihn hätten. Wir konnten ihm nur noch nicht sagen, wo und was", blickte Beirer zurück und erklärte: "Er hat offenbar aber nicht ganz verstanden, dass das auch das Team sein könnte, in dem er heute fährt. Dort hatte er letztes Jahr tolle Leistungen erbracht. Wir wussten nicht, dass das für ihn aber keine Option mehr war. Er wollte nur ins Werksteam." Es sei also nicht KTM gewesen, das Vinales einen MotoGP-Verbleib verwehrte, sondern Vinales selbst, der nicht länger für Tech3 fahren wollte. "Ich werde nicht weiter ins Detail gehen", meinte Beirer auf Nachfrage von Appleyard, verriet dann aber doch noch: "Wir haben normale Vertragsgespräche geführt. Wir haben über Zahlen gesprochen und dann lief alles schief, als er herausgefunden hat, dass es nicht mehr um einen Platz im Werksteam ging."

KTM-Boss Pit Beirer vs. Maverick Vinales: Gab es den MotoGP-Vertrag oder nicht?

Zwei Parteien und zwei völlig verschiedene Geschichten also. Wer jetzt die Wahrheit gesagt hat? Das wird wohl noch einige Zeit ein Geheimnis bleiben. Gegenüber Motorsport-Magazin.com versicherte Beirer jedoch, dass es besagten Vertrag, den Vinales in Mugello unterschrieben haben will, nie gegeben habe. Vielmehr soll es sich laut dem Motorsportchef KTMs lediglich um eine Art Papier gehandelt haben, auf dem erste Rahmenbedingungen festgehalten wurden, die dann als Vertragsgrundlage herangezogen werden hätten sollen. Hat also Vinales gelogen? "Was ich gestern gesagt habe, ist die Wahrheit", widersprach der 31-Jährige aus Figueres am Freitag vehement und schäumte vielmehr: "Das ist die Wahrheit und es gibt keinen Grund, sie zu geheim zuhalten. Das gleiche ist schon bei Yamaha passiert. Da haben die Leute auch irgendwann angefangen zu sagen, dass ich mentale Probleme hätte. Aber nein, das stimmt nicht. Das Problem sind die Teams, die mich mit ihren Entscheidungen an das absolute Limit treiben."

Wie Vinales' Zeit in Blau im Spätsommer 2021 endete, ist hinlänglich bekannt. Er versuchte am Red Bull Ring mutwillig den Motor seiner M1 zu zerstören und wurde daraufhin vor die Tür gesetzt. Droht mit KTM jetzt eine ähnliche Eskalation? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Das werden erst die kommenden Wochen zeigen. Brisanterweise scheint aber sogar das Gegenteil einer Eskalation möglich. Denn Beirer öffnete Vinales am Freitag trotz all der Vorkommnisse der letzten Wochen nochmal die Tür: "Während dieses Wochenendes bleibt alles offen. Das ist die Deadline, die Günther [Steiner] und ich festgelegt haben."

Fährt Vinales 2027 also vielleicht doch noch für Tech3 in der MotoGP? CEO Günther Steiner hat seine Zweifel. "Es wird sicher nicht einfach, diese Situation nochmal zu klären, die gewiss keine leichte ist. Du merkst das, wenn du gegeneinander kämpfst. Das bleibt auch in Zukunft kompliziert. Wir müssen etwas tun, mit dem er auch glücklich ist und ich habe nicht das Gefühl, dass er noch in diesem Team sein will", meinte der Südtiroler am Freitag und scheint damit den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Denn auch Vinales selbst hielt abschließend noch fest: "Wenn ich spüre, dass ein Team das Maximum für mich gibt, dann werde ich auch 1.000 Prozent geben. Aber sobald sie mich zur Seite schieben, ist das Thema für mich durch. Ich sehe da kein Licht mehr in diesem Tunnel."

KTM oder Maverick Vinales - auf wessen Seite steht ihr in diesem kuriosen MotoGP-Streit? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!