Ferrari hat das dramatische WEC-Rennen in Austin, Texas gewonnen und seinen ersten Sieg in der Saison 2026 eingesackt. Nicklas Nielsen führte den #50 Ferrari 499P (Fuoco, Molina, Nielsen) nach sechs Stunden respektive 168 Runden zum überraschenden Triumph. "Ich hätte nie gedacht, dass wir das Rennen gewinnen würden", zeigte sich auch Schlussfahrer Nielsen nach seinem zweiten Saisonpodest verblüfft.
Und das nicht ohne Grund: Eigentlich hatte alles auf einen Sieg des #7 Toyota TR010 Hybrid (Conway, Kobayashi, De Vries) beim fünften Saisonrennen hingedeutet. Nyck de Vries, der Mann des Tages, führte das Rennen bis zwölf Minuten vor dem Zieleinlauf komfortabel vor Nielsen an. Dann das Japaner-Drama: Bei De Vries versagte plötzlich die Hydraulik! Der amtierende Le-Mans-Sieger konnte kaum noch lenken, fiel ans Ende des Feldes zurück und musste seinen Toyota wenig später abstellen.
Toyota-Drama in der WEC: Technik-Defekt kostet sicheren Sieg
"Ein sehr trauriges Ende eines ansonsten tollen Tages", sagte ein völlig enttäuschter De Vries, der sein Pech nach einer ansonsten überragenden Leistung kaum fassen konnte. "Alles war super, aber leider hat uns die Technik im Stich gelassen." Die #7 Crew verpasste neben dem Sieg auch die alleinige Führung in der Fahrer-WM, die sich das Toyota-Trio weiter mit dem #20 BMW von Rene Rast und Robin Frijns (nur Platz 12 im Rennen und ebenfalls ohne Punkte) teilt.
Hinter dem #50 Ferrari wurde der #38 Cadillac V-Series.R (Bourdais, Bamber, Aitken) als Zweiter gewertet. Schlussfahrer Jack Aitken bekam in der letzten Runde einen Platz geschenkt, weil der #35 Alpine (Habsburg, Milesi, Felix da Costa) spät eine 5-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines früheren Unsafe Release aufgebrummt bekam und dadurch auf P3 zurückfiel.

Alpine behält Podium trotz später Strafe
Alpine-Fahrer Milesi hatte noch gerade genug Vorsprung auf den Viertplatzierten #007 Aston Martin (Tincknell, Gamble), um den dritten Platz auf dem Podest zu behalten. Die Abstände waren vor 69.000 Zuschauern (am Wochenende) bis zum Ende gering, weil eine Safety-Car-Phase eine Stunde vor dem Zieleinlauf das Feld zusammengeführt hatte. Auslöser war ein GT3-Lexus, der innerhalb kurzer Zeit zweimal seine zwischenzeitlich zusammengeflickte Motorhaube verlor.
Victor Martins legte im zweiten Alpine mit frischen Reifen eine sehenswerte Aufholjagd bis auf den fünften Platz hin. Damit betrieb die #36 Crew (Gounon, Makowiecki, Martins) Schadenbegrenzung auf höchstem Niveau: Der Alpine mischte lange Zeit ums Podest mit, legte seinen Boxenstopp aber als einziges Auto kurz vor der SC-Phase ein und verlor viel Zeit, weil die Konkurrenz unter Gelb stoppen konnte. Auf den Plätzen sechs, sieben und acht folgten der #8 Toyota (trotz Durchfahrtstrafe), der #17 Genesis mit dem besten Ergebnis für den WEC-Neueinsteiger sowie der #15 BMW um Kevin Magnussen.
Frühes Drama um Polesetter-Ferrari
Zu den großen Verlierern zählte neben dem #7 Toyota auch der amtierende Weltmeister-Ferrari mit der Startnummer #51. Antonio Giovinazzi verteidigte die Pole Position auf abtrockender Strecke - Start/Ziel war trocken, während auf der Gegengerade das Wasser stand - sicher vor dem #12 Cadillac durch die ersten Runden. Dann streikte jedoch die Technik beim Boxenstopp: Es dauerte rund 20 Sekunden, bis sich der Ferrari starten ließ.
Von diesem Rückschlag erholten sich Giovinazzi und Co. nie mehr, wenngleich eine Safety-Car-Phase zur Halbzeit den Rückstand etwas verringerte und Hoffnung aufkeimen ließ. In den ersten Stints hatten die Teams auf teils sehr unterschiedliche Boxenstopp-Strategien gesetzt, die wegen des Safety Car aber praktisch wieder auf ein Level gebracht wurden. Dazu zählte unter anderem der später siegreiche #50 Ferrari, der vom fünften Startplatz zunächst mit einer frühen Short-Fuel-Strategie nach vorne kam.
WEC Kalender 2026 - Rennen, Startzeit, Strecken
Toyota reist als WEC-Spitzenreiter zum Heimspiel nach Fuji
Zu Beginn der zweiten Rennhälfte avancierte dann Toyota-Ass De Vries zum Helden, als er in Runde 96 zunächst Antonio Felix da Costa (Alpine) den zweiten Platz streitig machte und wenig später in Runde 105 dem bis dato Führenden Earl Bamber (Cadillac) die Führung abluchste. De Vries fuhr innerhalb von zehn Runden einen Vorsprung von gigantischen 11 Sekunden heraus - und schlug später nach seinem Technik-bedingten Ausfall nur noch die Hände über dem Kopf zusammen...
Die Chance zur Revanche bietet sich für Toyota am 27. September, wenn die WEC zum Heimspiel der Japaner in Fuji gastiert. Toyota fährt die Hersteller-Wertung weiter vor BMW nach einem insgesamt schwierigen Wochenende für den Autobauer aus München an.
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