Feierabend für Alpine! Beim WEC-Saisonfinale in Monza an diesem Wochenende geht der Autobauer aus Frankreich ein letztes Mal an den Start, bevor das Hypercar-Programm nach drei Jahren eingestellt wird. Monatelange Gespräche mit dem Geely-Konzern bezüglich einer möglichen Übernahme haben nicht zu einer Lösung geführt.

"Es gab Gespräche darüber, möglicherweise mit einer anderen Marke weiterzumachen", sagte Alpine-Sportdirektor Nicolas Lapierre am Samstagmorgen in Monza. "Aber derzeit ist nichts mehr geplant. Das Programm wird also eingestellt. Es war eine Reise mit einigen Höhen und Tiefen, aber insgesamt eine sehr gute Zeit für uns alle, mit fantastischen Erinnerungen, einigen Podestplätzen und sogar einem Sieg."

Feierabend für Alpine, aber: Sinault kämpft weiter

Während für Alpine die Angelegenheit endgültig geklärt ist, hat Philippe Sinault, dessen Team Signatech die Renneinsätze seit 2024 durchführt, den Kampf noch nicht aufgegeben. Der Franzose hofft weiter auf ein Wunder bis zur Einschreibefrist für die nächstjährige Saison am 23. November, um mit seiner Truppe 2027 weiter am Start stehen zu können. Sollte sich innerhalb kürzester Zeit ein neuer Partner finden, würde Signatech auf die aktuellen Alpine-Boliden zurückgreifen wollen und bräuchte dafür technischen Support von Alpines Motorenschmiede in Viry-Chatillon.

"Es ist keine einfache Situation", räumte Sinault ein. "Was ich sagen kann: Wir sind weiterhin bereit, das Team und die beiden Autos 2027 einzusetzen. Im Moment befinden wir uns in einer Notlage. Seit der Bekanntgabe, dass Geely kein Interesse hat, versuchen wir, andere Lösungen zu finden. Im Moment gibt es nicht viele Möglichkeiten, aber wir werden sehen."

Alpine-Teamchef Philippe Sinault
Philippe Sinault kämpft um die Zukunft seines Signatech-Teams, Foto: IMAGO/PRESSE SPORTS

"Auto schwarz oder weiß lackieren? Kein Problem!"

Sinault kann trotz der nahezu aussichtslosen Situation die Flinte nicht vor Ablauf der Frist ins Korn werfen, schließlich ist er verantwortlich für seine Angestellten. Er hält laut eigenen Angaben weiterhin die Mehrheit am einstigen Signature-Rennstall, der Rest gehört Alpine. Unklar, wie es hier in Zukunft weitergeht. Sinault zeigte sich auch offen für den Einsatz eines dritten Kundenautos bei einem der aktuellen Hersteller.

"Mein Herz ist blau, das wissen Sie", wandte sich Sinault am Samstagmittag in einer eigenen Gesprächsrunde an Medienvertreter. "Aber meine Priorität ist es, eine gute Lösung für das Team zu finden. Wenn ich das Auto blau, schwarz, dunkelblau oder weiß lackieren muss, ist das für mich kein Problem. Wenn ich für meine Ingenieure, meine Mechaniker und meine Logistikmitarbeiter ein gutes Projekt finde, werde ich an ihrer Seite stehen und ihnen helfen, weiterzumachen."

Sinault überzeugt: Hersteller aus China wollen bald in die WEC

Findet sich für 2027 keine Lösung, will Sinault daran arbeiten, 2028 mit einem anderen Hersteller in die WEC zurückzukehren. Einen Einstieg des Geely-Konzerns oder anderer Marken aus China hielt er dann für realistisch. "Chinesische Hersteller ziehen einen Einstieg in den Langstreckensport sehr ernsthaft in Betracht", versicherte Sinault. "Denn für sie ist das eine gute Plattform, um in diesen neuen Markt vorzudringen. Ich bin zuversichtlich, dass ein solcher Hersteller kommen wird, mit mir oder ohne mich."

Der Teamgründer weiter: "Wenn es mir nicht gelingt, für 2027 etwas auf die Beine zu stellen, muss ich meinem Team intern so schnell wie möglich ein starkes Projekt präsentieren. Ich muss sagen können: 'Leute, schaut her, das können wir machen. Wir haben die Möglichkeit, das alles gemeinsam fortzusetzen.' Ich denke das, weil im Moment alle Teammitglieder bei uns bleiben." Gleichzeitig wusste Sinault, dass es schwierig werden kann, talentierte Mitarbeiter vor Abwerbungsversuchen anderer Teams und Hersteller zu schützen.

Alpine hatte zuletzt den geplanten Verkauf der Sparte 'Alpine Racing SAS' inklusive der Motorenfabrik in Viry-Chatillon an die Dumarey-Gruppe bekanntgegeben. Der belgische Automobildienstleister (2.500 Mitarbeiter, 750 Millionen Euro Umsatz pro Jahr) will seine Motorsportaktivitäten ausbauen - ob die WEC dabei eine Rolle spielt, war zunächst unklar. Laut Sinault habe es bisher keine konkreten Gespräche dazu gegeben.

Alpine bei der WEC in Monza
Wie geht es für Ferdinand Habsburg nach dem WEC-Aus weiter?, Foto: IMAGO/PsnewZ

Habsburg, Gounon und Co.: Wie geht es für die Alpine-Fahrer weiter?

In Folge des Werks-Ausstieges müssen sich die verbliebenen Alpine-Fahrer - Antonio Felix da Costa und Fred Makowiecki sind längst weg - nach neuen Jobs umschauen. Darunter der Österreicher Ferdinand Habsburg, der seit Beginn des Projekts im Jahr 2024 mit an Bord war und Alpine 2025 in Fuji den einzigen Sieg bescherte. Der 29-Jährige blickt auf zwei Podestplätze mit Alpine in der Langstrecken-WM zurück.

"So viele Rennwagen wie möglich fahren, das ist der Plan", antwortete Habsburg auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, wie es 2027 weitergehen soll. "Auch in der WEC zu fahren, wäre mein Plan. Ich habe keinen Vertrag, aber immer noch große Hoffnungen. Bis zum ersten Rennen im nächsten Jahr bleibt noch einiges an Zeit."

Ebenso wusste Habsburg mit Blick auf den Fahrermarkt in der Langstrecken-WM: "Die Realität ist, dass die meisten Teams bereits vollständig besetzt sind. Aber ich bleibe optimistisch. Und wenn es mit der WEC nicht klappt, werde ich weiterhin meinen Langstreckensport in der LMP2 betreiben, den ich so sehr liebe. Aber letztlich war mein Traum immer, Werksfahrer eines Herstellers zu sein. Und genau das werde ich versuchen zu erreichen."

Habsburgs Teamkollege, Jules Gounon, glaubte unterdessen nicht, 2027 weiter in einem WEC-Hypercar anzutreten. Der Franzose verfügt parallel über einen laufenden Werksvertrag bei Mercedes-AMG. Gounon: "Deshalb werde ich wieder Vollzeit zu meinen GT-Aufgaben mit Mercedes zurückkehren und versuchen, einige Ziele zu erreichen, die mir im GT-Sport noch fehlen. Jetzt versuche ich, dieses letzte Wochenende im Hypercar zu genießen, und hoffe, eines Tages zurückzukehren. Es macht unglaublich viel Spaß, dieses Auto zu fahren."

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