Die Straße windet sich den Berg hinauf, links und rechts eröffnen sich immer wieder spektakuläre Ausblicke über die Alpen. Das Verdeck ist geöffnet, der Reihensechszylinder dreht hoch und vor uns liegt Kurve um Kurve.

Der sportliche Bayer begeistert jedoch nicht erst beim Fahren. Schon im Stand sieht man dem M4 an, dass er kein gewöhnliches Cabrio ist. Die sportliche Optik, Carbon-Elemente und vor allem die matte Lackierung machen einiges her. Bei unserem Testwagen kommt die Farbe „Frozen Brilliant White metallic“ zum Einsatz – für 4.900 Euro extra.

Gerade die Farbe gefällt uns richtig gut. Ob man sich darüber auch noch freut, wenn das Auto zum ersten Mal gründlich gereinigt werden muss, ist allerdings eine andere Frage. Matte Lackierungen sind schließlich nicht gerade die pflegeleichteste Variante.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Beim Testwagen wurde beim Thema Carbon ebenfalls nicht gespart. Das M Carbon Exterieurpaket kostet 4.150 Euro, dazu kommt eine Carbon-Fibre-Interieurleiste für weitere 1.350 Euro. Zusammen mit der matten Lackierung wirkt der M4 dadurch entsprechend sportlich.

Ein kleines Detail, das uns ebenfalls aufgefallen ist: Die Farbe des Autos wird im Display tatsächlich passend zum Fahrzeug dargestellt. Nicht unbedingt etwas, das man beim Autokauf ganz oben auf die Liste setzt, aber nett gemacht ist es trotzdem.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Richtig Spaß macht er auf der Passstraße

Wirklich interessant wird der M4, sobald man ihn fährt und die Straßen kurviger werden. Leistung ist ohnehin genug vorhanden (dazu etwas später mehr) und auch beim Fahrverhalten merkt man schnell, dass BMW hier nicht einfach einen normalen 4er zum Cabrio gemacht hat.

Je nach Fahrmodus lässt sich das Auto deutlich verändern. Auch die Schaltgeschwindigkeit kann angepasst werden. Wer es sportlich mag, bekommt entsprechend direkte Schaltvorgänge und einen Antrieb, der deutlich mehr nach M-Modell als nach gemütlichem Cabrio wirkt.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Bei unserem Testwagen kommt zusätzlich das M Driver's Package für 2.450 Euro zum Einsatz. Dazu gesellen sich die M Carbon-Keramik-Bremsen für stolze 9.900 Euro.

Ganz soft und leise wird der M4 allerdings auch im entspannten Modus nicht. Die Auspuffklappen lassen sich zwar schließen, trotzdem bleibt immer etwas Sound und Präsenz übrig. Uns stört das nicht wirklich. Schließlich sitzt man hier in einem M4 und nicht in einem elektrischen Einkaufswagen.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Und was steckt eigentlich unter der Haube? BMW verbaut einen M TwinPower Turbo Reihen-6-Zylinder mit 390 kW (530 PS) und 650 Nm. Dazu kommen das 8-Gang M Steptronic Getriebe mit Drivelogic, der Allradantrieb M xDrive und ein aktives M Differenzial. Von 0 auf 100 km/h geht es in 3,7 Sekunden.

13,5 Liter Verbrauch und eine überraschende Reichweitenanzeige

Unsere Testfahrt bestand zu rund 70 Prozent aus Land- und Alpenstraßen und zu etwa 30 Prozent aus Autobahn. Teilweise konnten wir dort auch ohne Tempolimit fahren. Insgesamt waren wir eher gemütlich unterwegs, haben dem M4 auf den kurvigen Abschnitten aber natürlich auch immer wieder etwas Auslauf gegeben. Am Ende standen 13,5 Liter pro 100 Kilometer auf der Verbrauchsanzeige. Für die gefahrene Strecke und die Leistung des Autos finden wir das durchaus okay.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Weniger überzeugend war dagegen die Reichweitenberechnung. Im Tal hatten wir noch rund 100 Kilometer Restreichweite. Danach ging es etwa 15 Kilometer auf eine Passstraße. Die Strecke wurde sportlich gefahren, aber weiterhin im gesetzlichen Rahmen. Oben angekommen waren von den ursprünglich 100 Kilometern plötzlich weniger als zehn Kilometer übrig. Dass der Verbrauch bei einer solchen Bergfahrt deutlich steigt, ist natürlich logisch. Trotzdem kam uns der Sprung ziemlich heftig vor. Ein bisschen mehr Reserve bei der Berechnung wäre auf einer Passstraße durchaus beruhigend.

Cabrio-Feeling mit Nebenwirkungen

Gerade mit geschlossenem Verdeck hat uns unser BMW jedoch positiv überrascht. Das Verdeck ist vergleichsweise dick und hält einiges an Wind- und Außengeräuschen ab. Für ein Cabrio ist es im Innenraum tatsächlich erstaunlich ruhig.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Offen sieht die Sache etwas anders aus. Bei unserem Testwagen war kein Windschott dabei. Das merkt man vor allem bei höherem Tempo. Ab etwa 200 km/h wird es ordentlich windig. Dazu kommen Staub und Dreck, die einem plötzlich ins Gesicht fliegen. Und wer eine Cap trägt, sollte sie besser gut festhalten.

Mit einem Windschott dürfte das natürlich deutlich angenehmer sein. Trotzdem wissen wir, dass es auch anders geht. Den Bentley Continental GTC Speed konnten wir ebenfalls offen und ohne Windschott fahren – dort waren selbst 250 km/h noch erstaunlich entspannt – auch wenn es nicht mehr allzu leise war.

Mehr zu unserer Testfahrt mit dem Bentley Continental GTC Speed gibt es hier:

Vier Sitze? Eher zwei plus zwei

Auf dem Papier ist das M4 Cabrio ein Viersitzer. In der Praxis würden wir eher von einem 2+2-Sitzer sprechen. Die hinteren Plätze sind zwar vorhanden, wirklich freiwillig möchte dort aber wohl niemand eine längere Strecke sitzen. Bei geschlossenem Verdeck wird es ziemlich eng. Offen kommt wiederum noch der Wind dazu.

Auch die kleinen Armauflagen an den Seiten im Fond gefallen uns nicht. Sie sind hart, kantig und so klein, dass man sich schon fragt, welchen Zweck sie eigentlich erfüllen sollen.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Kleiner Kofferraum, umständliche Klappe

Beim Kofferraum muss man bei einem Cabrio natürlich Abstriche machen. Beim M4 gibt es allerdings noch eine Besonderheit: eine Sperrklappe, die den Bereich für das Verdeck vom restlichen Kofferraum trennt.

Diese Klappe muss man teilweise von Hand bedienen. Ist sie in der falschen Position, lässt sich das Verdeck nicht öffnen. Dann muss zunächst der Kofferraum geöffnet, die Klappe umgelegt und anschließend das Verdeck betätigt werden. Es funktioniert. Besonders elegant finden wir die Lösung aber nicht.

Modernes Cockpit mit kleinen Negativdetails

Auch im Innenraum gibt es ein paar Kleinigkeiten, die uns weniger gefallen haben. Die Lüftungsdüsen lassen sich beispielsweise etwas fummelig einstellen. Kein großes Problem, aber auch nichts, was man bei einem Auto dieser Preisklasse unbedingt erwarten würde.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Wer nicht regelmäßig BMW fährt, muss sich außerdem erst einmal durch die vielen Apps und Funktionen kämpfen. Davon gibt es ziemlich viele und optisch sehen sie sich teilweise auch noch sehr ähnlich. Nach einer Weile findet man sich zurecht, besonders übersichtlich wirkt das Ganze am Anfang aber nicht.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Beim Lenkrad sind wir ebenfalls etwas zwiegespalten. Die Form ist nicht das Problem. Es ist vielmehr das Material. Die Haptik fühlt sich einfach etwas komisch an. Schwer zu beschreiben, aber beim Anfassen erinnert es uns tatsächlich ein wenig an Styropor. Das ist natürlich eine sehr subjektive Sache. Bei einem sportlichen Premiumfahrzeug hätten wir uns trotzdem ein angenehmeres Material gewünscht.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Dabei ist unser Testwagen alles andere als spartanisch ausgestattet. Neben den bereits erwähnten Carbon-Elementen und der Keramikbremse sind unter anderem Driving Assistant Professional, Parking Assistant Plus, Sitzbelüftung vorne, Nackenwärmer und das Innovation Package an Bord.

Und das hat seinen Preis: Der Grundpreis des M4 Competition M xDrive Cabrio liegt laut Fahrzeugstammblatt bei 112.700 Euro, unser Testwagen kommt inklusive Sonderausstattung, Lackierung und Leder auf 144.820 Euro.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Bei einem Auto in dieser Preisklasse dürfen wir deshalb auch bei kleinen Dingen genauer hinschauen.

Fazit: Am besten zu zweit

Das BMW M4 Cabrio ist sicher nicht perfekt, jedoch kommen beim Fahren einfach zu viel positive Emotionen auf. Gerade auf kurvigen Land- und Alpenstraßen passt das Auto richtig gut. Die Leistung, das Fahrverhalten und die verschiedenen Einstellmöglichkeiten sorgen dafür, dass man auch nach mehreren Kilometern noch gerne die nächste Kurve nimmt. Die Fahrt über die Rossfeldpanoramastraße war dafür das passende Terrain.

Auf der anderen Seite gibt es einige Punkte, mit denen man leben muss: Die hinteren Sitze sind eher Alibi, der Kofferraum ist klein und die Lösung mit der Sperrklappe könnte einfacher sein. Auch bei einigen Details im Innenraum hätten wir mehr erwartet.

BMW, M4, Competition, Cabrio
Foto: Simninja

Und dann ist da natürlich noch der Preis. 144.820 Euro kostet unser Testwagen – da darf man bei Materialauswahl, Bedienung und Alltagstauglichkeit durchaus kritisch sein.

Trotzdem bleibt nach der Testfahrt vor allem eines hängen: Der M4 macht verdammt viel Spaß.

Alle weiteren Bilder zu unserer Testfahrt gibt es hier: