Der Frust vom Norisring ist erst einmal verflogen - jetzt will Thomas Preining die zweite Hälfte der DTM-Saison 2026 mit neuem Mut und Spaß an der Sache in Angriff nehmen. Dabei war dem Manthey-Porsche-Piloten die Freude an der DTM zeitweise verloren gegangen. Fans mussten sich sogar Sorgen über seine Zukunft in der DTM machen, nachdem Preining Zweifel geäußert hatte ("Ich bin wirklich kurz davor, dass ich sage: Das bringt nichts mehr, ich höre auf").
Drei Wochen und einen Urlaub später hat sich das Gemüt des ehemaligen DTM-Champions wieder beruhigt. "Grundsätzlich war ich am Norisring sehr frustriert und unzufrieden, wie das Ganze abgelaufen ist. Und das muss auch für jeden verständlich sein", sagte Preining zu Beginn des Rennwochenendes in Oschersleben gegenüber Motorsport-Magazin.com.
Thomas Preining: "Das macht natürlich wenig Sinn und wenig Spaß"
Der Grund für den Norisring-Ausraster ist aus Sicht des ehrgeizigen Österreichers nachvollziehbar. Dem Sieg beim Saisonauftakt am Red Bull Ring folgten bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse in den nachfolgenden sieben Qualifyings und Rennen, sodass das Fass am Norisring endgültig übergelaufen war.
"Wir wollen um die Meisterschaft fahren und gewinnen", sagte Preining, der in der DTM-Tabelle den achten Platz mit 47 Punkten Rückstand zu Spitzenreiter Nicki Thiim belegt. "Nach acht Rennen ohne Ausfälle und Strafen, in denen wir das Maximum herausgeholt haben, ist der Rückstand gigantisch. Das macht natürlich wenig Sinn und wenig Spaß."

Der Stein des Anstoßes ist wenig überraschend die stets heiß diskutierte Balance of Performance, in deren Einstufung Preining 'seinen' Porsche 911 GT3 R benachteiligt sieht. Nach den derben Worten vom Norisring ("Wir sind katastrophal scheiße von der Pace her") sagte der Österreicher jetzt: "Wir waren nicht schnell genug das ganze Jahr lang. Im Zweikampf konnten wir uns einerseits nicht wehren, wenn wir vor einem anderen Auto fuhren, und nie angreifen, wenn wir dahinter waren."
Das sorge für Frust beim Rennfahren, rückte Preining nicht von seiner grundsätzlichen Meinung ab, und führte aus: "Wenn das dann ein Level erreicht, wo du die Fehler anderer Fahrer nicht ausnutzen kannst, weil so viel fehlt, aber jeder eigene Fehler doppelt und dreifach bestraft wird, macht es keinen Spaß mehr."

Preining: "Absicht grundsätzlich, in der DTM und bei Porsche zu bleiben"
Das bedeute jedoch nicht, dass Preining die DTM verlassen will, wie manch Außenstehender seine Aussagen nach dem verbalen Norisring-Ausraster gedeutet hatte. "Grundsätzlich ist meine Absicht natürlich, in der DTM und bei Porsche zu bleiben", sagte uns Preining. Die noch ungeklärte Zukunft liege vor allem daran, dass sein Vertrag beim Autobauer aus Zuffenhausen zum Saisonende ausläuft.
Preining weiter: "Die Absicht ist natürlich, zu verlängern. Das ist auch eine emotionale Sache, weil ich jetzt in meiner zehnten Saison mit Porsche bin und eigentlich das ganze System durchlaufen habe. Ich habe mittlerweile auch einige ganz gute Erfolge verbuchen können und von dem her schon mal keinen Grund, irgendwie weiterzusuchen." Preining führte Porsche 2023 zum ersten Titelgewinn in der DTM und ließ jüngst den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps folgen.
Das Manthey-Team, für das Preining seit 2023 fährt, fühle sich an wie ein Zuhause. "Es ist alles eingespielt und die DTM ist auch die Serie, die ich immer fahren wollte", erklärte er. "Ich habe mich sehr oft in meiner Karriere bewusst für die DTM entschieden. Von daher bin ich schon da, wo ich sein will."
Preining hat DTM-Titel noch nicht abgeschrieben
Den diesjährigen Kampf um die Meisterschaft hat Preining noch nicht aufgegeben, obwohl er in der Tabelle "wirklich weit hinten" steht. Oschersleben könnte da gerade recht kommen für die erhoffte Aufholjagd - der Kurs bei Magdeburg liegt dem Porsche 911, wie Preining mit Bestzeiten in beiden Freien Trainings unter Beweis gestellt hat.
"Grundsätzlich blicke ich positiv auf die zweite Saisonhälfte", sagte er. "Solange rechnerisch alles möglich ist, wird nicht aufgegeben. Oschersleben ist eine Strecke, die uns sicherlich sehr entgegenkommt und uns die Möglichkeit gibt, in der Meisterschaft etwas gutzumachen. Viele enge Kurven, niedrige Gänge - das schmeckt uns eigentlich. Und abgerechnet wird zum Schluss."
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