Ein Podest am Samstag, ein Ausfall und eine Handverletzung am Sonntag: Licht und Schatten für Jules Gounon beim vorletzten Rennwochenende der DTM-Saison 2026 auf dem Sachsenring. "Das ist ein Abbild meiner Saison", sagte der Winward-Mercedes-Pilot, als ihn Motorsport-Magazin.com nach dem Sonntagsrennen auf dem Weg zur Abreise antraf.

Gounon hatte sich nach einer unverschuldeten Kollision mit Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) an der linken Hand verletzt und trug eine Stabilisierungsschiene. Bei Mercedes-AMG ging man nach dem ersten Check im Medical Center an der Strecke von einer Verletzung des Kahnbeins aus und eher von einer Prellung statt von einem Bruch.

Gounon: "Drücke die Daumen - aber nur mit der rechten Hand!"

Gounon hätte sich mit Unterstützung seines Teams noch am Abend in einem nahegelegenen Krankenhaus gründlich durchchecken lassen können, zog es aber vor, eigenständig mit dem Auto weiter nach Prag zu reisen. Dort bestritt seine Freundin einen Triathlon. Am heutigen Montag geht es für die beiden weiter nach Andorra, wo sich Gounon in seiner Heimat weiteren Untersuchungen unterziehen wird.

Gounon klagte nach dem Unfall über leichte Schmerzen und war guter Hoffnung, dass nichts an der Hand gebrochen ist. In zwei Wochen steht für ihn das nächste WEC-Rennen mit Alpine in Fuji auf dem Programm. "Bis dahin sollte es okay sein", sagte er und konnte schon wieder lachen: "Ich drücke jedenfalls die Daumen - aber nur an der rechten Hand!"

Nicki Thiim und Jules Gounon
Kein böses Blut zwischen Nicki Thiim und Jules Gounon nach dem Unfall, Foto: Motorsport-Magazin.com

Gounon nach Thiim-Kollision an Hand verletzt

Gounon hatte bei seiner Kollision mit Thiim kurz nach der Ausfahrt aus der Boxengasse das Pech, dass er den heranrauschenden Aston Martin überhaupt nicht sehen konnte. Für einen Rennfahrer der Worst Case. Gounon: "Wenn du siehst, dass es gleich knallt, nimmst du sofort die Hände vom Lenkrad weg. Aber ich habe nichts gesehen und hatte nicht erwartet, getroffen zu werden."

Der 31-Jährige machte Unfall-Gegner Thiim nach dem Crash, der beide Autos ins Aus beförderte, keine Vorwürfe. Die beiden marschierten nach der Anhörung vor den Sportkommissaren gemeinsam plaudernd zunächst zu Gounons beschädigtem Mercedes im Parc-Ferme und dann zurück zu ihren jeweiligen Teams.

Keine Strafe für Thiim: Aston-Martin-Fahrer machtlos bei Crash

Es hatte sich herausgestellt, dass Thiim bei der Kollision machtlos war: Betriebsmittel auf der Strecke hatte den Dänen die Kontrolle über seinen Aston Martin verlieren lassen. Deshalb sparten sich die Sportkommissare eine nachträgliche Strafe.

"Ich konnte nicht viel machen", sagte Thiim zu Motorsport-Magazin.com. "Da war keine böse Absicht hinter. Ich wusste ja, dass Jules auf kalten Reifen fuhr und ich ihn eh überholen würde. Ich habe gebremst und hatte keine Haftung. Irgendwas muss auf der Strecke gewesen sein. Du kommst an und plötzlich fährt die Kiste einfach geradeaus."

In der gleichen Situation erwischte es auch Abt-Pilot Luca Engstler, der ins Kiesbett rauschte, sich aber selbstständig befreien und sogar noch auf den achten Platz fahren konnte: "Du musst einfach voll aufs Gas treten, sonst buddelst du dich im Kies ein", gab uns der Lamborghini-Werksfahrer noch einen Fahr-Tipp mit auf den Weg.

Jules Gounons Unfall bei der DTM am Sachsenring
Der Winward-Mercedes von Gounon hängt am Haken, Foto: IMAGO/Beautiful Sports International

Thiim-Geschenk: "Ich kaufe ihm eine Flasche Whisky!"

Thiim hatte sich direkt nach dem Crash bei Gounon nach dessen Zustand erkundigt. Später meinte der Aston-Werksfahrer in seiner typischen Art: "Ich habe gesagt, dass ich ihm eine Flasche Whisky kaufe, dann kann er heute gut schlafen!"

Auch Thiim dürfte ein Schlückchen nach dem turbulenten Wochenende am Sachsenring nicht schaden. Er war als Dritter in der Meisterschaft mit aussichtsreichen 21 Punkten Rückstand angereist - und verließ den 'SaRi' mit 50 Zählern Abstand zum neuen Spitzenreiter Thomas Preining (Manthey-Porsche). 56 Punkte werden beim Saisonfinale auf dem Hockenheimring noch maximal vergeben.

Thiim: "Entweder ganz vorne dabei - oder in der Wand"

Thiim musste das Sonntagsrennen vom 19. Startplatz aufnehmen und entschied sich für Regenreifen. Die Risiko-Variante ging auf der abtrocknenden Strecke zunächst auf und er pflügte mit seinem Vantage munter durch das Feld der Slick-bereifen Konkurrenten. Nach den Boxenstopps kämpfte er um die Top-8 und damit eine potenziell solide Punkteausbeute - bis es schließlich in Runde 28 von 39 krachte.

Thiim: "Vor dem Rennen habe ich gesagt: Entweder sind wir ganz vorne dabei, oder die Kiste ist in der Wand - aber natürlich nicht so, dass ich in jemanden reinrutsche!" Auf dem Papier hat der Halbzeit-Meister zwar noch Titel-Chancen, die sind aber faktisch verschwindend gering. "Ich will eigentlich gar nicht mit theoretischen Titelchancen nach Hockenheim, dann muss ich wieder laufend Interviews geben", feixte Thiim getreu seinem Motto 'Go Hard or Go Home'. "Entweder ganz oder gar nicht!"

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