Für Finn Wiebelhaus (HRT-Ford) kommt das bevorstehende DTM-Rennwochenende auf dem Nürburgring (14.-16. August 2026) gerade recht: Der 20-jährige Rookie kann sich gute Chancen ausrechnen, den doppelten Ausfall zuletzt in Oschersleben wettzumachen. Ein technisches Problem und ein Reifenschaden nahmen seinen Ford Mustang GT3 Evo vorzeitig aus den Rennen und versetzten seiner steilen Formkurve einen Dämpfer.
Am Nürburgring, dem Heimspiel seines Teams HRT, will Wiebelhaus an seine starken Leistungen in den Qualifyings sowie zwei Podesterfolge anknüpfen. Die Eifelstrecke war für den Ford-Junior bisher ein gutes Pflaster: 2025 fuhr er in beiden Rennen des ADAC GT Masters aufs Podium auf seinem Weg zum Meisterschaftsgewinn. Und 2024, damals noch im HRT-Mercedes, gelang ihm sein erstes Nürburgring-Podest.
Finn Wiebelhaus: "Formelsport ist einfach zu teuer"
Weiter zurück reicht die Geschichte des gebürtigen Hessen nicht, denn Wiebelhaus sitzt seit gerade einmal drei Jahren in GT3-Rennwagen! Die bisherigen Erfolge per Schnelldurchlauf bis in die DTM sprechen für den richtigen Weg, dabei hatte Wiebelhaus seine Automobilkarriere 2023 im Formelsport begonnen. Auch mit Unterstützung des Motorsport Team Germany bestritt er ein Jahr in der Französischen Formel 4 und ein paar wenige Rennen in Italien.
Dass es nichts mit der Singleseater-Karriere werden würde, begriff Wiebelhaus schnell aus unterschiedlichen Gründen. "Der Formelsport ist einfach zu teuer", sagte er im Interview für die neue Motorsport-Magazin Print-Ausgabe. "Es ist verrückt, wie viel das mittlerweile kostet! In meinem Fall war die Formel 4 in diesem Programm noch erschwinglich. Wenn man aber keine Perspektive hat, ergibt es keinen Sinn, noch ein Jahr Formel 4 zu fahren, dann mit Ach und Krach Formel 3 zu fahren und später keine Formel 2 mehr fahren zu können."

Manuel Reuter riet Wiebelhaus zum GT-Wechsel
Bei der Entscheidungsfindung für den weiteren Weg im Motorsport unterstützte Manuel Reuter, früherer ITC-Champion im Opel sowie Le-Mans-Sieger mit Mercedes und Porsche. Wiebelhaus: "Er hat gefragt, ob wir den finanziellen Background haben, um es die Formel 1 zu schaffen. Hatten wir nicht. Damit war das Thema für ihn erledigt, und er hat uns gesagt, dass ich GT-Autos fahren sollte. Seitdem arbeiten wir zusammen und haben einen sehr guten Kontakt."
Wiebelhaus bekam Anfang 2024 bei HRT, wo Reuter für die Nachwuchspiloten zuständig ist, die Chance, sich in der GT Winter Series zu beweisen - und überzeugte auf voller Linie mit sieben Siegen und sechs Pole Positions bei seinen neun Rennstarts. Damit war der Weg geebnet für den GT3-Motorsport, in dem es Senkrechtstarter Wiebelhaus binnen nur drei Jahren in die DTM und dort aufs Podium geschafft hat.

Wiebelhaus trauert Formelsport-Karriere nicht hinterher
Ob er dennoch dem Formelsport nachtrauere, wo doch so ziemlich alle Nachwuchstalente von einem Cockpit in der Formel 1 träumen? Wiebelhaus: "Tatsächlich nicht. Mir hat die Formel 4 nicht so viel Spaß gemacht, um ehrlich zu sein. Natürlich wollte man als ganz junger Fahrer erst mal in die Formel 1. Heutzutage mit dem neuen Reglement und allem drum herum bin ich mir da aber gar nicht mehr so sicher. Ich bin mit dem GT-Auto aktuell ziemlich glücklich. Ich finde das Racing viel besser, und es macht mir mehr Spaß."
Auf die DTM wartet am Nürburgring das sechste von acht Events in der Saison 2026. Wiebelhaus hofft nach vier vorzeitigen Ausfällen auf ein sauberes Rennwochenende und weitere Punkte. In der Meisterschaft belegt der Neueinsteiger den 15. Platz mit 63 Punkten. Sein HRT-Teamkollege Arjun Maini punkte mit einer Ausnahme in allen Rennen und rangiert mit 94 Zählern an sechster Stelle in der DTM-Tabelle.
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