Die neue Formel-1-Motorgeneration musste in diesem Jahr schon viel Kritik einstecken. Vor allem zu Saisonbeginn stand auch ein Sicherheitsaspekt im Fokus, als die Power-Unterschiede teilweise absurde Ausmaße annahmen. Nach dem Unfall von Oliver Bearman in Suzuka wurde deshalb Hand an den Regeln angelegt und die Leistung des Boost-Knopfs zurückgefahren sowie das Deployment-Profil angepasst.
Für den Geschmack von Sergio Perez gingen diese Maßnahmen offenbar nicht weit genug. Der Cadillac-Pilot hat schon mehrfach sein Missfallen der aktuellen F1-Generation gegenüber zum Ausdruck gebracht und er fand am Wochenende in Baku einen weiteren Anlass, um Alarm zu schlagen. "Wir müssen überprüfen, was mit den Unterschieden beim Energiemanagement los ist", forderte der Mexikaner, "denn ich hatte beinahe einen massiven Unfall mit Lawson, als ich mich gegen ihn verteidigte."
Dabei spricht er von einer Situation, die sich beim Rennen am Samstag in der 40. Runde ereignete, als Liam Lawson auf dem Weg zu Kurve 3 mit einem Überschuss von bis zu 31 km/h ankam und an Perez vorbeiging. Der zweifache Baku-Sieger antizipierte die Attacke offenbar zu langsam und änderte seine Linie erst spät. Lawson wich aus und überholte.
Sergio Perez macht Gefahrenstelle aus: Power-Unterschied zu groß
In der Situation kamen zwei Faktoren zusammen: Die Geschwindigkeit des Ferrari-gepowerten Cadillacs stagnierte auf der Geraden zwischenzeitlich, während Lawson offensichtlich den Boost aktivierte und so bis auf 334 km/h beschleunigte.
Für Perez war der Vorfall Grund genug, um eine Warnung zu formulieren: "Der Unterschied des Power-Deployments zwischen den Motoren ist zu groß. Ich fürchte, dass bald etwas Schlimmes passieren wird, wenn wir nicht ein paar Änderungen an den Regeln vornehmen."
Es ist unklar, wie solch eine Änderung aussehen könnte. Aktuell gibt es in der Formel 1 jedoch keinen Tatendrang, nochmal an den Motoren direkt nachzuschärfen. Für das kommende Jahr verschieben Änderungen beim Benzinfluss das Leistungsverhältnis ohnehin um fünf Prozentpunkte in Richtung des Verbrenners.
Zu große Unterschiede zwischen den Formel-1-Motoren? ADUO sollte helfen
Das Hauptproblem, das Perez ausmacht, ist nicht nur die Boost-Leistung, sondern allgemein die Differenz zwischen den Motorenherstellern. Eigentlich ist ADUO (Additional Development and Upgrade Opportunities) dazu konzipiert, im Rückstand befindliche Power Units zu den Platzhirschen aufholen zu lassen, allerdings werden immer mehr Zweifel laut, ob das Reglement diesem Zweck tatsächlich nachkommt. In Baku forderten Red-Bull-Teamboss Laurent Mekies und Audis Formel-1-Oberhaupt Mattia Binotto Regel-Nachschärfungen.
Red Bull Powertrains hat laut den ADUO-Messungen den besten Verbrennungsmotor. Da nur dieser in Form von PS-Werten in die Bemessungsgrundlage für ADUO einfließt und die Elektro-Komponenten nicht berücksichtigt werden, darf Red Bull als einziger Motorhersteller nicht nachbessern, Mercedes hingegen schon. Audi hingegen liegt über vier Prozent zurück und darf deshalb 2026 zweimal nachbessern.
Wie dramatisch die Situation zwischen Perez und Lawson in Baku tatsächlich war, steht auf einem anderen Blatt Papier. Lawson seinerseits erwähnte den Zwischenfall nach dem Rennen nicht einmal mit einem Wort. Bei ihm standen andere Themen im Vordergrund. Etwa, dass er von seinem Teamkollegen Arvid Lindblad rausgekegelt worden war.



diese Formel 1 Nachricht