Mit dem Großen Preis von Aserbaidschan startet die Formel 1 in die wohl intensivste Phase der Saison 2026: Der Stadtkurs in Baku läutet den ersten von drei kräftezehrenden Triple-Headern ein, die den Teams bis zum Saisonfinale 2026 alles abverlangen werden. Doch abseits der Rennstrecke dominiert im Paddock weiterhin die politische Debatte um die 2026 alles bestimmenden Schlagwörter Energiemanagement und ADUO.
Die Additional Development and Upgrade Opportunities wurden von der FIA als Reglement-Mechanismus für den neuen Power-Unit-Zyklus ab 2026 eingeführt, um extreme Leistungsunterschiede auszugleichen und das Feld eng zusammenzuhalten. Doch der Schuss ging nach hinten los. Aus den ersten beiden Beobachtungsperioden – die dritte endet beim GP von Mexiko – ging hervor, dass Red Bull Powertrains den stärksten Verbrennungsmotor (ICE) im Feld konstruiert hat und dementsprechend beim Antrieb keine Nachbesserung vornehmen darf.
Spätestens 2030 wird ADUO wohl Geschichte sein. Die Gespräche über einen radikalen Umbruch für die nächste Motoren-Generation laufen. Mehr dazu in diesem Artikel:
Red Bull-Teamchef Laurent Mekies machte im Rahmen des Baku-Wochenendes seinem Unmut Luft: "Wir haben versucht, unseren Standpunkt sehr deutlich zu machen – also wo wir glauben, dass wir uns einigen können und wo nicht." Der zentrale Kritikpunkt: Für die Bewertung wird ausschließlich die Leistung des Verbrennungsmotors herangezogen. Weitere performancekritische Komponenten der Power Unit - wie das ERS-System, die Batterie-Architektur oder spezifische Software-Betriebsparameter - fließen nicht in den Leistungsindex ein.
ADUO-Ausgleichsmechanismen im Überblick:
| Rückstand auf beste ICE | Zusatz-Upgrades | Prüfstandszeit | Budget |
|---|---|---|---|
| unter 2 Prozent | - | - | - |
| 2 bis 4 Prozent | 1 dieses Jahr, 1 nächstes Jahr | 70 Stunden/Periode | 3.000.000 $ |
| 4 bis 6 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 110 Stunden/Periode | 4.650.000 $ |
| 6 bis 8 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 150 Stunden/Periode | 6.350.000 $ |
| über 8 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 190 Stunden/Periode | 8.000.000 $ |
| über 10 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 230 Stunden/Periode | 11.000.000 $ |
Red Bull sieht sich der Gefahr ausgesetzt, durch die Systemlogik schachmatt gesetzt zu werden. Denn wenn die Hersteller die zugesprochenen Token nicht für die Entwicklung des Verbrennungsmotors nutzen, könnten sie Red Bull theoretisch noch länger an der Spitze der Wertung halten und damit Red Bull Powertrains in seinen Entwicklungsmöglichkeiten stark einschränken. Auch bei Audi zeigt man sich verhalten gegenüber dem aktuellen ADUO-System - obwohl der Hersteller nach der ersten Beobachtungsperiode mit über vier Prozent Rückstand eingestuft wurde und somit zwei zusätzliche Homologations-Joker für 2026 und 2027 sichern konnte.
ADUO muss als Sicherheitsnetz und Performance-Konvergenz fungieren
Aus Sicht der Ingolstädter greifen die Kernversprechen des Reglements - Sicherheitsnetz und Performance-Konvergenz - nicht optimal, wenn selbst Seriensieger Mercedes Zusatz-Entwicklungszeit am Motor erhält. "Das aktuelle System ermöglicht, dass man in eine Situation gerät, in der vielleicht ein Topteam zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten erhält - und das kann letztlich weder im Sinne eines Sicherheitsnetzes noch der Konvergenz sein", betonte Mattia Binotto und fügte an: "Das ADUO-Konzept an sich ist weiterhin sinnvoll. Es braucht lediglich eine Feinabstimmung."
Audi könnte 2026 dank ADUO-Joker ein weiteres Motor-Update bringen, verzichtet jedoch darauf. Allan McNish, Renndirektor des F1-Teams, nennt die Gründe in diesem Artikel:
Das dürfte mittlerweile auch bei der FIA angekommen sein. Nikolas Tombazis, Formelsport-Direktor bei der FIA, deutete bereits Gesprächsbereitschaft bezüglich erweiterter Messparameter an: "Da dies das erste Jahr des ADUO-Programms ist, gibt es natürlich Bereiche, die wir im Laufe der Zeit in Absprache mit allen Antriebseinheitenherstellern weiterentwickeln können", erklärte Tombazis. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur gab im Interview mit Motorsport-Magazin.com offen zu, dass man sich die Lücke im Reglement bei der Fahrzeugauslegung zunutze machte. Das Interview ist in der neuen Print-Ausgabe #110 zu lesen.
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